Knife Fight Club © MG RTL D / Morris Mac Matzen
DWDL.de-TV-Kritik

"Knife Fight Club": Eine Kochshow wie ein Pornofilm

 

Mit "Knife Fight Club" schickt Vox die nächste Kochshow auf Sendung - und schon wieder bekommen die Zuschauer ein sehr gut abgeschmecktes Format serviert. In lockerer Atmosphäre geht es manchmal aber auch sehr derb zu.

von Timo Niemeier
22.03.2018 - 19:45 Uhr

Das "Perfekte Dinner" köchelt bei Vox schon seit mehr als zehn Jahren erfolgreich am Vorabend vor sich hin, mit "Grill den Henssler" und "Kitchen Impossible" feierte der Sender auch in der Primetime große Erfolge. Nun wagt man sich mit "Knife Fight Club" an eine Neuinterpretation des Genres - und Moderatorin Annie Hoffmann fasst die neue Show gleich zum Beginn der ersten Folge gut zusammen: "Rock’n’Roll in der Küche".

Das liegt zum einen an der Jury, bestehend aus Tim Mälzer und Tim Raue, die sich einen gewohnt launigen Schlagabtausch liefern. Vor allem ist es aber die knappe Zeitbemessung, die der Sendung ordentlich Tempo verleiht. Zwei Profi-Köche erhalten drei unbekannte Zutaten, die sie anschließend innerhalb von nur einer Stunde in drei Gerichten verarbeiten müssen. Wer mehr schafft, und so die Jury beeindrucken will, kann auch noch mehr Gerichte zaubern. Weil die Zeit so stark begrenzt ist, ist immer etwas los - Langeweile jedenfalls kommt im Verlauf der Stunde nie auf.

Mit Mälzer und Raue hat Vox zwar zwei bekannte TV-Köche als Juroren engagiert, bei den gegeneinander antretenden Köchen setzt der Sender aber vor allem auf unbekannte Gesichter. Sie sind in ihrem jeweiligen Fach durchaus eine Größe, nur waren sie eben noch nicht 100 Mal im Fernsehen zu sehen. Auch das ist eine schöne Abwechslung zu den üblichen Verdächtigen, die man so auch schon unzählige Male hinter dem Herd gesehen hat.

Die Atmosphäre der Sendung ist trotz der Hektik der Köche locker. Gedreht wurde in Mälzers Restaurant Bullerei in Hamburg. Die rund 100 Gäste sitzen nicht, wie in anderen Kochshows üblich, auf Stühlen und schauen sich das Geschehen aus der Entfernung an, sie sind ganz nah dran und stehen neben Mälzer und Raue am Tresen. Teilweise greifen sie auch ins Geschehen ein, wenn sie etwa einem der Köche dabei helfen, Dosen zu öffnen. Der Alkohol fließt in rauen Mengen - sowohl beim Publikum als auch bei den Köchen. Und zwischendurch sieht man auch immer eines der Kamerateams im Publikum oder in der Küche stehen - das macht aber gar nichts, wirkt die Sendung dadurch doch sogar noch ein kleines bisschen authentischer.

Knife Fight ClubDas Publikum ist mittendrin im Geschehen.

Durch die späte Uhrzeit, und vielleicht auch ein wenig durch den Alkohol, geht es manchmal auch recht derb zu bei "Knife Fight Club". Auf die Frage, welche Zutaten er überhaupt nicht will, antwortet Koch Anthony Sarpong in der Auftaktfolge: "Bei Stierhoden wäre ich abgefuckt." Und sein Gegenüber, der Österreicher Richard Rauch, sagt, auf Seeigel, Oktopus "oder so an Schas" habe er keine Lust. Tim Mälzer sagt irgendwann einen Satz, den man zur besten Sendezeit so wohl nicht hätte senden können: "Für mich ist das gerade hier ein bisschen wie ein Pornofilm. Selber vögeln ist schon geil, aber man guckt schon auch manchmal gerne dabei zu." Als er später die Gerichte der beiden Köche bewertet, zieht er noch einmal einen Porno-Vergleich. Das Essen sei "Foodporn in Hochkultur", so Mälzer. Nein, für schwache Nerven ist "Knife Fight Club" nun wirklich nichts.

Etwas schade ist die Tatsache, dass Annie Hoffmann zwar als Moderatorin angekündigt wurde, aber tatsächlich nur wenig zu moderieren hat. Mälzer und Raue übernehmen den größten Teil: Sie präsentieren die unbekannten Zutaten, sie sind ganz nah dran an den Kandidaten und befragen diese - und sie kommentieren alles, was die Köche machen. Hoffmann muss sich mit einer Nebenrolle begnügen: Sie sagt die Zeit an, führt ganz kurze Interviews mit den Bekannten der Köche und kratzt Aufkleber von Tellern ab, wenn die Köche das wollen.

Hoffmann sollte man sicher noch etwas besser in die Sendung einbauen - wie das funktioniert, dürfte man bei Vox ja wissen, Ruth Moschner macht bei "Grill den Profi" schließlich auch eine gute Figur - hat da aber auch keine Juroren vor sich sitzen. Grundsätzlich passt Hoffmann mit ihrer lockeren und offenen Art nämlich perfekt in das Konzept der Sendung. Hier, wo alles ganz schnell gehen muss und es auch auf Spontaneität ankommt, ist sie besser aufgehoben als zum Beispiel bei "Ponyhof", wo vorher einstudierte Witze oder Dialoge fehlerfrei aufgesagt oder werden müssen.

Interessant ist der Sendeplatz, auf dem Vox "Knife Fight Club" programmiert hat. Die sechs Ausgaben der ersten Staffel laufen am späten Donnerstagabend - dort waren bislang eigentlich immer nur Filme zu sehen. Ob die Zuschauer hier, nach dem Spielfilm in der Primetime, eine neue Kochshow suchen, bleibt abzuwarten. Es könnte einer der wenigen Stolpersteine sein, über die Vox mit dieser Sendung fällt. Inhaltlich jedenfalls hat man gemeinsam mit Endemol Shine ein authentisches, lässiges und manchmal auch etwas derbes Format auf die Beine gestellt. Beste Voraussetzungen also für Rock’n’Roll in der Küche.

Vox zeigt sechs Ausgaben von "Knife Fight Club" immer donnerstags ab 22:20 Uhr.

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