Bülent Ceylan © Sat.1/Arne Weychardt
Neustart in Sat.1

Bülent Ceylan: "RTL und ich haben uns auseinandergelebt"

 

Über Jahre hinweg war Bülent Ceylan bei RTL erfolgreich, doch zuletzt blieben aus seiner Sicht die spannenden Ideen aus. Nun wagt der Comedian einen Neustart in Sat.1 - als Moderator einer Gameshow. DWDL.de sprach mit ihm über den Wechsel.

von Alexander Krei
14.09.2018 - 11:15 Uhr

Wenn Fernsehstars den Sender wechseln, dann geht damit stets ein Risiko einher. In der Vergangenheit hat es diverse Beispiele dafür gegeben, dass die Fans ihrem Liebling nicht zwangsläufig in dessen neue TV-Heimat folgen. Entsprechend gut hat sich Bülent Ceylan den Schritt von RTL zu Sat.1 überlegt – schwer fiel ihm die Entscheidung letztlich trotzdem nicht. "RTL und ich haben uns auseinandergelebt", räumt er im Gespräch mit DWDL.de unumwunden ein und vergleicht das Verhältnis zu einem alten Arbeitgeber mit einer echten Beziehung. "Man macht nicht mehr zusammen Urlaub und sagt nicht mehr 'ich liebe dich'".

Wenn ein Sender seine Liebe bekundet, dann klingt das meist weniger romantisch. Es geht dann schnell um Präsenz auf dem Bildschirm und Ideen, an denen man gemeinsam tüftelt. Doch die hatte RTL am Ende zumindest für Ceylan offensichtlich nicht mehr. "Als Comedian wünscht man sich tolle Formate und die sind in letzter Zeit leider ausgblieben", sagt er. Nachtreten will der gebürtige Mannheimer aber nicht, stattdessen zeigt sich Ceylan dankbar für die letzten Jahre. Doch jetzt kam eben Sat.1 mit einem ganzen Strauß an Ideen auf ihn zu. "Das hat mich echt beeindruckt und ist ein großes Geschenk. Ganz ehrlich, damit habe ich nicht mehr gerechnet."

Dann holt er zum Lob aus. Für Comedians sei Sat.1 inzwischen wieder die Nummer eins geworden, betont Ceylan und zählt stolz all die bekannten Namen auf, die für den Sender neuerdings am wiederbelebten "Fun Freitag" tätig sind. Allen voran Hugo Egon Balder, in dessen neuer Show "Was für ein Tag" auch Ceylan demnächst regelmäßig dabei sein wird. Den ersten Aufschlag macht für ihn aber zunächst die deutsche Version des US-Quotenhits "Game of Games" mit Ellen DeGeneres. Eine Spielshow also, bei deren Ankündigung sich manch einer in der Branche fragte, wie das denn nun eigentlich zu Bülent Ceylan passt.

Doch Ceylan geht es auch um Abgrenzung zu seinen bisherigen, oft austauschbaren Sendungen. "Mir war es wichtig, zu Beginn nicht gleich wieder eine Show zu präsentieren, in der ich einen Gast nach dem anderen begrüße." Zunächst sei aber auch er skeptisch gewesen, räumt der Comedian im Gespräch mit DWDL.de ein. Als er sich jedoch das Original ansah, habe er gemerkt, "dass das richtig fett gemacht ist". Tatsächlich fliegen die Kandidaten bei "Game of Games" schon mal in lustigen Kostümen über das Studiopublikum hinweg, schöne Bilder sind da garantiert.

Game of Games
© Sat.1/Willi Weber

In Bülent Ceylans neuer Show geht's für die Kandidaten schon mal hoch hinaus

Für seine neue Rolle musste der Comedian einiges lernen, etwa Fragen richtig zu stellen oder Spannung aufzubauen. "Bei einer Aufzeichnung war ich durch eine Frage so sehr auf dem Französisch-Trip, dass ich bei der nächsten Frage die Vornamen der Simpsons auf Französisch ausgesprochen habe", erzählt Ceylan. "Die Leute im Publikum sind vor Lachen fast verreckt."

Hin und wieder will Bülent Ceylan aber auch in der neuen Show in seine bekannten Rollen schlüpfen – das soll allerdings die Ausnahme bleiben, weil "Game of Games" eben nicht die "Bülent Ceylan Show" ist, in der vor allem seine Wandlugsfähigkeit gefragt war. "Ich will nicht sagen, dass die Zuschauer einen neuen Bülent zu sehen bekommen, aber natürlich muss ich mich anders verhalten als in einer klassischen Comedyshow, denn für die Kandidaten geht es um richtig viel Geld". Er wolle die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit zu finden, kündigt Ceylan an.

Das passt im Übrigen besser zu ihm als man denken mag, denn abseits der Showbühne erlebt man den Comedian zwar meist gut gelaut, aber auch ernst und selbstreflektiert. Daher ist Bülent Ceylan auch ganz froh darüber, dass die Länge von "Game of Games" mit 90 Minuten vergleichsweise überschaubar ausfällt. "Mir persönlich geht der Trend hin zu immer längeren Shows über drei oder vier Stunden ziemlich auf den Senkel", sagt er. "Damit macht man vielleicht zum Ende hin noch richtig Quote, aber ich glaube, dass die Sender die Zuschauer auf diese Weise auf Dauer eher verlieren werden." Nun wird er jedoch zunächst hoffen, möglichst viele Zuschauer von RTL mitzubringen. Das wird schwer genug.

Sat.1 zeigt "Game of Games" freitags um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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