Wie genial ist das denn? © Sat.1
DWDL.de-TV-Kritik

"Wie genial ist das denn": Gut, dass das jemand erfunden hat

 

Mit "Wie genial ist das denn?!" hat Sat.1 eine tägliche Erfindershow gestartet. Weil die aber nicht nur im Studio stattfindet und die Moderatorin der Auftakt-Folge sympathisch war und unverbraucht ist, hat das Zusehen Spaß gemacht. Ob Sat.1 seine Vorabend-Probleme damit in den Griff bekommt?

von Timo Niemeier
07.01.2019 - 20:40 Uhr

Am heutigen 7. Januar hat Sat.1 seine Daily-Soap "Alles oder nichts" aus dem Programm gekegelt, vorerst behilft man sich mit der "Ruhrpottwache" um 18:30 Uhr. Was dabei fast untergegangen wäre: Mit "Wie genial ist das denn?!" hat der Sender am Vorabend eine neue, tägliche Erfindershow gestartet. Und auch wenn aufgrund des Konzepts noch nicht die gesamte Sendung bewertet werden kann: Zum Auftakt hat das Format durchaus Lust auf mehr gemacht.

Das Konzept ist einfach und schnell erklärt: Drei Erfinder präsentieren pro Ausgabe jeweils eine Erfindung. Verbraucher wählen davon einen Tagessieger und im Wochenfinale entscheidet am Freitag eine Fachjury, wer gewinnt und damit 3.000 Euro erhält. Vergleiche mit "Die Höhle der Löwen" liegen nahe, aber hier unterscheidet sich das neue Format schon dadurch, weil die Moderatoren der Sendung persönlich zu den Erfindern fahren und sich die Produkte dort zeigen lassen und sie testen.

Die Moderatoren, das sind übrigens Meltem Kaptan und Philipp Hageni. Zwei eher unbekannte TV-Gesichter. Kaptan ist eine der Gastgeberinnen der ARD-"Ladies Night", Hageni ist Reporter beim "Frühstücksfernsehen". Die beiden wechseln sich ab, in der Auftaktfolge war nur Kaptan zu sehen. Von Nervosität war bei der Moderatorin aber keine Spur: Mit ihrer lockeren Art kann sie schnell Sympathiepunkte sammeln, Kaptan spricht sowohl mit Erfindern als auch mit Verbrauchern auf Augenhöhe. Als ein Erfinder ihr vorschlägt, sie könne sein Produkt beim Nordic Walking nutzen, erwidert sie im Hinblick auf ihre korpulente Figur mit einem Augenzwinkern: "Nordic Walking mache ich nicht so gern, sieht man wahrscheinlich auch."

Dass die Show nicht nur im Studio stattfindet, wertet das Format spürbar auf. Dadurch kommt Abwechslung rein, schließlich gleicht kein Erfinder dem anderen und die Geschichten der Bastler können so authentisch erzählt werden. Bleibt die Frage, ob es für eine tägliche Erfindershow im deutschen Fernsehen überhaupt genügend Produkte gäbe. Mit einem Unterbrust-Schwitz-Schutz ("Wie ein Wölkchen unter der Brust"), Küchenhelfer zum Falten und einer Vorrichtung, mit der man Jacken wie einen Rucksack tragen kann, war die Bandbreite in der ersten Ausgabe jedenfalls groß. Und wenn man hört, dass einer der Bastler Mitglied im Erfinderclub Allgäu Oberschwaben ist, kann man sich schon ausmalen, dass es da viele Menschen in Deutschland gibt, die an Produkten arbeiten, die die Welt so bislang nicht gesehen hat.

Verbesserungspotenzial gibt es beim angekündigten Experten-Check. Zwar wird jedes Produkt von einem TÜV-Mitarbeiter begutachtet, bei diesem Mitarbeiter handelt es sich allerdings nur um einen Sprecher des Prüfdienstleisters. Der sagt dann auch nur, was man beim Produkt testen würde, würde man es einem richtigen Test unterziehen. So bleiben Zuschauer - und übrigens auch die Verbraucher in der Sendung - im Unklaren darüber, ob das Produkt in Sachen Qualität oder Umweltschutz überhaupt etwas taugt. Der anschließende Verbraucher-Check ist da schon besser umgesetzt: Die Erfinder präsentieren ihr Produkt und müssen im Anschluss Frage beantworten, die man so auch von "Die Höhle der Löwen" kennt: Wie teuer ist das? Gibt es das auch in anderen Farben? Wen wollen Sie damit erreichen?

Die Kandidaten sind teilweise auch nicht minder selbstbewusst als die bei der Vox-Gründershow. Die Frau, die einen Schwitz-Schutz für große Frauen-Brüste erfunden hat, sagt, sie wünscht sich, dass ihr Produkt ("Ubssy") mal so bekannt wird wie Zewa oder Tempo. Am Ende jedenfalls stimmen die Verbraucher ab: Ist das vorgestellte Produkt gut oder schlecht? Dass die Verbraucher aber ohne echte Experten-Fakten, wie sie vom TÜV hätten kommen können, entscheiden müssen, ist etwas schade. Aber es bleibt zu hoffen, dass die Fachjury im Wochenfinale noch einmal auf potenzielle Schwächen der Produkte zu sprechen kommt.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass Warner Bros. ITVP Deutschland mit "Wie genial ist das denn?!" eine sehr kurzweilige Sendung geschafften hat, die man sich angenehm ansehen kann. Vor allem die sympathische Meltem Kaptan ist ein Gewinn für die Sendung. Ob Sat.1 damit aber am Vorabend Erfolg haben kann, bleibt abzuwarten. Zuletzt hatte es RTL am Nachmittag mit einer täglichen Erfindershow versucht, erzielte damit aber Werte deutlich unter zehn Prozent Marktanteil. Sat.1 ist zudem chronisch schwach am Vorabend. Sendungen mit "genial" im Titel taten sich jedenfalls zuletzt sehr schwer.

Sat.1 zeigt "Wie genial ist das denn?!" immer werktags um 19 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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