Rosins Fettkampf © kabel eins/Willi Weber
DWDL.de-TV-Kritik

"Rosins Fettkampf": Ein abgespecktes "Biggest Loser"

 

kabel eins macht mit "Rosins Fettkampf" einen auf Sat.1 und zeigt ein Format, das stark an "The Biggest Loser" erinnert. Das wäre nicht weiter schlimm, hätte man sich die vielen Stärken des Sat.1-Formats nicht gespart. So hat man höchstens eine wenig gehaltvolle Light-Variante geschaffen.

von Timo Niemeier
03.01.2019 - 22:20 Uhr

Wenn es um Sendergesichter von kabel eins geht, fällt seit Jahren meist nur ein Name: Frank Rosin. Kein anderer steht so sehr für den Sender. Nach vielen erfolgreichen Restaurantrettungen sollte Rosin zuletzt mit "Gekauft, gekocht, gewonnen" den Vorabend aufpolieren, was gehörig schief gelaufen ist. Nun hat kabel eins wieder ein Primetime-Format mit Rosin gestartet. Dieses Mal geht es aber nicht vorrangig um Rosins Fähigkeiten am Herd, sondern darum, dass er sich in den vergangenen Jahren einige Kilos zu viel angefressen hat. Und darum, wie er diese nun wieder los wird.

In "Rosins Fettkampf - Lecker schlank mit Frank" tritt der TV-Koch mit einem eigenen Team gegen seinen Herausforderer Sebastian Lege an, der ebenfalls vier abnehmwillige Kandidaten gefunden hat. Das Konzept ist schnell erklärt und gleicht im Prinzip dem, was die geneigten Dokusoap- und Reality-Zuschauer schon von "The Biggest Loser" kennen. Die Kandidaten, inklusive Rosin und Lege, wollen innerhalb von vier Monaten so viel Gewicht verlieren wie möglich. Passieren soll das über Sport und, die Profi-Köche sind schließlich nicht zum Spaß da, über gute Ernährung. Am Ende jeder Ausgabe steht das Wiegen an. Das Team, das prozentual am wenigsten abgenommen hat, verliert sein schwächstes Mitglied. Das können auch Frank Rosin oder Sebastian Lege sein. Der Gewinner der Show erhält 10.000 Euro.

Was auf den ersten Blick nach einem interessanten Konzept klingt, weil tatsächlich auch bekannte Gesichter beim Abnehmen mitmachen und rausfliegen können, entpuppt sich nach der ersten Folge allerdings als "Biggest Loser" in Light-Form. Weil die Profi-Köche vermutlich nicht über einen so lange Zeitraum in ein andalusisches Abnehm-Camp ziehen können, beschränkt sich das Gruppengefühl auf das Kennenlernen sowie wenige Treffen bei einem der Kandidaten zu Hause, um gemeinsam zu kochen oder Sport zu treiben. Das ist schade, macht das Bootcamp-Feeling bei "The Biggest Loser" doch einen großen Teil des Reizes aus. Die gemeinsamen Challenges und die Sport-Übungen sorgen für einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Bei "Rosins Fettkampf" sind die Kandidaten größtenteils auf sich alleine gestellt.

Rosins Fettkampf
© kabel eins/Frank Dicks
Im Haus eines der Kandidaten wird gesund gekocht. 

Im Hintergrund der von RedSeven Entertainment produzierten Sendung läuft ein von Sido für das Format geschriebener Song ("Die Leute nennen Dich 'Fettwanst'. Los Mann, tu was, stell Dich dem Fettkampf!"). Zumindest in der Auftaktfolge gab es darüber hinaus aber dankenswerterweise keine Unterstützung prominenter Gäste. Nach einer ärztlichen Untersuchung und dem Gruppenwiegen zum Auftakt erhält jeder Kandidat eine individuelle Diät. Die (beleuchtete) XXL-Waage sieht übrigens so aus, als hätte Christine Theiss sie noch von ihrem letzten Dreh übrig gehabt. Kurios: Da alle unterschiedliche Diäten haben, gibt es bei jedem einen anderen Fokus beim Essen. Letztendlich kochen beim gemeinsamen Treffen dann aber doch alle zusammen, auf die Unterschiede bei den Kandidaten wird nicht wirklich eingegangen.  

Beim gemeinschaftlichen Kochen kann man sich übrigens schnell in "Rosins Restaurants" zurückversetzt fühlen. Rosin erklärt dann zum Beispiel, wieso die Schale der Gurke wichtig ist und wie man allgemein gesund kocht. Apropos "Rosins Restaurants". Die Tatsache, dass alle Kandidaten nebenher ihr Leben ganz normal weiter leben, führt dazu, dass Rosin irgendwann beim Dreh seines zweiten kabel-eins-Formats gezeigt wird. Dort kommt es schließlich zu einer kuriosen Situation: Er muss ein Dessert probieren, darf das aufgrund seiner Diät aber eigentlich nicht. Also nimmt er es in den Mund, um zu probieren - und spuckt es anschließend wieder aus.

Am Ende hat man den Überblick über die Kandidaten, ihre Diäten und ihren Leistungsstand in Sachen Sport, komplett verloren. Der Zeitraum, in dem sich die erste Ausgabe abspielt, ist lange unklar. Das erste Wiegen am Ende der Auftaktsendung macht aber trotzdem Spaß, weil alle Kandidaten so viel abgenommen haben, dass man ihnen schon glauben muss, auch tatsächlich etwas verändert zu haben. Leider wurde ihre "Heldenreise" nicht so erzählt, dass man hätte mitfiebern können. Hier macht "Biggest Loser" mehr Spaß. Dennoch lässt "Rosins Fettkampf" auch immer sein Potenzial aufblitzen. Etwa dann, wenn Rosin 28 Etagen zu Fuß bewältigen muss und schon nach 17 stehend K.O. erscheint. Oder dann, wenn die Kandidaten gemeinsam in den Boxring steigen und sich dort so verausgaben, dass sich einer von ihnen am Ende fast übergeben muss. Auch die unterschiedlichen Diäten geben viele Ansatzpunkte, um die Zuschauer mit auf die Reise zu nehmen. Es sind aber vor allem die Gänge ans körperliche Limit, die faszinieren. Leider gibt es sie zu selten.

kabel eins zeigt "Rosins Fettkampf - Lecker schlank mit Frank" immer donnerstags ab 20:15 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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