Luke - Die Schule und ich © Sat.1/Willi Weber
DWDL.de-TV-Kritik

Sat.1 dank Mockridge auf dem richtigen Show-Pfad

 

Luke Mockridge moderiert seine erste große Primetime-Show in Sat.1 und macht seine Sache dabei richtig gut. "Luke! Die Schule und ich" ist authentisch und unterhaltsam, wenn da nur nicht dieser einfallslose Show-Titel wäre.

von Timo Niemeier
05.05.2017 - 23:35 Uhr

Man kann nicht behaupten, dass Luke Mockridge derzeit wenig zu tun hat. Neben seiner Comedy-Tour ist er zuletzt auch sehr erfolgreich mit seiner Late-Night-Show "Luke! Die Woche und ich" gewesen. Ende letzten Jahres präsentierte er zudem erstmals einen Jahresrückblick in Sat.1, Anfang dieses Jahres stand er als Moderator für die Netflix-Gameshow "Ultimate Beastmaster" vor der Kamera. Nun hat er von Sat.1 die Primetime-Show "Luke! Die Schule und ich" spendiert bekommen. Aber keine Angst, der Titel ist dann auch schon das schlechteste und unkreativste des neuen Formats, ansonsten kommt die Show nämlich recht unterhaltsam daher.

Das liegt zum Auftakt gewiss auch an einer heiteren Promi-Runde, die gegen Schüler verschiedener Altersklasse antreten muss. Besonders gut aufgelegt zeigt sich Hella von Sinnen, die die Show fast im Alleingang trägt. Wie sich die kommenden Folgen ohne sie im Promi-Rateteam machen werden, muss sich erst noch zeigen. Aber auch so hat die Show das Potenzial, um zu einem Erfolg für Sat.1 zu werden.


Die Idee, Promis gegen Schulkinder antreten zu lassen, ist freilich nicht neu. Cordula Stratmann präsentierte zwischen 2007 und 2008 schon einmal rund 30 Folgen der Show "Das weiß doch jedes Kind!", eine Adaption der US-Show "Are You Smarter Than a 5th Grader". Dennoch ist das Konzept gut umgesetzt: Die Promis stellen sich drei Schüler-Teams, jeweils einem aus Grundschule und jeweils einem aus Mittel- und Oberstufe. Am Ende geht’s zur Abschlussprüfung. Produziert wird "Luke! Die Schule und ich" von Brainpool.

Gut ist die Sendung besonders deshalb, weil sie keinen vermeintlichen Wettkampf zwischen Kids und Promis vorgaukelt - es gibt das Duell der Teams tatsächlich. In anderen Sendungen dieser Art wird den Kinder-Teams ja immer gerne der Sieg freiwillig überlassen und so getan, als habe man gar nichts daran ändern können. "Klein gegen Groß" ist damit erfolgreich, "Luke! Die Schule und ich" geht hier einen anderen Weg. Einen, bei dem das Zuschauen mehr Spaß macht. Natürlich wird auch in der Sat.1-Show darauf geachtet, dass kein böses Blut vergossen wird. Aber es geht dann doch ein gutes Stück fairer und realistischer zu als bei vergleichbaren Sendungen. "Luke! Die Schule und ich" ist authentisch.

Auch die Spiele sind unterhaltsam und teilweise gut dazu geeignet, um vor dem Bildschirm mitzuraten. So müssen Promis und Kinder etwa "Stadt, Land, Fluss" spielen und dabei bedenken, welche Antwort wahlweise die meisten oder wenigsten Google-Treffer hat. In anderen Spielen werden von Kindern gezeichnete Zeichentrickfiguren oder Pausensnacks nach dem Grad ihrer Verschimmelung erraten. Die Sieger, in der ersten Folge die Schüler, erhalten 25.000 Euro für ihre Schule. Hätten die Promis gewonnen, wäre das Geld an ihre früheren Schulen gegangen.

Luke - Die Schule und ich
© Sat.1/Willi Weber
Vor allem Hella von Sinnen sorgte in der Auftaktsendung für heitere Momente.

Für Luke Mockridge ist es die erste große Primetime-Show und er macht eine gute Figur, der Moderator ist dank seiner Comedy-Ausbildung spontan und gibt sowohl den Kids als auch den Promis Kontra - auch sein Sender ist vor einigen Sprüchen nicht gefeit. Mockridge bleibt zudem seiner bekannten Linie treu und ist auch in seiner neuen Show niemand, der einfach alles wegmoderiert. In den Spielen kann er sich ehrlich für die Teams freuen oder mitleiden, das transportiert Emotionen. "Luke! Die Schule und ich" beweist, warum Sat.1 Mockridge in den vergangenen Jahren behutsam aufgebaut hat, der junge Comedian scheint zu Höherem berufen.

Natürlich kann auch noch an den ein oder anderen Stellschrauben gedreht werden. So sind die Einspieler, die Luke in den verschiedenen Schulen zeigt, etwas zu lang geraten. Hier könnte man sicherlich ansetzen und die Sendung, die bis 22:30 Uhr läuft, etwas kürzen. Ansonsten ist die Show, die aufgezeichnet wurde, gut geschnitten - das muss man in Zeiten, in denen bei Sat.1 große Shows in der Postproduktion regelrecht zerstört werden, ja stets betonen.

Insgesamt zeigt sich, dass Sat.1 mit seiner Show-Offensive auf dem richtigen Weg ist. Ohne das Schnitt-Fiasko kam "Little Big Stars" zuletzt sehr angenehm daher, und am Freitag war "Paul Panzers Comedy-Spieleabend" zuletzt auch schon sehr kurzweilig, auch wenn die Quoten das nicht widerspiegelten. "Luke! Die Schule und ich" reiht sich hier nahtlos ein und bringt Sat.1 im Bemühen, neue und unterhaltsame Shows auf die Beine zu stellen, ein gutes Stück näher. Zu verdanken hat man das aber auch Luke Mockridge, der langsam zum Allrounder beim Sender zu werden scheint. Nur das mit dem Namen könnten sie sich bei Sat.1 nochmal überlegen.

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