Good Behavior © TNT
DWDL.de-Serienkritik

"Good Behavior": Der Versuch, ein neues Genre zu erfinden

 

Mit der auf TNT Serie startenden Thriller-Produktion "Good Behavior" kommt eine Serie ins Pay-TV, die mehr sein möchte, als ein einfacher Thriller. Ist es den Machern gelungen, ein neues Genre zu erschaffen?

von Kevin Hennings
15.11.2016 - 16:05 Uhr

Sechs Jahre lang haben "Downton-Abbey"-Fans Michelle Dockery als die - weitestgehend - feine Dame Lady Mary Crawley kennen und lieben gelernt. Wer sich nun alleine deswegen dazu entschlossen hat, mit der neuen von Blake Crouch ("Wayward Pines") inszenierten Serie "Good Behavior" anzufangen, weil ihr Gesicht kurz nach dem Ende des britischen Historiendramas hier wieder auftaucht, muss sich jedoch auf einiges gefasst machen. Dockery hat nämlich einen dramatischen Rollenwandel vollzogen, nach dem man sie kaum wiedererkennt.

In "Good Behavior" tritt sie als als drogenabhängige Trickbetrügerin Letty Raines auf, die gerade erst ihre Haftstrafe im Gefängnis abgesessen hat. Nicht zuletzt wegen ihres 10-jährigen Sohns sollte sie also eigentlich erkannt haben, dass es Zeit ist, sich zu ändern. Ja, Lord Grantham wäre alles andere begeistert, sie als derart menschliches Wrack zu sehen. Begeistert darf man als Zuschauer aber von Dockerys Wandelbarkeit sein - vor allem deswegen, weil sie das richtig gut macht. 

Fairerweise muss man Letty jedoch zugutehalten, dass sie sich immerhin für ein paar Tage vorgenommen hat, ihre Person zu bessern: Nach ihrer Entlassung fängt sie an, in einem ranzigen Diner zu kellnern und menschenunwürdige Toiletten zu schrubben. Abseits der Arbeit sind Motivations- und Selbsthilfehörbücher ihre besten Freunde, um "das beste Ich, dass ich sein kann" zu werden. 

Doch es dauert nicht lange, bis sie in alte Muster verfällt und die Rückkehr ihres alten neuen Ichs mit einer gepflegten Hotel-Room-Tour feiert. So raubt sie sich mittels perfider Tricks von Zimmer zu Zimmer und endet schließlich in dem von Javier Pereira (Juan Diego Botto, "Zorro"). Un- bzw. Glücklicherweise - je nachdem, wie man es betrachten mag - überhört sie dabei ein Gespräch zwischen ihm und einem Ehemann, der scheinbar gerade dabei ist, einen Auftragsmord an seine Frau abzugeben. 

Was passiert also? Glaubt sie den abartig klingenden Worten dieses Gesprächs und versucht, die besagte Frau zu retten, oder ignoriert sie das Gehörte und ergötzt sich einfach an ihrer sehr erfolgreichen Raubtour, genießt ihr Leben?

Diese Beschreibung lässt bereits das Bild eines typischen Thriller durchblicken. "Good Behavior" möchte aber kein reiner Genre-Ableger sein, sondern ein eigenes erschaffen. Poetisches Noir. Das könnte es wohl am besten treffen. Eine Serie, die Spannungselemente eines klassischen Film Noir in sich trägt, obendrauf aber einen modernen Stil mit rein bringt, der in geschmeidige Dialoge verpackt ist. 

Schade ist jedoch, dass diese Pionierarbeit, die vor allem in den ersten Folgen zu sehen ist, schnell etwas abflacht. Vermehrt kommen typische Klischee-Momente vor, die man schon aus so vielen Fernseh-Serien kennt. Irrationale Handlungen eben, die ein stimmiges Geschehen ganz schnell aus den Fugen heben können. Es hält sich noch in einem erträglichen Bereich, doch muss man hoffen, dass sich die Macher mit zunehmender Laufzeit nicht immer mehr dem Mainstream beugen und öfters so sexy und mutig agieren, wie sie es vor allem in der Auftaktepisode taten. 

"Good Behavior" und seine Charaktere - Botto wirkt sogar noch magnetischer als Dockery - bieten auf jeden Fall eine Menge Potenzial für packende Storystränge und Action, die nicht immer in Explosionen ausarten muss, um zu gefallen. Die ersten Folgen wirkt schlussendlich wie ein ausgiebiges Aufwärmen, kurz bevor sich Crouchs Geschichte am Scheideweg dazu entscheiden muss, etwas einzigartig Gutes zu werden, oder doch nur eine weitere Drama-Serie, die man irgendwann aus den Augen verliert. 

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