This Time Next Year - Heute in einem Jahr © Screenshot RTL
DWDL.de-TV-Kritik

"This Time Next Year": Wie schnell die Zeit vergeht

 

In der neuen Show "This Time Next Year" betreibt RTL eine Zeitreise der besonderen Art, denn innerhalb weniger Augenblicke vergeht hier ein ganzes Jahr. Das ist mal emotional und mal haarig - so wie im Falle von Birgit Schrowange, die binnen Sekunden ergraut.

von Alexander Krei
11.09.2017 - 22:33 Uhr

Erst ein lauter Schrei, dann das Entsetzen: "Scheiße! Wie seh' ich aus? Meine Fresse!" So läuft er ab, der Moment, in dem sich Birgit Schrowange erstmals mit kurzen und vor allem grauen Haaren im Spiegel begegnet. Dem ersten Schock folgt die Zufriedenheit. "Ich bin cool", sagt die Moderatorin, die den Abschied von ihren gefärbten Haaren am liebsten schon vor einigen Jahren hinter sich gebracht hätte. "Meinen Chefs bin ich schon lange auf die Nerven gegangen", erzählt sie. Doch es musste erst "This Time Next Year" erfunden werden, um den Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen.

"This Time Next Year" ist ein neues Show-Format, das RTL aus England adaptiert hat. Menschen äußern darin ein Ziel, das sie innerhalb eines Jahres erreichen wollen. Der Clou: Weil die Sendung in zwei Teilen aufgezeichnet wird, sehen die Zuschauer binnen weniger Sekunden, ob das Vorhaben geklappt hat. So wie im Falle von Birgit Schrowange: Gerade noch gibt sie zu Protokoll, ihre Sendung "Extra" in einem Jahr mit grauen Haaren moderieren zu wollen, da sind zwölf Monate auch schon vergangen und die Moderatorin betritt das Studio von der anderen Seite erneut – diesmal ergraut. 

Freimütig erzählt Schrowange vom "anstrengendsten Jahr meines Lebens" und gibt den Zuschauern strahlend den Ratschlag: "Findet euch schön, so wie ihr seid!" Für RTL ist die lange verhinderte Schrowange-Verwandlung plötzlich ein Glücksfall, immerhin hat die "Bild"-Schlagzeile ("So sehe ich ohne Perücke aus!") im Vorfeld der Premiere bereits einige Aufmerksamkeit auf die neue Show gelenkt. Dabei wird dieser geschickte PR-Schachzug der Produktion von ITV Studios Germany eigentlich nur bedingt gerecht, denn oft geht es für die Kandidaten der Show um weit mehr als die bloße Frage, mit welcher Haarfarbe man auf die Straße geht.

Da ist zum Beispiel der 21-jährige Peter, der wegen einer Krankheit 24 Operationen über sich ergehen lassen musste, darunter 17 am Gehirn. Sein Wunsch: "Heute in einem Jahr möchte ich meinen 18. Geburtstag nachfeiern." Damals, als er 18 wurde, hatten ihn die Ärzte fast aufgegeben. "Ich habe wirklich alle Komplikationen mitgenommen", erzählt der junge Vater mit einem Kloß im Hals. Die nächsten zwölf Monate möchte er nutzen, um einem normalem Leben einen großen Schritt näher zu kommen. Das klappt auch erstaunlich gut – Heiratsantrag und viele Tränen inklusive.

Emotional wird’s auch, als ein Paar den Wunsch äußert, im nächsten Jahr ein Baby bekommen zu wollen. Weil die Frau bereits mit 31 Jahren in den Wechseljahren ist und nur eine in Deutschland nicht erlaubte Eizellspende in Frage kommt, wird es tatsächlich spannend, wie das Wiedersehen im Studio verläuft. Gerade noch kinderlos durch die "This Time"-Tür gegangen, kehrt das Paar mit Zwillingen im Bauch der Frau durch die "Next Year"-Tür zurück. Ein schöner Effekt, der sich zumindest in der ersten Sendung noch nicht erschöpft, obwohl das gleich sechs Mal in 75 Minuten so geht.

This Time Next Year - Heute in einem Jahr
© MG RTL D / Frank Hempel

Die Türen öffnen und schließen sich bei "This Time Next Year" beinahe häufiger als auf den Bühnen des Boulevardtheaters. An mancher Stelle hätte man sich allerdings gewiss noch etwas mehr Ruhe und Tiefgang gewünscht. Vor allem die Gespräche von Moderator Jan Hahn wirken oft arg hölzern, was womöglich auch dem Schnitt geschuldet ist. Kaum sitzen seine Gäste auf dem Sofa, müssen sie auch schon wieder gehen. Hahn selbst gibt sich größte Mühe, mit den Kandidaten mitzufiebern, faltet artig die Hände zum Gebet, bevor es zum Wiedersehen kommt. Wirklich emotional wirken die Talk-Sequenzen aber leider nur selten.

Womöglich hätte es der Sendung noch besser getan, säße da ein Moderator, nah am Wasser gebaut und ständig nach Taschentüchern greifend. So aber bleibt die Beziehung zwischen Hahn und seinen Gästen dann doch meist ein wenig unterkühlt. Das ist schade, trübt den Spaß an "This Time Next Year" aber letztlich nur bedingt, schließlich steht und fällt das Format in erster Linie mit den Geschichten der Protagonisten. Und die gehen erfreulicherweise wirklich ans Herz. Oder zumindest ans Haar.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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