Game of Games © Sat.1/Willi Weber
DWDL.de-TV-Kritik zur neuen Sat.1-Show

"Game of Games" mit Bülent Ceylan: Erfolgreich adaptiert

 

Mit "Game of Games" hat Sat.1 ein Format für den deutschen Markt adaptiert, das zuletzt in den USA hervorragend funktioniert hat. Und auch die deutsche Version macht Lust auf mehr: Kurzweilige Spiele und ein motivierter Moderator sorgen für gute Unterhaltung.

von Timo Niemeier
14.09.2018 - 21:47 Uhr

Als Sat.1 im Sommer bei den Screenforce Days sein Programm für die kommende TV-Saison vorgestellt hat, war er die wohl größte Überraschung: Bülent Ceylan. Der Comedian, in den vergangenen Jahren stets in den Diensten von RTL, wechselte damals nach Unterföhring. Mit "Game of Games" präsentiert Ceylan nun seine erste große Show in Sat.1. Und dabei handelt es sich auch gleich um eine Adaption des gleichnamigen, sehr erfolgreichen US-Formats mit Ellen DeGeneres, die die Show nicht nur moderiert, sondern auch erfunden hat. Doch Ceylan und Sat.1 müssen sich nicht verstecken: Das deutsche "Game of Games" ist sehr gelungen.

"Ich will nicht sagen, dass die Zuschauer einen neuen Bülent zu sehen bekommen, aber natürlich muss ich mich anders verhalten als in einer klassischen Comedyshow", sagte Ceylan vor Beginn der Show gegenüber DWDL.de. Tatsächlich ist er dann auch eher Showmaster als Comedian. Am Anfang macht er trotzdem ein paar Witzchen, um die Stimmung aufzulockern. Die sind aber eigentlich unnötig, weil die Show im Verlauf ohnehin noch genug Stimmung aufbauen wird. Nach einer kurzen Einführung ist das dann aber auch beendet und die eigentliche Spiele beginnen.

Sat.1 und die Produktionsfirma Warner Bros. Deutschland setzen dankenswerterweise auf normale Kandidaten und verzichten auf Promis. Die Teilnehmer werden kurzerhand aus dem Studiopublikum ausgewählt, was auch dort für gute Stimmung sorgt. In kleineren Spiele kämpfen verschiedene Kandidaten jeweils in fünf Runden um den Einzug ins Viertelfinale. Die Spiele sind dabei recht einfach aufgebaut, aber dennoch unterhaltsam und kurzweilig: In der Auftaktepisode müssen die Teilnehmer etwa an einem Bungee-Seil zusammengekettet Äpfel mit dem Mund aufnehmen und in einer Box platzieren, auf rutschigem Untergrund riesige Waschmaschinen mit Tabs befüllen und große Puzzles zusammensetzen. Ein anderes Spiel ist eine XXL-Version von Kroko Doc.

Game of Games
© Sat.1 / Willi Weber
Kroko Doc wird in "Game of Games" in einer XXL-Version gespielt.

Im Viertelfinale müssen die fünf Kandidaten mit verbundenen Augen tanzen und anschließend einen Hocker finden und darauf Platz nehmen. Das ist vor allem deshalb lustig, weil die Kandidaten etwas orientierungslos über den Boden robben und Ceylan steuert, wann die Hocker aus dem Boden fahren - und damit lässt er sich mitunter viel Zeit. Die vier Halbfinalisten müssen schließlich Quizfragen beantworten - liegen sie falsch, wird ihnen wortwörtlich der Boden unter den Füßen weggerissen. Viertel- und Halbfinale dauern vergleichsweise lang, vor allem wenn man es mit dem Finale vergleicht. Dort kann die übrig gebliebene Teilnehmerin in der erste Show bis zu 50.000 Euro gewinnen, indem sie errät, um welche Promis es sich auf den angezeigten Fotos handelt - ein bereits in vielen Shows erprobtes Spiel. Da können auch Zuschauer mitmachen, hier ist der Spaß aber schon nach 30 Sekunden vorbei. Die Show endet damit etwas abrupt.

Beim Studio hat sich Sat.1 nicht lumpen lassen, es ist groß und alleine schon dadurch sieht "Game of Games" sehr wertig aus. "Ich fühle mich ein bisschen wie die Nadel im Heuhaufen", sagt Ceylan gleich zu Beginn und meint damit die schiere Größe des Studios - man kann ihn durchaus verstehen. "Game of Games" ist zwar nicht die angekündigte "verrückteste Gameshow der Welt", ist durch die vielen kreativen Spiele aber sehr unterhaltsam und kurzweilig. Das liegt auch an der Sendezeit von rund 90 Minuten - brutto. Netto läuft die Sendung etwas mehr als eine Stunde. "Mir persönlich geht der Trend hin zu immer längeren Shows über drei oder vier Stunden ziemlich auf den Senkel", so Ceylan gegenüber DWDL.de. Ja, die überschaubare Sendezeit ist ein Vorteil von "Game of Games" und ermöglicht es Sat.1 zudem, noch eine ganze Reihe anderer Formate am Fun-Freitag zu zeigen.

Ceylan selbst ist bei seiner Show-Premiere erstaunlich selbstsicher und hat viel Spaß. Er lacht oft laut auf und man sieht ihm die Freude an der Show an - man kann nur hoffen, dass das so bleibt. So wie es zu hoffen bleibt, dass "Game of Games" endlich der erhoffte Erfolg für Sat.1 am Freitagabend um 20:15 Uhr sein wird. Denn wenn dort in den vergangenen Monate nicht zufällig Luke Mockridge zu sehen war, funktionierten auf dem Sendeplatz nur selten große Show-Formate. Und so ist "Game of Games" nicht nur für Ceylan ein wichtiges Format, sondern auch für Sat.1.

Sat.1 zeigt in den kommenden Wochen noch fünf weitere Ausgaben von "Game of Games" am Freitag um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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