Eckart Witzigmann © Sat.1/Arne Weychardt
DWDL.de-TV-Kritik zu "Top Chef Germany"

Eine Kochshow bleibt eine Kochshow bleibt eine Kochshow

 

In der neuen Kochshow "Top Chef Germany" mit "Jahrhundertkoch" Eckart Witzigmann lässt Sat.1 echte Profis am Herd gegeneinander antreten. Das alleine reicht aber kaum aus, um dem Format die nötige Würze zu verleihen. Die TV-Kritik zur Premiere...

von Alexander Krei
08.05.2019 - 23:00 Uhr

"In 22 Ländern auf der ganzen Welt begeistert 'Top Chef' die Menschen. Und jetzt ist es endlich so weit: 'Top Chef Germany' geht an den Start." Es sind bedeutungsschwangere Sätze, die Sat.1 seinem Moderator Daniel Boschmann in den Block diktiert hat. Dabei ist kaum davon auszugehen, dass die deutschen Fernsehzuschauer ernsthaft auf eine weitere Kochshow gewartet haben, denn – und das muss man leider so sagen – nichts anderes ist diese neue Sendung, die am Mittwochabend ihre Premiere feierte: Eine weitere Kochshow.

Wie oft hat man in all den Jahren schon Menschen in Kochjacken gesehen, die in größter Hektik Gemüse schneiden, Fleisch anbraten oder ihr Süppchen kochen, um am Ende die Gaumen einer hoch dekorierten Jury zu kitzeln? Und wo in anderen Shows das Kommando "An die Töpfe, fertig, los" lautet, befiehlt Boschmann seinen Kandidaten eben: "An die Messer, fertig, los".

Nein, innovativ ist an der Adaption dieser ursprünglich von einem amerikanischen Kabelsender stammenden Kochshow nicht allzu viel. Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass im Gegensatz zu anderen Formaten dieser Art echte Profis antreten, die teilweise selbst schon mit einem Stern dekoriert sind. Sat.1 bezeichnet "Top Chef" wegen ihrer hochtalentierten Teilnehmer sicher nicht zu Unrecht als die "Königin unter den Kochshows" – und es ist dem Sender hoch anzurechnen, den "Jahrhundertkoch" Eckart Witzigmann als Jury-Chef gewonnen zu haben.

Allein, eine Kochshow bleibt eine Kochshow bleibt eine Kochshow. Lässt man diesen nicht unwesentlichen Aspekt außen vor, bietet "Top Chef Germany" freilich trotzdem über weite Strecken gute Unterhaltung. Redseven Entertainment hat die Show gut umgesetzt und insbesondere die Momente, in denen die Köche unter Hochdruck arbeiten, temporeich inszeniert. Glücklicherweise verzichten die Macher an dieser Stelle auf einen Off-Sprecher, der ohnehin nur das sagt, was die Zuschauer gerade mit ihren eigenen Augen sehen können.

"Ich bin das Reh in der Mitte"

Für das Pathetische ist dann ohnehin Daniel Boschmann zuständig. "Für jeden Einzelnen steht einiges auf dem Spiel", lässt er wissen und fordert die Kandidaten in der ersten Runde schließlich dazu auf, ihr "kulinarisches Ich" auf den Teller zu zaubern. Wie das aussieht, zeigt besonders Kandidat Sven Wesholek, der sich aus einem ganz besonderen Grund dazu entschlossen hat, den Experten um Eckart Witzigmann ein Reh zu servieren: "Ich bin das Reh in der Mitte, so ein bisschen zurückhaltend und schüchtern", erklärt er unter emotionalem Klaviergeklimper und rührt dabei die Foodkritikerin Alexandra Kilian beinahe zu Tränen.

Top Chef Germany© Sat.1

Zuvor lässt ein anderer Kandidat die Zuschauer an seiner Nervenkrankheit teilhaben. "Wenn ich nicht mehr kochen würde, wäre mein Geist unglücklich", erzählt er. Aber keine Sorge, derart rührselig geht’s bei "Top Chef" nicht immer zu. Manchmal sind es auch die kleinen Dinge, die von großer Bedeutung sind – wenn etwa bei der Blaubeerhollandaise die Blaubeeren fehlen. Eckart Witzigmann ist nach der ersten Runde jedenfalls nicht zufrieden: "Hundertprozenzig hat mich nichts überzeugt", nuschelt der Star-Koch in tiefem Bayerisch in seinen nicht vorhandenen Bart.

Ohnehin fällt es mitunter schwer, dem 77-Jährigen in jeder Silbe zu folgen, was an manchen Stellen unfreiwillig schrullig wirkt, seiner Autorität aber letztlich keinen Abbruch tut. "Wenn er mehr Salz möchte, sage ich 'Oui, chef', dann gibt’s mehr Salz", äußert sich einer der Köche nach der Verkostung seines Gerichts durch den Grandseigneur betont kleinlaut. In diesen Momenten spürt man, welch wichtiges Element Witzigmann für die Show darstellt. Ohne ihn und seine Autorität würde es "Top Chef Germany" an der nötigen Fallhöhe mangeln und das Format wäre vollends austauschbar. 

So aber besteht die Hoffnung, dass die Sendung im Laufe der nächsten Wochen ihre wenigen Alleinstellungsmerkmale besser herausstellen wird als in der letztlich unspektakulären Auftakt-Folge. Mehr Salz in der Suppe täte jedenfalls nicht nur so manchem Gericht gut, sondern auch der "Top Chef"-Suche. Oder wie es der Jahrhundertkoch ausdrücken würde: "Hundertprozentig hat mich nichts überzeugt."

"Top Chef Germany" läuft mittwochs um 20:15 Uhr in Sat.1.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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