Superhero Germany © ProSieben/Jens Hartmann
DWDL.de-TV-Kritik

"Superhero Germany": Eigentlich alles nur Opfer hier

 

ProSieben will nun auch im Bereich der Physical-Gameshows mitmischen und hat mit "Superhero Germany" eine neue Show gestartet. Die bietet vor allem zu Beginn wenig Abwechslung, doch mit Tim Wiese gibt es immerhin jemanden, der vieles herausreißt.

von Timo Niemeier
20.04.2019 - 23:16 Uhr

Mit "Ninja Warrior Germany" hat RTL 2016 eine Show gestartet, die das Label Physical-Gameshow auf ein neues Level hob. ProSieben hat derzeit zwar "Schlag den Star" im Programm, dort geht es aber oft auch um Köpfchen und Geschick - nun hat man mit "Superhero Germany" eine Show auf die Bildschirme gebracht, in der allein die körperliche Fitness zählt. Tatsächlich kommt das von RedSeven Entertainment produzierte Format im Vergleich zu anderen ProSieben-Sendungen erfrischend anders daher und ist auch kein reiner Abklatsch von "Ninja Warrior", ein paar Kinderkrankheiten gab es zum Start aber dennoch.


Doch erst einmal das Positive: Nach den gewohnt großen Tönen zu Beginn ("Heute Abend schlägt die Stunde der Alltagshelden") geht es schnell los, schon nach rund fünf Minuten beginnt das erste Spiel. In jeder Ausgabe der Show treten jeweils acht Athletinnen und Athleten zunächst in direkten Duellen gegeneinander an, um dann im Finale auf prominenten "Heroes" zu treffen. Werden Tim Wiese, Björn Werner, Christina Obergföll und Sandra Bradley besiegt, erhalten die siegreichen Athleten 25.000 Euro.

Blöd nur: In den ersten jeweils vier Matches der Frauen und Männer gab es recht wenig Abwechslung. Die Frauen mussten einen Betonblock ziehen und Reifen darüber schmeißen, die Männer mit einem Hammer Baumstämme durch ein Loch schlagen. Das sind an sich nette Ideen, doch in Level eins mussten alle Frauen und Männer das gleiche Match machen - das schlaucht als Zuschauer auch deshalb, weil alle Spiele von vorne bis hinten gezeigt werden. Bei "Ninja Warrior Germany" ist der Parcours anfangs zwar auch immer gleich, doch hier spielen die Macher mit der Darstellungsweise und zeigen manchmal auch nur, wie einige der Athleten auf besonders kuriose Weise ausscheiden.

Immer wieder wird bei "Superhero Germany" der sogenannte "Hero-Faktor" der Kandidaten eingeblendet. Der gibt an, wie stark die Teilnehmer in den Kategorien Kraft, Ausdauer, Tempo und Koordination sind. Ansonsten hat der Wert allerdings keine Auswirkungen - er dient also nicht als Handicap oder Ähnliches. Errechnet wurde der "Hero-Faktor", so erklärt es Moderator Patrick Esume ganz zu Beginn der Sendung, vor der eigentlich Show im "Qualifying". Nur die besten Bewerber hätten es so in die Show geschafft - leider sieht man nicht besonders viel dieses Qualifyings, hier lässt "Superhero Germany" Potenzial liegen.

Im Verlauf des Abends nahm die Show dann aber an Fahrt auf. In Level 2 mussten die Frauen in einer Art Laufrad möglichst schnell 50 Umdrehungen schaffen und die Männer auf einem Würfel in acht Metern Höhe eine möglichst große Fläche erobern. Das war vor allem deshalb so sehenswert, weil man den Athleten die Anstrengungen ansah - und einfach weil es sehr spektakulär aussah. Die Laufräder etwa stiegen, je nach Anzahl der Umdrehungen, immer weiter nach oben, sodass der Fortschritt auch an der Höhe abgelesen werden konnte.

Superhero Germany© ProSieben/Willi Weber
In schwindelerregender Höhe müsse die Kandidaten in einem Spiel eine möglichst große Fläche eines Würfels einnehmen.

Weil die verschiedenen Kandidaten immer nur kurz zu sehen waren, waren sie für die Zuschauer recht schwer greifbar - das Problem hat "Superhero Germany" aber nicht exklusiv. Um das zu lösen, wurden die Athleten in bestimmte Schubladen gesteckt. Einer von den Männern etwa sah recht ansehnlich aus und wurde von Esume und den Kommentatoren Elmar Paulke und Christian Düren daher zum "Märchenprinz" gemacht. Wenn man jedes Mal einen getrunken hätte, wenn das Wort "Märchenprinz" fiel: Es hätte einen aus den Latschen gehauen. Irgendwann brachte es Tim Wiese, der mit den anderen drei "Heroes" über den Kandidaten thronte und sich deren Spiele in einem gemütlichen Sessel ansehen konnte, auf den Punkt: "Es ist mir völlig egal ob Märchen- oder Traumprinz. Das sind eigentlich alles Opfer hier", sagte der Mann, der mal Bundesliga-Torwart war und zuletzt mit Wrestling-Events Schlagzeilen gemacht hat.

Es war dann auch Wiese als der wohl bekannteste "Heroe", der noch am ehesten für launige Momente sorgte. "The Machine zittert nicht", sagte er über sich selbst. "Vielleicht der Dicke ein bisschen, aber ich nicht", ergänzte Wiese und zeigte auf Björn Werner. Wiese bewies im Laufe der ersten Sendung jedenfalls mehrfach, dass er das Showbiz verstanden hat. Bei Patrick Esume, Elmar Paulke und Christian Düren wirkten die einstudierten Witzchen noch etwas zu sehr gewollt. Esume stellte sich zudem heroisch vor ("Mein Job: Helden machen"), zumindest aber bei "Superhero Germany" machte er keine Helden, sondern moderierte sie allenfalls an und sprach mit ihnen vor und nach den Spielen.

Wiese dagegen klopfte nicht nur Sprüche, er zeigte im Finale auch, was sonst noch so in ihm steckt. Der Finalist musste gegen ihn antreten und zehn Kilo schwere Medizinbälle (bei ProSieben sagen sie "Betonbälle") über ein Netz werfen. Wenn der Gegner den Ball nicht fing, gab es einen Punkt. Das Spiel zog sich letztlich in schöner "Schlag den Raab"-Manier auf rund 20 Minuten, doch am Ende war Wiese trotzdem ein sicherer Sieger. Und auch die anderen "Heroes" haben ihre Finals gegen die Athleten gewonnen und so gab es in der ersten Ausgabe der neuen ProSieben-Show noch keinen "Superhero Germany". Ein Opfer ist trotzdem keiner der Kandidaten. Man kann nur hoffen, dass die Zuschauer dem neuen Format eine Chance geben und trotz der langen Sendezeit bis 23:15 Uhr eingeschaltet haben. Sonst wird "Superhero Germany" selbst ganz schnell zum Opfer. Zum Quotenopfer.

ProSieben zeigt insgesamt vier Ausgaben von "Superhero Germany" am Samstagabend ab 20:15 Uhr.

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