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DWDL-Serienkritik

"New Amsterdam" auf Vox: Krankenhausserien im Aufwind

 

Natürlich hat sich "Grey's Anatomy" nicht ohne Grund zum Dauerbrenner entwickelt. Doch authentisch ist es häufig nicht, was im Seattle Grace Hospital passiert. "New Amsterdam" geht einen anderen Weg und beweist, dass das Genre noch lange nicht tot ist.

von Kevin Hennings
06.03.2019 - 17:11 Uhr

Im "New Amsterdam", einem der größten und ältesten öffentlichen Krankenhäuser in New York City, geht es drunter und drüber. Vor allem drunter, da in dieser Klinik einfach nichts Gutes passieren möchte. Die Lage ist derart schlimm, dass es kein Chefarzt länger als ein Jahr aushält, bevor er das Handtuch wirft und in einem versöhnlicheren Krankenhaus anfängt. Nach fünf Chefärzten in fünf Jahren ist nun Dr. Max Goodwin (Ryan Eggold, "The Blacklist") an der Reihe. Ein Mann, der ordentlich auf den Putz haut. So wie es ist "New Amsterdam" generell im Krankenhaus-Genre macht. 

Nicht wenige werfen alle Krankenhausserien in eine Schublade. So unverständlich ist das auf den Ersten Blick erstmal gar nicht: Ob "Grey's Anatomy", "Royal Pains" oder auch "Emergency Room" - die zentralen Fälle folgen immer einem gewissen Muster und deren Lösung, und das Ende einer jeden Folge wird stets damit zelebriert, dass jemand Koitus in der Abstellkammer betreibt. Selbst etwas ernstere Serien konnten sich häufig nicht so recht davon befreien.

Doch gerade in jüngerer Zeit wurden vielfach beweisen, dass das Genre noch lange nicht am kreativen Ende. Produktionen wie "Der Club der roten Bänder" oder "The Good Doctor" haben andere Perspektiven eingenommen und dabei eine Qualität abgeliefert, die Krankenhausserien wieder zu Ansehen verholfen haben. "New Amsterdam" bildet da nun eine wunderschöne Symbiose aus klassischer Krankenhausserie und neu gewonnener Authentizität – ganz ohne störende Romanzen. All die "Grey's-Anatomy"-Fans, die derzeit auf dem Trockenen sitzen, da auf ProSieben erst Ende März neue Folgen erscheinen, werden also in gewisser Weise enttäuscht sein, wenn sie anderes erwartet haben. "New Amsterdam" wollte keine Screentime für nebensächliche Liebeleien vergeuden und sich einer ambitionierteren Aussage widmen.

Dr. Max Goodwin kommt nämlich in ein öffentliches Krankenhaus, in dem das Wohl der Menschen nicht an erster Stelle zu stehen scheint. Dementsprechend feuert er in seiner Willkommensrede erst einmal die gesamte Herzchirurgie, da er der Meinung ist, dass Patienten dort am ehesten dazu genötigt werden, sich unnötigerweise operieren zu lassen. So steigt die Produktivitätsrate des jeweiligen Chirurgen, der dementsprechend mehr Geld verdient. Außerdem verspricht er ohne Diskussion, dass kein Patient mehr in einem öden Wartesaal zu warten hat und dass fortan gesundes Essen serviert wird. Goodwins übergeordnetes Ziel ist also klar: Er möchte in die Jahre gekommene Klinikstrukturen aufbrechen und alles dafür tun, dass es dem Patienten gut geht. 

"New Amsterdam" wäre jedoch keine gute und vor allem keine realistische Serie, wenn Dr. Goodwin als eine Art Messias am ersten Tag alles zum Besseren verändern würde. Natürlich stößt er auf genug Feinde, die Profit immer noch lieber sehen, als gesunde Menschen. Mit gesunden Menschen lässt sich nunmal am wenigsten Geld verdienen. Deswegen entführt die Serie nicht nur in die Notaufnahmen und OP-Säle des Krankenhauses, sondern auch hinter die Schreibtische und Gedanken von Menschen, die die Welt ein Stück besser machen möchten.

Eine gewisse Prise Extra-Drama gibt es dann aber doch: Max Goodwin hat sich vorgenommen, alles so schnell wie möglich umzuwerfen, da er auch nicht all zu viel Zeit dafür hat. Er ist an Krebs erkrankt und hilft mit all der aufgehalsten Arbeit nicht nur den Patienten, sondern auch sich selbst, der dann weniger Zeit hat, um über den Krebs nachzudenken. Doch obwohl vor allem dieser Part ebenso melodramatisch klingt, wie eine Staffel "Grey's Anatomy", kann "New Amsterdam" diese Tatsache so verpacken, dass sie sich organisch in den Rest der Geschichte einwebt. Heißt, dass der Zuschauer dadurch nicht explizit zu Tränen gerührt werden soll, sondern lediglich ein verständliches Argument für Goodwins Handeln geliefert bekommt.

Dass sich das von NBC ins Leben gerufene "New Amsterdam" wie eine authentische Krankenhausserie anfühlt, liegt vor allem daran, dass sie tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht. Showrunner David Schulner ("Desperate Housewives") hat dafür mit Dr. Eric Manheimer zusammengearbeitet. Manheimer ist die Vorlage für Goodwin und die Geschichten, mit denen die Episoden gefüllt werden. Als Chefarzt war er für viele Jahre im Bellevue Krankenhaus in New York City tätigt – dem Vorbild für das New Amsterdam in der Serie. Es durfte sogar vor Ort gedreht werden, was nicht nur wegen der wunderschönen Architektur ein Gewinn für die Serie darstellt.

Die Zusammenarbeit von Schulner und Manheimer beweist, dass es einer Serie nur gut tut, wenn sich reale Erinnerungen mit den Ideen eines Regisseur vereinen. In diesem Fall ist eine umwerfende Erzählung über einen Mann und sein Team entstanden, die durch ihre Moral den Zuschauer mit positiven Gedanken anstecken. Denn so sehr "New Amsterdam" in gewissen Szenen auch schockieren mag, so wird nie vergessen, eine Folge mit einer Nuance Hoffnung zu beenden.

Die erste Staffel von "New Amsterdam" wird ab heute wöchentlich um 20:15 Uhr in Doppelfolgen auf Vox zu sehen sein. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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