Joko und Klaas gegen ProSieben © ProSieben/Willi Weber
DWDL.de-TV-Kritik zur neuen ProSieben-Show

Joko, Klaas und die beste Show der (ProSieben-)Welt

 

Eine bessere Idee hatte ProSieben lange nicht: In ihrer neuen Show treten Joko und Klaas gemeinsam gegen den Sender an. Das sorgte für glänzende Unterhaltung und könnte sich als lebensverlängernde Maßnahme fürs gute, alte Fernsehen erweisen.

von Alexander Krei
28.05.2019 - 23:28 Uhr

"Bei anderen heißt es 'Guten Morgen', bei uns eben: 'Ich schlag dich tot.'" Mit einer schönen Portion Gelassenheit bringt Klaas Heufer-Umlauf das Verhältnis zu seinem langjährigen Show-Kompagnon Joko Winterscheidt auf den Punkt. Tatsächlich haben sich die beiden in den vergangenen Jahren oft bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus gebracht, sodass man gespannt sein durfte, was dabei herauskommt, wenn ProSieben seine "Problem-Mitarbeiter", wie der Sender sie nennt, erstmals gemeinsam im Team antreten lässt – und zwar gegen "Herr ProSieben" höchstpersönlich. 

Der Show-Titel "Joko und Klaas gegen ProSieben" ist entsprechend selbsterklärend und die Show selbst ist es auch. Sechs Runden werden gespielt, in denen sich das Duo Vorteile fürs Finale erarbeiten kann. Gewinnen sie, dürfen Joko und Klaas einen Tag später zur besten Sendezeit eine Viertelstunde das machen, worauf sie Lust haben, was in Zeiten des Controller-Fernsehens keine Selbstverständlichkeit ist. Gewinnt jedoch der Sender, dann droht den beiden eine echte Strafe in Form eines roten ProSieben-Tattoos. Anreize genug, um sich ins Zeug zu legen – und um eine unterhaltsame Sendung auf die Beine zu stellen.

 

Die wurde es es dann auch, nicht nur, aber auch weil Joko und Klaas sichtbar Gefallen daran fanden, die vom Sender und seinem Personal gestellten Aufgaben zu bewätigen, auch wenn das nicht immer klappte. Ein Höhepunkt gab's dabei gleich zu Beginn mit der "90-Grad-Darts-WM", bei der das Duo auf dem Rücken liegend nicht nur eine an der Decke befestigte Dartscheibe treffen, sondern auch noch mehr Punkte werfen sollten als ein Profispieler. Der gewann letztlich zwar die Runde, doch viel wichtiger waren ohnehin die schönen Bilder, die das Spiel lieferte: Erst fielen die Pfeile herab, dann die beiden auch noch von der Bank, auf der sie lagen.

Lustiger hätte die Show vermutlich kaum beginnen können und glücklicherweise ging es dann auch so weiter. Ob als zappelnde Boxer oder menschlicher Lappen – ProSieben schaffte es immer wieder aufs Neue, seine Stars in herrlich absurde Situationen zu bringen. Positiver Nebeneffekt für den Sender: Weil diverse Protagonisten des eigenen Programms wahlweise in Einspielern oder im Studio an der Show mitwirkten, erwies sich "Joko und Klaas gegen ProSieben" als perfekte Eigenwerbung, noch dazu ganz ohne Nerv-Faktor.

Joko und Klaas gegen ProSieben© ProSieben

Selten zuvor dürfte die Promo fürs eigene Programm derart gut in eine Sendung integriert worden sein, auch wenn das "Topmodel"-Quiz womöglich doch etwas zu viel des Guten war. Dass es auch subtiler geht, bewies die Show jedoch bei vielen Details, etwa den typischen Sender-Sounds, die an zahlreichen Stellen erklangen. Keine Frage, ProSieben und die Produktionsfirma Florida TV haben sich reichlich Mühe gegeben bei der "frühesten Samstagabendshow der Woche", wie Moderator Steven Gätjen die Sendung am Anfang anpries.

Überhaupt erwies sich auch Rückkehrer Gätjen als echter Gewinn, weil er dem motivierten und manchmal sogar übermotivierten Moderatoren-Duo immer wieder routiniert Paroli bot – so wie er das einst schon bei Stefan Raab gemacht hat, bevor er im ZDF vorwiegend mittelmäßige Formate präsentierte. Es war also eine stimmige Premiere von "Joko und Klaas gegen ProSieben", die da am Dienstagabend zweieinhalb Stunden lang über den Sender flimmerte. Und womöglich wurden die Zuschauer sogar Zeugen der besten ProSieben-Idee seit Jahren.

Fraglich ist jedoch, ob "Herr ProSieben" die Idee womöglich schon bereut, denn gleich in der ersten Ausgabe gelang Joko und Klaas der Sieg über ihren Arbeitgeber, sodass die beiden am Mittwoch um 20:15 Uhr für "die schlimmsten ProSieben-Minuten jemals" sorgen können, wie Klaas Heufer-Umlauf zwischenzeitlich androhte. Andererseits könnten sich genau solche Guerilla-Aktionen als eine Art lebensverlängernde Maßnahme für das gute, alte Fernsehen entpuppen. Und im besten Fall dient die neue Show ja sogar als Ansporn für ProSieben, noch mehr in Eigenproduktionen zu investieren: Ohne die würden dem Sender jedenfalls schnell die Gegner für Joko und Klaas ausgehen. Das wäre nach dieser gelungenen Premiere wirklich schade.

"Joko und Klaas gegen ProSieben" läuft dienstags um 20:15 Uhr, "Joko und Klaas Live" folgt einen Tag später.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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