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Ich, ich, ich: Wie viel Joko steckt in Jokos Zeitschrift?

 

Mit "JWD." hat Joko Winterscheidt neuerdings eine eigene Zeitschrift auf dem Markt. Auffällig: Die Geschichten werden fast immer in der Ich-Perspektive erzählt - allerdings nur selten von Winterscheidt selbst. Doch das muss kein Schaden sein.

von Alexander Krei
22.03.2018 - 16:40 Uhr

Barbara Schöneberger hat eine, Johann Lafer ebenfalls. Und jetzt auch Joachim Winterscheidt. Ja, der Mann, den fast alle nur als Joko kennen, bringt neuerdings zusammen mit Gruner + Jahr einmal im Monat eine Zeitschrift auf den Markt, deren Cover – natürlich – der Moderator ziert. Da steht er nun also mit zersauseltem Haar und einer Zigarette im Mund, offenbar angezündet von der eigenen Zeitschrift, die so heiß ist, dass sie Feuer fängt. Darunter die Frage: "Würden Sie diesem Mann ein Magazin abkaufen?"

Die Frage ist berechtigt, immerhin wirkt ein gedrucktes Heft ein Stück weit aus der Zeit gefallen. Gleiches gilt für den Titel. "JWD." steht für "Joko Winterscheidts Druckerzeugnis" und wirkt derart von gestern, dass er beinahe schon wieder cool ist. So wie überhaupt fast alles in der über 160 Seiten starken ziemlich cool wirken soll. Da wird etwa gleich zum Einstieg ein "3D-Masturbator" empfohlen, den man "Muddern" ja als Designerlampe verkaufen könne, und Comedian Sophie Passmann nimmt in der Kategorie "Fuck, marry, kill?" eine Typbewertung von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner vor. Der sehe aus, "als hätte er sich in der Herrenabteilung von C&A eingekleidet", schreibt sie. Dass Kushners Stern im Weißen Haus zuletzt massiv sank, wird dagegen nicht erwähnt.

Nun ja, auf Tagesaktualität ist "JWD." nun wirklich nicht ausgerichtet. Viel spannender als der launige, aber letztlich noch nicht sonderlich prägende Durchblätter-Beginn namens "Das Beste von Welt" ist ohnehin der Mittelteil, den Winterscheidt und sein Team auf den Namen "Per Anhalter durch die Galaxis" tauften. Das trifft es eigentlich ganz gut, weil die Heftmacher in der ersten Ausgabe ein erstaunlich breites Themenspektrum abdecken – vom Tinder-Date in einem Pariser Nacktrestaurant über kiffende Nonnen in Kalifornien bis hin zum Interview mit einem Mann, der quasi ohne Geld einen Kinofilm auf die Beine stellte. Dazwischen geht es um Forscher, die in der Wüste Omans ein Leben auf dem Mars simulieren.

Auffällig: Fast immer sind die Geschichten in der Ich-Perspektive erzählt. Das muss man mögen, hat jedoch den Vorteil, dass man als Leser sehr häufig das Gefühl hat, selbst mit dabei zu sein, wenn die Reporter sich auf ungewöhnliche Reisen begeben und spannenden Menschen begegnen. Vieles hier ist subjektiv, oder besser gesagt: sehr persönlich und dadurch entsprechend intensiv. So wie die Geschichte, in der die Reporterin einen fremden Koffer ersteigert und damit für ein Wochenende wegfährt. "Urlaub von sich selbst" habe sie gemacht, schreibt sie, und erzählt anschließend von skurrilen Begegnungen. All das macht Spaß – auch, weil die Themen abwechslungsreich und zumeist bildstark in Szene gesetzt sind.

Erst zum Ende hin fällt diese Tiefe zwischenzeitlich wieder ab, wenn die Style-Themen zumindest optisch kaum noch von den Anzeigen zu unterscheiden sind. Schön dagegen das Vorhaben, eine "Sammlung Winterscheidt" aufzubauen – "ohne eigene Ahnung, aber jedes Mal mit Empfehlung eines Experten" soll in jeder Ausgabe ein Kunstwerk erstanden werden. Ein kreativer Ansatz, um sich mit Kunst zu befassen. Und Joko Winterscheidt? Mag sein, dass "JWD." den Geist seiner Lebenseinstellung atmet; den "Editor-at-very-Large" selbst, wie seine offizielle Job-Bezeichnung lautet, wirkt jedoch keineswegs allgegenwärtig.

Vielmehr wirkt Winterscheidt in seinem eigenen Heft gelegentlich mehr wie ein Nebendarsteller, so wie bei seinem Besuch in einem Dortmunder "Puppenpuff", der jedoch nicht etwa aus Sicht des Moderators erzählt wird, sondern amüsant aus Sicht einer Puppe – aufgezeichnet von Friedemann Karig. Winterscheidt bleiben dagegen nur ein paar bizarre Fotos und ein kleines Kasten, in dem er mit einfachen Worten erzählt, dass er am liebsten wieder gehen würde. Ganz am Ende kommt Winterscheidt noch einmal zu Wort, in einem Interview in Futur II. "Warum wird sich der Erfolg nicht halten lassen haben?", wird er gefragt. "Vielleicht hätte ich das Verlagshaus Gruner + Jahr einmal nicht gekauft haben sollen", scherzt Winterscheidt, "vor allem nicht mit dem Masterplan, einen Internetfernsehsender daraus zu machen." Stimmt, dann doch lieber ein gutes Magazin.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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