Dance Dance Dance © RTL
DWDL.de-TV-Kritik zur neuen RTL-Show

"Dance Dance Dance": Opulent, aber altbacken

 

Nächster Versuch: Nach "Stepping Out" testet RTL mit "Dance Dance Dance" die nächste Tanzshow als Ergänzung zum erfolgreichen "Let's Dance". Die Talpa-Produktion ist sehr optisch schick aber letztlich gewöhnlicher als gedacht.

von Thomas Lückerath
03.09.2016 - 23:54 Uhr

Wie viel Platz für Tanzshows gibt es noch im deutschen Fernsehen? Talpa Germany - eine Tochter von ITV Studios - und RTL sind da ganz optimistisch und schicken mit "Dance Dance Dance" eine neue internationale Formatidee ins Rennen. Der neue Dreh: Nachgetanzt werden sollen legendäre Musikvideos auf einer besonders aufwändigen Bühne. Sechs Promi-Paare haben dafür lange geübt. "Das waren die zwölf härtesten Wochen ihres Lebens", lässt der Vorspann der neuen Samstagabend von RTL wissen.



Beurteilt wird deren Performance von einer Jury besetzt aus Choreograph Cale Kalay ("Ich bin sehr gespannt wer von unseren Teams am meisten die Bude rocken wird"), Sophia Thomalla ("Sie gewann nicht nur die dritte Staffel von 'Let's Dance' sondern auch die Herzen der Zuschauer") und DJ Bobo ("Der King of Dance"). Sie kommen nach dem Opening zum Sommerhit "Can't stop  the feeling" auf die Bühne, gefolgt von den sechs Kandidaten-Paaren, die erst gemeinsam auftreten und später aus jedem Team ein Solo aufgeführt wird.

Durch die Show führen Nazan Eckes und Jan Köppen ("Das Traumpaar jedes Abschlussballs") und sie tun dies gekonnt unauffällig wie es Tradition ist für Castingshows, die nach dem immer gleichen Muster funktionieren. Das ist es auch, was bei "Dance Dance Dance" auffällt bevor wir überhaupt einen Tanz gesehen haben: Das I in RTL und Talpa steht für Innovation. Zum Einstieg Geplauder mit der Jury ("DJ Bobo, du bist eine Legende") über ihre Hoffnungen und Erwartungen.

Dann jeweils ausführliche Einspieler, ein kurzer Auftritt, Jury-Urteil an der Seite von Nazan Eckes und Jury-Urteil-Analyse backstage mit Jan Köppen. Für die nächsten knapp zweieinhalb Stunden ist diese bekannte Reihenfolge der immer gleiche Ablauf bei "Dance Dance Dance". Ärgerlich: Wie einst bei der ersten Ausgabe von "Rising Star" wird so viel drum herum veranstaltet, dass die Auftritte selbst fast etwas kurz kommen. Jeweils etwa vier Minuten Einspieler, knapp zweieinhalb Minuten Tanz und dreieinhalb Minuten Analyse.

Der erste Tanz von Aneta (DSDS-Gewinnerin) und Menderes (Dschungelönig) war "You're the one that i want" aus "Grease" und demonstrierte auf Anhieb noch nicht die spektakuläre Bühnen-Technik. Auch das Duo selbst war allenfalls ordentlich. Die Jury jedoch will da irgendwo mehr gesehen haben, schwärmt und verteilt - Spoiler - die zweitbesten Noten aller Duo-Auftritte. Wo bei "Let's dance" die Härte waltet, gibt es hier zwischen Kritik den Castingshow-üblichen Pep-Talk zur Aufmunterung.

Das Koch-Duo Alexander Kumptner und Mario Kotaska versuchten sich an Michael Jackson inklusive vorgedrehtem Intro. Model Sabia und Ex-Bachelor Leonard versuchten mit Lambada zu beeindrucken, aber auch nackte Haut half da nicht. Erst beim dritten Tanz des Abends - aufgeführt vom Sportler-Duo Bene & Philipp - kam zum ersten Mal die spektakuläre Bühnentechnik in Form eines Puppentheaters richtig zur Geltung. Hier stimmte Inszenierung und Leistung des Duos: Verdiente Höchstnoten für Tänzer und "Dance Dance Dance".

Dagegen fielen Daniela Katzenberger & Lucas Cordalis sowie Dana Schweiger und Tochter Luna deutlich ab. Das war mehr Rumgehüpfe als gekonntes oder zumindest ernsthaft geprobtes Tanzen. Dass die Auftritte mit Background-Tänzerinnen und Tänzern sowie der LED-Technik trotzdem etwas hermachten, lenkte davon ein Stück weit ab. Aber es bleibt der Eindruck: Wo bei "Let's dance" ernsthaft getanzt werden muss, weil optisch wenig vom Tanz ablenkt, ist "Dance Dance Dance" mehr Show drumherum - inklusive dem scheinbar unvermeindlichen Storytelling mancher möglichen Heldenreise.

Bei den Solo-Tänzen, sozusagen der zweiten Runde, zeigte sich auch wieder die Bandbreite von gewollt aber nicht gekonnt und richtig toll. Bei Sabias Solo-Tanz zu "Umbrell" von Rihanna wurde - wenn es auch nicht exakt synchron gelang - das Zusammenspiel von Tanz und Inszenierung über die Bühnentechnik deutlich. Davon jedoch sah man erstaunlich wenig wenn man bedenkt, dass dies das eigentlich Unterscheidungsmerkmal von "Dance Dance Dance" ist.

Am Ende ist die neue RTL-Show von Talpa Germany sicher nette Unterhaltung, die nicht weh tut und unterhalten kann. Sie setzt dafür ja auch auf viele bewährte Elemente, einen bekannten Ablauf und macht dabei für Gewohnheitstiere auf den Wohnzimmer-Sofas wenig falsch. Das Talpa-Format hat auch ein eigenständigeres Konzept als "Stepping Out" von Schwesterfirma ITV Studios im vergangenen Sommer. Wer also eingeschaltet hat, wird es nicht bereut haben. Wer es verpasst hat, hat aber auch nichts verpasst.

Ganz so atemberaubend oder spektakulär, wie im Vorfeld suggeriert, sah es dann einfach nicht aus. Schade, wenn man den Aufwand und all die Kostüme innerhalb einer Show bedenkt. Dazu kamen all die kleinen Dramen bei den Proben, die total überwältigte oder enttäuschte Jury - einmal das volle Programm des gekonnten Storytellings für den Spannungsbogen. Das muss man mögen. Tanz im Fernsehen - das bleibt "Let's dance". Und auch das von ProSiebenSat.1 abgesetzte "Got to Dance" beeindruckte mit seinen Bildern bei der Premiere mehr als "Dance Dance Dance".

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