Whiskey Cavalier © Warner Bros.
DWDL.de-Serienkritik

"Whiskey Cavalier": Schlechtes Timing für Serien-Neustart

 

Die US-Serie "Whiskey Cavalier" zählte zu den Hoffnungsbringern der Saison, doch wegen schwacher Quoten ist nach nur einer Staffel Schluss. Blöd für Sat.1, wo die Geschichte über eine Art romantischen Geheimagenten ab sofort zu sehen ist.

von Kevin Hennings / Alexander Krei
14.05.2019 - 16:32 Uhr

"I need to know now, know now, can you love me again?", ertönt es aus John Newmans markanten Stimmbändern, während sich FBI-Agent Will Chase mit dem Codenamen "Whiskey Cavalier" seinem Publikum vorstellt. Der von Scott Foley ("Scandal") verkörperte Sympath rettet in Paris einmal mehr in seiner Karriere die Welt, indem er einen potentiell folgenschweren Waffenhandel vereitelt. Als hätte der Titelsong nicht besser ausgewählt werden können, kommen noch einige weitere Bausteine zu "Whiskey Cavalier" hinzu, die immer wieder die Frage aufwerfen, "can you love me again?"

So bekommt der bereits attraktive Hauptdarsteller selbstredend noch eine wunderschöne Partnerin (Lauren Cohan, "The Walking Dead") an die Seite gestellt, die fortan mit ihm klassische Fälle bearbeitet, die jede Folge in sich geschlossen sind. Ebenfalls nicht fehlen darf ein quirliger, dunkelhäutiger Sidekick, der für die nötigen Schenkelklopfer sorgt, ebenso wie stereotype Bösewichte, die in Slow-Motion zur Pistole greifen. "Whiskey Cavalier" ist in der Tat ein Genre-Best-Off, welches nur dann wirklich Spaß machen möchte, wenn John Newmans Frage mit "Ja" beantwortet werden kann.

Showrunner David Hemingson ("The Catch") dürfte jedoch nicht diesen Gedanken gehabt haben, als er "Love Me Again" gleich mehrmals in seinen Folgen platzierte. Vielmehr soll der Song untermalen, welchen Herzschmerz Agent Chase mit sich herumträgt. Dieser wurde nämlich vor Kurzem von seiner vermeintlichen Liebe des Lebens verlassen, nachdem er ihr einen Antrag gemacht hat. Liebe spielt generell ein großes Thema im Leben des einfühlsamen Spions – so sagt er selbst, dass seine emotionale Art ihn zu einem besseren Agenten macht. Von einer Jason Bourne-Kopie kann also nicht die Rede sein, da dieser bekanntlich kaltschnäuziger daherkommt.

Wirklich stimmig möchte das aber nicht wirken. Viel zu konstruiert kommen so Sequenzen daher, in denen sich das heiße Ermittlerpaar schnell näher kommt, und das obwohl Chase doch gerade auf bestialische Weise das Herz zerrissen wurde. Das seine ehemalige Freundin dann plötzlich wieder auf der Matte steht und im ungünstigsten Moment für noch mehr Wut sorgt, ist dann bereits mehr als erwartbar. Abgelenkt wird der Zuschauer lediglich durch das skurrile Storytelling, welches an manchen Stellen unverhofft zum Schmunzeln animiert, an vielen weiteren aber eher zum Kopfschütteln.

So wird in der teuer produzierten Pilotfolge anfangs auf ein Handy geschossen, dessen Display wie durch ein Wunder weiterhin funktioniert. Nur dadurch kann Agent Chase eine wichtige Nachricht lesen, die zum Ende der ersten Episode den erzählten Bogen schließt. Leider gab es an dieser Stelle keine Schleichwerbung, um sich dieses Teufelsgerät selbst vorzumerken. Andere faszinierende Gadgets, wie beispielsweise ein explodierender Tampon, sorgen dennoch für einen gewissen Charme. 

Neuer Serien-Abend ohne Zukunft

Vor wenigen Monaten noch zählte die "Whiskey Cavalier" zu den großen Hoffnungsträgern der Serien-Saison - nicht wenige Beobachter sahen in dem Format, das Popcorn-Kino in der TV-Version bietet, bereits den nächsten Hit. Allein, sie haben die Rechnung ohne die amerikanischen Zuschauer gemacht, die in den vergangenen Wochen nicht ausreichendem Maße einschalteten, weshalb der US-Sender ABC jetzt nach nur einer Staffel den Stecker gezogen hat. Die Meldung vom Aus für "Whiskey Cavalier" platzte ausgerechnet vor der Deutschland-Premiere herein, die am Montagabend beim Pay-TV-Sender Sat.1 Emotions erfolgte, ehe nur einen Tag später die Free-TV-Premiere in Sat.1 läuft.

Keine Frage, den Auftakt hat man sich in Unterföhring ganz anders vorgestellt. Wie hoch die Erwartungen waren, lässt sich schon alleine daran ablesen, dass "Whiskey Cavalier" dort läuft, wo zuletzt der Dauerbrenner "Navy CIS" angesiedelt war. Dieser verliert im Zuge dessen jetzt schon zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit seinen Sendeplatz: Vom Sonntag ging es zunächst auf den Montag, dann auf den Dienstag und nun rückt "NCIS" noch zwei Abende weiter.

Gut drei Monate wird "Whiskey Cavalier" nun am Dienstagabend laufen – zusammen mit der ebenfalls bereits abgesetzten US-Serie "Lethal Weapon", die sich mit der startenden dritten Staffel eigentlich noch einmal neu erfinden sollte. Doch noch vor dem Start ist diesem Serien-Abend keine große Zukunft beschieden. Nur einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es für Sat.1 dann doch noch: Weil "Whiskey Cavalier" international, im Gegensatz zu den USA, recht gut läuft, sucht das Produktionsstudio Warner Bros. bereits nach einem neuen Partner. Nicht gänzlich ausgeschlossen also, dass es doch noch einmal ein Wiedersehen mit dem hoffnungslosen Romantiker Will Chase geben wird.

Sat.1 zeigt "Whiskey Cavalier" dienstags um 20:15 Uhr. Beim Pay-TV-Sender Sat.1 Emotions gibt es die aktuelle Folge jeweils einen Tag zuvor zu sehen.

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