Quizduell © ARD/Uwe Ernst
DWDL.de-TV-Kritik

"Quizduell"-Rückkehr im Ersten: Der Lack ist App

 

Die App ist womöglich inzwischen out, doch nach fast einjähriger Pause versucht sich Jörg Pilawa noch einmal daran, TV-Show und App miteinander zu verbinden. Der Fokus des "Quizduells" liegt inzwischen aber ganz klar im Studio.

von Alexander Krei
04.10.2016 - 19:56 Uhr

Haben Sie eigentlich noch die "Quizduell"-App auf dem Smartphone? Wenn nicht, dann sind Sie mit einiger Sicherheit nicht alleine, denn der große Hype um das Ratespiel ist bekanntlich längst abgeflaut. Kein Wunder also, dass Jörg Pilawa ("Schön, dass Sie nichts Besseres zu tun hatten") den ARD-Zuschauern erst mal empfehlen musste, ihr Handy zu entstauben, bevor das Spiel im Vorabendprogramm beginnen konnte. Immerhin ist es mittlerweile fast ein Jahr her, dass die letzte klassische Ausgabe des televisionären App-Ablegers im Ersten zu sehen war. Zeit genug, um – mal wieder – am Konzept der Show zu schrauben.

Das dachten sich zumindest deren Tüftler. Sie standen vor der einigermaßen komplexen Herausforderung, das "Quizduell" auch denjenigen zugänglicher zu machen, die während des Abendbrots partout keine Lust haben, immerzu Kategorien auszuwählen oder Fragen auf dem Handy-Display zu beantworten, sondern schlichtweg bloß ein TV-Quiz sehen wollen. Die große Stärke des "Quizduells" – die Interaktivität – ist gleichzeitig nämlich auch die große Schwäche. Sie ist zwar das Herzstück der Show, machte das "Quizduell" im Fernsehen aber in der Vergangenheit an vielen Stellen ziemlich behäbig, weil im Studio stets zunächst abgewartet werden musste, wie die App-Mitspieler geantwortet haben.

Diese Leere wusste Jörg Pilawa zwar meist gut zu überspielen und besaß bis zu einem gewissen Punkt sogar durchaus Charme; sie bremste den Rhythmus der Sendung jedoch in (un)schöner Regelmäßigkeit merklich ab. Dumm nur, dass das "Quizduell" auch durch die neuerlichen Konzept-Änderungen nicht wirklich schneller daherkam. Das lag schon alleine an der Reduzierung der Kategorien: Anstelle von sechs Runden werden neuerdings nämlich nur noch fünf gespielt. Kurioserweise reichte bei der Rückkehr am Dienstag aber selbst dafür kaum die Zeit, weil es immer wieder galt, die Leere mit Smalltalk zu füllen ("Wie wart ihr ind er Schule?").

Und so bleibt das Grund-Problem der Show also auch in der neuen Version bestehen. Dabei wurde schnell deutlich, welch große Mühe sich die "Quizduell"-Tüftler von ITV Studios Germany gaben, den Fokus der Show ins Studio zu lenken und nicht so sehr auf die Frage, wie denn nun das omoinöse "Team Deutschland" an den Smartphones abgestimmt hat. Doch ein Stück weit ist der Lack inzwischen App: Um die App-Mitspieler nicht länger als große Unbekannte darstellen zu müssen, sitzt jetzt also ein Team-Kapitän im Studio, auch wenn die anwesende Miss Germany nicht gerade den Eindruck vermittelte, regelmäßig dem Kreis der "Quizduell"-Spieler anzugehören.

Quizduell© Screenshot ARD

Der besondere Kniff: Zwar kann der Kapitän eine eigene Antwort geben, doch wenn die Mehrheit der App-Mitspieler eine Alternative bevorzugt, besteht die Möglichkeit, sich doch noch einmal in letzter Sekunde umzuentscheiden. Das kann gutgehen – muss es aber nicht, wie sich sehr früh bei der Frage zeigte, was von Dollarflecken und Schneeschimmel befallen sein kann. Obwohl Miss Germany zunächst die richtige Antwort, vertraute sie lieber der knappen Mehrheit des "Teams Deutschland", das fälschlicherweise Apfelbäume statt Rasen einloggte. Blöd gelaufen.

Jubeln konnten stattdessen Tom Beck und Francis Fulton-Smith, die prominenten Herausforderer, die gegen Miss und App antraten und vor dem Finale klar in Führung lagen, bei dem der Spielverlauf noch einmal auf den Kopf gestellt werden konnte. Das hatte dann übrigens so gar nichts mehr mit dem klassischen "Quizduell" am Hut und erinnerte vielmehr an die Endrunde von "Gefragt – gejagt". An diesem Beispiel zeigt sich recht gut, dass das "Quizduell" durch die neuerlichen Änderungen wesentlich fernsehtauglicher, in erster Linie aber gewöhnlicher geworden ist. Zweieinhalb Jahre nach der Premiere bleibt das Vorhaben, Interaktion ins Fernsehstudio zu bringen, kompliziert.

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