Guidos Masterclass © TVNOW / Andreas Friese
DWDL.de-TV-Kritik

"Guidos Masterclass" bei Vox: Geschickt eingefädelt?

 

In "Guidos Masterclass" sucht Guido Maria Kretschmer nach dem nächsten deutschen Modetalent. Die Sendung weist viele Ähnlichkeiten zu einem seiner früheren Primetime-Formate auf - und wird dementsprechend wohl nicht der nächste große Straßenfeger.

von Timo Niemeier
29.04.2019 - 22:00 Uhr

Mit ein wenig Verspätung hat es "Guidos Masterclass" nun doch noch auf die Bildschirme geschafft. Ursprünglich war das Format mit Modedesigner Guido Maria Kretschmer für den Herbst 2018 angekündigt. Daraus ist bekanntlich nichts geworden, nun hat Vox das von Constantin Entertainment produzierte Format aber doch noch auf Sendung gebracht. Es geht, wie sollte es bei Kretschmer auch anders sein, um Mode. Oder besser gesagt: Modemacher. Zwölf von ihnen müssen sich in der Auftaktausgabe beweisen und aus alltäglichen Gegenständen ein Kleid machen. Am Ende kommen acht von ihnen in "Guidos Masterclass", in wenigen Wochen gibt es dann einen Sieger.

Man muss sich schon einlassen wollen auf dieses Format, in dem es um aktuelle Modetrends, Probleme mit der Nähmaschinen und Verzierungen aller Art geht. "Mode ist kein Kleidungsstück, Mode ist ein Stück Zeit", versucht Wolfgang Joop, einer der Experten im weiteren Verlauf der Staffel, den Begriff "Mode" zu umschreiben. "Gegen Mode und Grippe kann man sich ganz schwer impfen lassen", sagt er. Trotzdem ist nicht anzunehmen, dass "Guidos Masterclass" der nächste großen Straßenfeger wird. Dazu ist das Format zu spitz. Dennoch ist es im besten Sinne nett.

Es geht alles sehr gemächlich los, man könnte auch entspannt sagen. Kretschmer begrüßt die zwölf Kandidaten und schlürft mit ihnen erst einmal einen Sekt. Aus dem mit allerhand alltäglichen Gegenständen ausgestatteten Raum müssen sich die Teilnehmer dann innerhalb von drei Minuten schnappen, was sie tragen können - denn nur daraus dürfen sie später ein Kleid machen. Und so greifen die Frauen und Männer nach Müllsäcken, Tischdecken, Süßigkeiten, Strohalmen und bunten, aufblasbaren Plastiksesseln.

Zwischendurch werden die verschiedenen Kandidaten vorgestellt. Das sorgt dafür, dass sich die erste Ausgabe von "Guidos Masterclass" etwas zieht, dafür ist man direkt nah dran an den Teilnehmern. Die vielzitierte "Heldenreise" kann also beginnen. Das Casting ist der Produktionsfirma Constantin Entertainment übrigens sehr geglückt. Die Kandidaten sind nicht nur durch die Bank weg sympathisch, sondern haben auch fast alle einen großen Wiedererkennungswert. Das ist nicht zu unterschätzen, will man eine Beziehung zu den Zuschauern aufbauen.

Nett, entspannt, sympathisch. Das sind die Attribute, mit denen man "Guidos Masterclass" umschreiben kann. Das Problem: Genauso kann man auch Kretschmers frühere Primetime-Show "Geschickt eingefädelt" umschreiben - und so hat es DWDL.de damals auch gemacht. Es stellt sich also die Frage, inwiefern sich die beiden Shows überhaupt unterscheiden. War "Geschickt eingefädelt" einst als Näh-Wettbewerb angekündigt, so ist "Guidos Masterclass" nun eine "Design-Competition". "Geschickt eingefädelt" holte damals mit zwei Staffel etwas mehr als 7,0 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe. Kaum vorstellbar, dass "Guidos Masterclass" das in den kommenden Wochen spürbar toppen kann, dazu ähneln sich beide Formate zu sehr. Wie geschickt es war, beide Sendungen so ähnlich zu konzipieren, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Guidos Masterclass© Screenshot Vox
Ein Kleid aus Strohalmen hat Kandidat Robin kreiert. 

Kretschmer selbst ist wie immer: nett aber bestimmt. In dem neuen Primetime-Format hat er vielleicht den ein oder anderen spitzen Satz weniger auf den Lippen. Aber was soll er auch groß sagen? Das größte Problem eines Kandidaten ist, dass er die Aufgabe nicht richtig verstanden hat und anstatt eines Kleides erst drei verschiedene Teile machen will. Logisch, dass es dafür eine einfache Lösung gibt: zusammennähen! Hier fehlt es an Fallhöhe. Optisch macht "Guidos Masterclass" dagegen einiges her. Die verschiedenen Outfits werden für die Zuschauer visualisiert und die einzelnen Elemente stets farblich hervorgehoben.

Etwas skurril wirkt in der Auftaktausgabe die Kooperation mit der Mode-Zeitschrift "Vogue". Der oder die Sieger/in der Sendung gewinnt neben 50.000 Euro nämlich nicht nur ein Mentoring-Programm durch Kretschmer höchstselbst, der oder die erhält auch eine dreiseitige Fotostrecke in dem Magazin. So weit, so gut. Kurios wird es, als dann die "Vogue"-Chefredakteurin Christiane Arp vorbeischaut und die Kreationen der Kandidaten begutachtet und Kritik sowie Ratschläge gibt. Vermutlich wurde es vertraglich irgendwo fixiert, dass Kretschmer sie als "eine der bedeutendsten Chefredakteurinnen des Landes" bezeichnen muss.

Und dann wären da auch noch die Experten, mit denen Kretschmer am Ende die fertigen Outfits der Teilnehmer bewertete. Das Supermodel Karolina Kurkova etwa, das schon in vielen Modezeitschriften abgebildet wurde, gezeigt wurden aber nur die "Vogue"-Titel. Und auch Donald Schneider war mit dabei. O-Ton Kretschmer: "Er war jahrelang Art Director in der französischen ‘Vogue’. Das ist man ja auch nicht aus Versehen." Aufgrund dieser "Vogue"-Penetranz gibt es ein paar Abzüge in der B-Note. Vermutlich wird das aber nur die wenigsten Mode-Fans stören. Wahrscheinlich kann man sich in der Branche auch gegen die "Vogue" nur schlecht impfen lassen.

Vox zeigt "Guidos Masterclass" ab sofort immer montags ab 20:15 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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