The Marvelous Mrs. Maisel © Amazon
Zwei Golden Globes, aber weitgehend unbekannt

"Mrs. Maisel": Amazons fabelhafter Start ins neue Jahr

 

In der Nacht zu Montag hat die Amazon-Dramedy "The Marvelous Mrs. Maisel" gleich zwei der begehrten Golden Globes ergattert. Hierzulande geht die deutschsprachige Version erst Ende Januar online. Vorgemerkt werden sollte die Premiere aber in jedem Fall.

von Kevin Hennings
08.01.2018 - 23:07 Uhr

Wenn Serienpreise in Amerika vergeben werden, hat es der deutsche Zuschauer nicht immer leicht nachzuvollziehen, ob die Entscheidungen gerecht sind, oder nicht. So war es nun auch wieder in der Nacht zu Montag als in Los Angeles die 75. Golden Globes verliehen wurden. Zu den großen Gewinnern des Abends gehörten nämlich nicht nur die Primetime Emmy-Abräumer “Big Little Lies” (Beste Miniserie/TV-Movie) und “The Handmaids Tale” (Beste Dramaserie), sondern auch die Amazon-Produktion “The Marvelous Mrs. Maisel”.

Während die erstgenannten Serien bereits seit längerem in deutschsprachiger Fassung verfügbar sind, lässt die fabelhafte Mrs. Maisel noch bis zum 26. Januar auf ihre (deutschsprachige) Premiere warten. Doch hat der Golden Globe-Gewinner für die beste Comedy/Musicalserie zurecht namhafte Konkurrenten wie Azis Ansaris “Master of None” oder das “Will & Grace”-Revival ausgestochen?



Die Vorzeichen dafür standen jedenfalls seit längerem gut: Also Amazon die Pilot-Folge am 17. März 2017 online genommen hat, konnte sich die Bewertungsfunktion kaum vor Fünf-Sterne-Rezensionen retten. Tatsächlich entwickelte sich die erste Folge von “The Marvelous Mrs. Maisel” zu einem wahren Fanliebling, der dafür sorgte, dass die Dramedy nur wenige Wochen später ganze zwei Staffeln spendiert bekam. Die ersten acht von Amy Sherman-Palladino kreierten Folgen sind seit dem 29. November im englischen Original abrufbar.

Vor allem “Gilmore Girls”-Anhänger dürften nun aufgehorcht haben. Mrs. Sherman-Palladino hat in den acht Staffeln der Kultserie nämlich schon bewiesen, wie viel Witz sie in eine Produktion packen kann, die vornehmlich Frauen in den Fokus stellt. Fans, die sich bereits hinter Sherman-Palladino versammelt haben, dürfen sich freuen: “Mrs. Maisel” ist von Minute eins genau das, was die Showrunnerin immer predigt. Wer sonst hat eine dermaßene Affinität dafür, überschwänglich selbstbewusste, brünette Frauen in den Fokus zu stellen, die schneller reden können, als Fettnäpfchen zu vermeiden? Welche Serienmacherin sonst formt Hauptfiguren, die ein so unverschämt hohes Gleichgewicht an Eitelkeit und Smartness besitzen? Ja, Miriam “Midge” Maisel könnte die vollkommene Schwester der “Gilmore Girls” sein.

Sie wäre dann aber eine sehr alte Schwester, spielt die Geschichte rundum “Mrs. Maisel” nämlich nicht im modernen Stars Hollow in Connecticut, sondern im New York der 50er Jahre. Wir lernen Midge (Rachel Brosnahan) auf ihrer eigenen Hochzeit kennen, auf der sie in charmanter und schlagfertiger Art einen Toast auf ihren Mann und sich selbst hält. Im Schnelldurchlauf begleiten wir sie durch ihr Leben, bis wir binnen kürzester Zeit in ihrem Ehealltag angekommen sind. Hier hat Midge die Definition der perfekten Hausfrau bis ins kleinste Detail ausgearbeitet: Ob sie nun Reservierungen für ihren Mann, der Stand-Up-Comedian werden möchte, vornimmt, oder sich während seiner Auftritte Notizen und Statistiken macht – sie stellt die Stütze im Leben dar, für die man sonst eine Sekretärin bezahlen muss. Um für ihre Liebe immer gut auszuehen, wird selbst das Ab- und Anschminken heimlich erledigt, während der Rest des Hauses schläft. Hingabe kann dieser Frau in keinem Bereich abgesprochen werden. 

Doch alle guten Dinge müssen einmal enden, denkt sich Ehemann Joel (Michael Zegen) und gibt nach einem gescheiterten Stand-Up-Auftritt bekannt, dass er sie verlassen möchte. Er sei nicht glücklich und habe sowieso schon länger eine Affäre mit seiner Sekretärin gehabt. Für die jüdische Midge und ihre Familie bricht eine Welt zusammen. Um ihre Sorgen zunächst vergessen zu machen, greift sie zur Flasche Wein und stolpert anschließend in das “Gaslight Café”. Der Laden, in dem ihr Ex-Mann seit längerem versuch hat, berühmt zu werden. Als sie sich selbst das Mikro schnappt und anfängt, ihren Frust rauszuquatschen, erntet sie die ersten Lacher und die Erkenntnis, dass sie Comedy in einer Art und Weise rüberbringen kann, die Joel nie verstanden hat.

Doch während in “Gilmore Girls” eine Welt erschaffen wurde, die von vorne bis hinten mit bizarren Charakteren gefüllt ist, wurde “Mrs. Maisel” in eine Realität geschmissen, bei der sich Sherman-Palladino eher darum bemüht hat, ein Auge für die historischen Details zu haben. Das Design der Serie ist einfach umwerfend. Während Amazons “Good Girls Revolt” in den 60ern spielt und teilweise stark überzogen wirkt, wurde hier die Zeitmaschine angeschmissen und eine Welt auf den Bildschirm geholt, die wunderbar zur derzeit herrschenden Nostalgiesucht passt.

“Sucht” ist übrigens das passende Wort für “The Marvelous Mrs. Maisel”. Midge und ihr Leben sind vielschichtig, charmant und unfassbar lustig. Was vielen Comedyserien fehlt wird hier in höchster Dosis kombiniert – weshalb dazu geraten werden muss, nicht in einen Binge zu verfallen. “Mrs. Maisel” sollte streng eingeteilt werden, damit auch wirklich jede Sekunde genossen werden kann.

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