Get the F*ck out of my House © ProSieben
DWDL.de-TV-Kritik

"Get the F*ck out of my House": Drama in Mettmann

 

In der neuen Staffel von "Get the F*ck out of my House" soll alles noch "krasser" werden als 2018. Zumindest die Voraussetzungen erscheinen deutlich härter als vor einem Jahr. Zum Start gab es altbekannte Probleme, aber auch einige Lichtblicke.

von Timo Niemeier
09.04.2019 - 22:35 Uhr

Als ProSieben im vergangenen Jahr erstmals "Get the F*ck out of my House" gezeigt hat, war das Interesse der Zuschauer überschaubar. Nur zwei von fünf Ausgaben erzielten einen zweistelligen Marktanteil - und doch zeigt man nun eine zweite Staffel. 2019 soll alles noch ein bisschen extremer werden. Nach ProSieben-Logik geht das so: Nach wie vor ziehen 100 Menschen in ein Haus, das dieses Mal aber nur 63 Quadratmeter aufweist. Außerdem gibt es nur noch eine Toilette sowie eine Besenkammer (mit Peitsche). Wer am Ende als letzter im Haus in Mettmann ist, bekommt 100.000 Euro.

Und weil es im vergangenen Jahr sehr schwer war, sich die vielen Kandidaten zu merken, sollen in diesem Jahr vier mehr oder weniger bekannte Promis einen Anker für die Zuschauer bilden. Martin Kesici etwa, der inzwischen nicht mehr "der von 'Star Search'" ist, sondern vor allem durch seine Teilnahme an der RTL-Kuppelsendung "Adam sucht Eva" bekannt ist - das lassen ihn die anderen Kandidaten im "Get the F*ck"-Haus auch so wissen. Ein weiterer Promi hat Karriere bei "Love Island" gemacht und überzeugt im Haus mit Sätzen wie "Eine Woche nicht Friseur ist für mich Game Over". Reality-Sternchen und Yotta-Ex Natalia Osada ("Bist du homosexuell? Cool, wir werden Freunde") ist ebenso mit dabei wie Saskia Atzerodt ("Bachelor").

Das sind zwar nicht die ganz großen Namen, sorgt aber immerhin dafür, dass sie sich recht nahtlos in  das übrige Teilnehmerfeld einfügen - und doch irgendwie für Aufmerksamkeit sorgen. Alle vier wissen schließlich, wie Reality geht und so bricht Natalia schon nach kurzer Zeit mehrere Streits vom Zaun, unter anderem weil es ihr nachts zu laut ist. Gut und gerne verzichten hätten die Macher von UFA Show & Factual aber auf Micaela Schäfer, die man zuletzt groß angekündigt hatte. Sie ist eine Art Gast im Haus, kann also nicht rausgewählt werden. Die plumpe Idee hinter der Personalie sind wohl Schlagzeilen im Boulevard. Dort dürften wohl immer noch alle Sirenen schrillen, wenn sich Schäfer mit einer anderen Kandidatin küsst. So weit, so erwartbar.

Viel Zeit, um die Bewohner kennenzulernen, bleibt in der ersten Ausgabe nicht - das war schon 2018 so. Nach nicht einmal einer Stunde zieht die älteste Bewohnerin aus - sie war beim Run aufs Haus gestürzt. Danach geht es quasi im Minutentakt weiter, nach einigen Stunden hat bereits ein Drittel der Bewohner das Format verlassen. Und weil immer eingeblendet wird, wie viele Bewohner sich noch im Haus befinden, muss auch jeder Auszug gezeigt werden. Das frisst Sendezeit. Auch eine Kandidatin, die durchaus im Hinterkopf hängen blieb, weil sie ihre Position auf dem Bett energisch verteidigte, ist nach wenigen Stunden schon raus. Das ist schade für die Zuschauer, weil man sich so immer wieder auf neue Kandidaten einstellen muss. Den anderen Teilnehmern aber geben die Auszüge mehr Raum und vor allem mehr Klopapier, das wurde anfangs nämlich rationiert - bitte nur 20 Blatt pro Person, hieß es da.

Thore Schölermann und Jana Julie Kilka sind nach wie vor im echten Leben ein Paar und moderieren das Format auch 2019. Dabei schwanken sie auffällig oft zwischen Genialität und Peinlichkeit. Der Ansatz, möglichst selbstironisch zu sein, ist nicht nur zu erkennen, er wird den Zuschauern geradezu mit dem Holzhammer eingetrichtert. Trotzdem wirkt das durchaus sympathisch. Einmal etwa setzen sie zum bekannten Dschungel-Schrei an und kurz wird dann auch die Musik von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" angedeutet - und dann schlendert eben doch nur Micaela Schäfer um die Ecke. Andererseits wirken die Moderationen von Schölermann und Kilka allzu oft affektiert. Da schauen sie sich dann alleine das Haus an und tun ganz überrascht, als die vier Promi-Kandidaten vor der Tür stehen.

Get the F*ck out of my House© ProSieben
In Spielen kämpfen die Bewohner um ihr Haushalts-Budget.

Überhaupt scheint RTL ein eine große Rolle bei den Autoren der Sendung zu spielen. "Wir sind hier ja nicht auf ‘Temptation Island’" erklären die Moderatoren im Laufe der Sendung, als sie erklären wollen, wie hart "Get the Fuck out of my House" ist. Aber auch ein längst vergessenes Sat.1-Format findet Erwähnung. Als Natalia Osada erklären soll, woher man sie kennt, zählt sie auf: "Catch the Millionaire", "Promi Big Brother", "Adam sucht Eva", "Yellow Press". Wobei bei "Yellow Press" tatsächlich nicht ganz klar wird, ob sie die klassische Yellow Press meint, oder eben das Sat.1-Format, das dort nie lief (DWDL.de berichtete).

Ein Problem von "Get the F*ck out of my House" ist und bleibt die fehlende Konsequenz. Entweder man lässt alle Teilnehmer so lange im Haus, bis sich auch der letzte verabschiedet hat - oder man veranstaltet eben einen Wettbewerb, in dem die Kandidaten sich auch rauswählen können. Auch 2019 hat sich ProSieben für den Mittelweg entschieden: Kandidaten verlassen freiwillig das Haus, können aber auch durch den Hausboss rausgewählt werden oder etwa fliegen, wenn sie Spiele verlieren. Das wirkt oft sehr willkürlich und ist wohl nur für die wenigsten Zuschauer verständlich. Aber weil man ja nur vier Wochen produziert hat, musste man sich eben Wege überlegen, wie man das Haus leer bekommt. Witziges Detail: Als Hausboss Manfred am Ende der ersten Folge drei Leuten sagen muss, dass er sie rausgewählt hat, kennt er offensichtlich den Titel der Show nicht und sagt gleich drei Mal: "Get up of my House". Das amüsiert selbst die Moderatoren. 

Nach der ersten Ausgabe von "Get the F*ck out of my House" ist also noch vieles unklar bzw. unübersichtlich. Durch die Promis gibt es aber immerhin ein paar wenige Anker, an denen man sich festhalten kann. Micaela Schäfer hätte es aber wirklich nicht gebraucht - und schon gar nicht als eine Art Special-Guest. Die erste Staffel hat gezeigt, dass das Format erst im Laufe der Zeit so richtig an Fahrt aufnimmt - das ist auch für 2019 zu erwarten. Dann werden sich hoffentlich auch einige Charaktere herauskristallisieren, die das Format tragen. Und auch erst dann wird verstärkt Spannung aufkommen, weil die Nerven in einem 63-Quadratmeter-Haus mit so vielen Personen nun einmal schneller blank liegen als sonst. Oder wie es Thore Schölermann sagt: "Die Dramen von Mettmann werden sich hier abspielen".  

ProSieben zeigt insgesamt sechs Ausgaben von "Get the F*ck out of my House" immer dienstags ab 20:15 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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