Ein Mann, eine Wahl © ProSieben / Claudius Pflug
DWDL.de-TV-Kritik zu "Ein Mann, eine Wahl"

"Zack, Schnitt, Schulz": Klaas und der Selbstzweck

 

Kurz vor der Wahl versucht's ProSieben zur Abwechslung mal wieder mit Politik. In "Ein Mann, eine Wahl" trifft Klaas Heufer-Umlauf auf Politiker - ausnahmsweise nicht zusammen mit Joko, sondern mit zwei Doppelgängern. Doch kann das funktionieren?

von Alexander Krei
11.09.2017 - 16:03 Uhr

"Eigentlich ist es wie vor jeder Bundestagswahl. Um jeden Kandidaten und jede Partei zu verstehen, müsste man sich eigentlich dreiteilen", meint Klaas. "Wenn man eine politische Sendung macht, in der jede politische Richtung ihren Platz findet, muss man sich sogar dreiteilen." Gesagt, getan. In seiner neuen Sendung lebt Klaas Heufer-Umlauf einer fiktiven WG mit zwei Doppelgängern, die sich äußerlich nur durch die Farben ihrer Pullis unterscheiden lassen. Wer etwas genauer hinhört, wird jedoch feststellen, dass die drei auch politisch unterschiedlich ticken.

So weit die Grundidee, von der sich auch "Herr ProSieben" überzeugen ließ, wie gleich zu Beginn von "Ein Mann, eine Wahl" deutlich wird. Tatsächlich macht "Herr ProSieben" abseits der Bundestagswahl nicht allzu oft mit politischer Kontroverse von sich reden; auch das neue Format mit Heufer-Umlauf, der nicht länger nur als Spaßmacher wahrgenommen möchte, wird geschickt eingebettet in eine Vielzahl an "Big Bang Theory"-Folgen – in der Hoffnung, das Publikum möge sich wenigstens über diesen Umweg für Politik begeistern können.

Dass man es überhaupt versucht, kann man dem Sender schon hoch anrechnen. Und dass es dafür frische Ideen, andere Herangehensweisen braucht als bei den üblichen Debatten, wie man sie dieser Tage zuhauf bei den Öffentlich-Rechtlichen sehen kann, versteht sich von selbst. Da muss man schon akzeptieren, dass es bei Heufer-Umlaufs Politik-Seminar zwischenzeitlich nicht nur um Martin, sondern auch um Olli Schulz geht ("Ey Klaas, ich bin nicht nur der Ficki-Ficki-Olli"). Das Bemühen, frische Ansätze einzubringen, ist kaum zu übersehen.

Als Heufer-Umlauf für seine Sendung einen recht klassischen Aufsager vor der Kulisse des Bundestags spricht, bricht er plötzlich ab und sagt: "Zack, Schnitt, Schulz. Das ist modernes Fernsehen." Und plötzlich sitzt da also wirklich der SPD-Kanzlerkandidat, um sich den Fragen von Klaas zu stellen – oder besser gesagt vom dreifachen Klaas, der mehrfach von seinem Platz aufspringt, um Schulz mit anderem Pulli und anderer Einstellung zu begegnen. Das mag gut gemeint und vielleicht sogar unterhaltsam sein, bringt das Gespräch aber leider kaum voran.

Das Konzept will womöglich auch deshalb nicht so recht fruchten, weil die gespaltene Persönlichkeit des Moderators nicht nur die Zuschauer verwirrt, sondern vor allem Martin Schulz, von dem man letztlich gar nicht viel erfährt. Stattdessen gibt er dem 33-Jährigen einmal sogar eine nahezu identische Antwort, obwohl dieser gerade mal wieder seinen Pulli wechselte. "Man geht ja nicht in die Politik als Selbstzweck", sagt Schulz, um wenig später noch einmal zu betonen, dass Macht ja kein Selbstzweck sei.

Ein Mann, eine Wahl
© ProSieben / Claudius Pflug

In diesem Moment wirkt es leider so, als sei in erster Linie das Spielchen, das Heufer-Umlauf betreibt, reiner Selbstzweck. Zur Erhellung trägt es jedenfalls zunächst nicht bei. Besser wird es erst, als er sich im weiteren Verlauf der Sendung dazu entscheidet, jeden Gesprächspartner nur einen Klaas treffen zu lassen. Auf diese Weise kommt etwa bei einer Fahrt mit FDP-Chef Christian Lindner im Protz-Sportwagen ein durchaus interessantes Interview über Markt und Moral zustande, auch wenn der Polit-Profi so manche Vorlage des Fragenstellers gekonnt für sich zu nutzen weiß.

"Wenn die FDP ein Auto wäre, welches wäre es dann?", wird er gefragt und spricht etwas von lauter Individualisten in seiner Partei. Lindners Schlussfolgerung: "Wir wären ein Fuhrpark." Als er kurz darauf seine Argumente gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen ausdrückt, fasst Klass kurz zusammen: "Es muss ein Arschtritt durch Deutschland gehen." Lindner nickt und bestätigt zögernd: "Ja... vielleicht." Es ist davon auszugehen, dass es vor allem solche Momente sind, die dem ProSieben-Publikum in Erinnerung bleiben werden.

Ergänzt wird all das durch Begegnungen wie jene mit dem "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt ("Kann ich nicht lieber Julia Leischik interviewen?"). Es kommt also durchaus etwas rum bei "Ein Mann, eine Wahl", doch ganz sicher wäre mehr drin gewesen, hätte die Redaktion darauf verzichtet, den Zuschauern immer und immer wieder die Klaas'sche Dreifaltigkeit unter die Nase zu reiben. Heufer-Umlauf wiederum hätte die Politiker gut und gerne noch härter in die Mangel nehmen können, bietet die Grundidee des Konzepts mit der Zuspitzung auf gegensätzliche Standpunkte doch die Chance auf Konfrontation.

Es muss ja nicht gleich zugehen wie bei Claus Strunz, aber mehr Reibung wäre wünschenswert gewesen. Das ist dem Comedian Abdelkarim kürzlich mit "Endlich Klartext!" bei RTL II besser gelungen (hier geht's zur TV-Kritik). So kommt die auf zwei Folgen angelegte ProSieben-Sendung jedenfalls über weite Strecken hinweg dann doch einen Hauch zu lieb daher. So gesehen passt "Ein Mann, eine Wahl" aber zumindest ganz gut zum laufenden Wahlkampf.

ProSieben zeigt "Ein Mann, eine Wahl" am Montag um 22:05 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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