Ab ins Kloster © kabel eins
DWDL.de-TV-Kritik

"Ab ins Kloster": Die strengsten Nonnen der Welt?

 

kabel eins nimmt sich mal wieder problematischen Jugendlichen an und steckt sie in ein Kloster. Das erinnert oft an "Die strengsten Eltern der Welt" und offenbart ähnliche Schwächen wie das eingestellte Format. Dafür waren die Nonnen in der Auftaktausgabe eine willkommene Abwechslung.

von Timo Niemeier
28.03.2019 - 22:15 Uhr

2009 hat kabel eins das Format "Die strengsten Eltern der Welt" gestartet und darin Jugendliche in ferne Länder geschickt, um sie auf den rechten Pfad des Lebens zurückzubringen. Die Sendung war irgendwann so erfolgreich, dass sie zeitweise sogar zu Sat.1 wechselte, 2014 war dann aber endgültig Schluss, die Quoten lagen jedoch bis zuletzt im soliden Bereich. Kaum sind einige Jahre vergangenen, hat kabel eins die Sendung nun unter leicht veränderten Vorzeichen und mit einem neuen Namen zurückgeholt.

"Ab ins Kloster! Rosenkranz statt Randale" heißt die Sendung heute, die mit den "Strengsten Eltern der Welt" offiziell nichts zu tun hat. Die Gemeinsamkeiten sind jedoch offensichtlich: Vier "Problem"-Jugendliche werden in ein Kloster geschickt, um zu erfahren, worauf es im Leben wirklich ankommt. Und weil sich die Zeiten eben geändert haben, geht es zumindest in der ersten Ausgabe vor allem darum, den Jugendlichen zu zeigen, dass es nicht alles sein kann, möglichst viele Likes in den sozialen Netzwerken zu bekommen. Aber auch andere Themen wie Alkoholmissbrauch und Gewalt spielen eine Rolle.

Das ist zunächst einmal sehr löblich, allerdings wirkt das schnell oberlehrerhaft. "Deutschlands Jugend ist aus der Spur geraten", tönt es bedeutungsschwanger aus dem Off. Die Teenager von heute hätten keine Werte und keine Moral mehr. kabel eins und Imago TV wollen so wohl eine möglichst große Fallhöhe schaffen, doch die Zeit dieser Superlative ist längst vorbei. Es ist alles ein bisschen zu sehr auf Show und Effekthascherei ausgelegt, um "Ab ins Kloster" ernst zu nehmen. Da sitzen die Jugendlichen im Auto und wissen angeblich nicht wohin sie fahren. Sie träumen von einem Luxusurlaub und sind ganz entgeistert, als sie vor dem Kloster stehen. So weit, so bekannt.

Acht Tage, auch das spricht nicht gerade für einen ernstgemeinten Langzeitversuch, sollen die vier Mädchen nun im Kloster mit Nonnen leben. "Ach du scheiße, hoffentlich haben die WLAN", entfährt es einer der Teilnehmerinnen. Doch das WLAN wird in den kommenden Tagen das kleinste Problem sein. Die Mädchen müssen nämlich ihre Handys abgeben, sich nicht allzu reizvoll kleiden und stattdessen Gottesdienste besuchen, Kerzen bemalen und Gartenarbeit verrichten.

Es folgt eine Woche, wie man sie schon oft bei den "strengsten Eltern der Welt" gesehen hat. Die Jugendlichen sträuben sich gegen die Aufgaben und Verbote, sie wollen lieber ihr eigenes Ding durchziehen. Das ist leider alles sehr vorhersehbar, denn schnell sind auch die Fronten zwischen den Jugendlichen geklärt. Zwei von ihnen sind und bleiben rebellisch, zwei von ihnen tauen im Laufe der Zeit etwas auf und lassen sich auf das Experiment ein. Am Ende verlassen die zwei erstgenannten Mädchen die Sendung schon nach drei Tagen, weil es ihnen alles zu viel wird - eine von ihnen ist übrigens die Tochter von Willi Herren. Natürlich endet das alles in einem großen Streit - auch das wirkt etwas zu sehr inszeniert. 

Nonnen geben sich angenehm unaufgeregt

Recht unterhaltsam wird es meist dann, wenn es um die Nonnen selbst geht. Als die Mädchen am ersten Tag anreisen und vor dem Kloster stehen, werden sie von den Nonnen beobachtet und fast wirkt es so, als würden die betagten Damen über die jungen Mädchen lästern. Tatsächlich wundern sie sich wohl wirklich, wie hoch Schuhe und wie rot Lippen geschminkt sein können. Den Nonnen ist es auch zu verdanken, dass das Format nicht allzu krawallig geworden ist. Sie stellen zwar Regeln auf, setzen diese aber nicht mit aller Gewalt durch, sondern versuchen, durch Reden auf die Mädchen einzuwirken. Das wirkt meist echt und nicht gekünstelt, streng waren sie dadurch aber freilich nicht. Die Nonnen sind dennoch ein schöner Gegensatz zu vielen anderen Protagonisten im TV. Sie verhalten sich eben nicht so, wie es für ein TV-Format dieser Art aus Sicht der Macher vielleicht noch besser gewesen wäre, weil es so mehr Krawall hätte geben können.

Auch in der Postproduktion haben kabel eins und Imago TV ganze Arbeit geleistet. Als eines der Mädchen die Nonnen fragt, ob sie wirklich noch Jungfrau seien, spielt es im Hintergrund Madonnas "Like a Virgin". Und welches Lied durfte im Verlauf der Sendung ebenfalls nicht fehlen? "Take Me To Church", na klar.

Letztlich ist "Ab ins Kloster" aber viel zu vorhersehbar und auch das Thema ist nicht neu. Der Krawall ist von den Machern gewollt und auch das letztlich positive Ende für die zwei verbliebenen Mädchen wirkt sehr gekünstelt, weil auch sie sich fünf Minuten zuvor noch bei vielen Aufgaben sträubten. Ganz am Ende kommt dann noch einmal so etwas wie Authentizität auf. Als sich die zwei Mädchen von den Nonnen verabschieden, bekommt eine von ihnen ein Geschenk und kämpft anschließend mit den Tränen. Ob sie nun aber ihr Leben ändern wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Nach zwei Stunden war jedenfalls schon wieder alles vorbei, in der kommenden Woche schickt man männliche Jugendliche ins Kloster. Vermutlich werden einige von ihnen sehr überrascht tun und dann rebellieren. Die anderen lassen alles mehr oder weniger gut über sich ergehen. Amen.

kabel eins zeigt "Ab ins Kloster! Rosenkranz statt Randale" immer donnerstags um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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