La Zona – Do not cross © ZDF/Emilio Pereda
DWDL.de-Serienkritik

"La Zona" bei ZDFneo: Die "Kommt da noch was?"-Dystopie

 

Und die nächste Serie mit nuklearer Katastrophe startet: Wer mit "La Zona" jedoch eine ebenso stimmige Serie wie "Chernobyl" erwartet, könnte enttäuscht werden. Dafür tritt der heute auf ZDFneo startende Achtteiler zu oft unter seinen Möglichkeiten auf.

von Kevin Hennings
01.06.2019 - 17:22 Uhr

"Atomkraft? Nein danke." Der mit einer lachenden Sonne kombinierte Spruch, den 1975 die 22-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin Anne Lund in die Welt trug, fand in den vergangenen Jahren immer mehr Anhang. Ob in politischen Diskussionen oder in WG-Küchengesprächen, in denen ein Öko-Stromanschluss abgestimmt wurde. Dass dieses Thema ebenfalls genügend Stoff für TV-Serien bereithält, beweisen die vergangenen Monate. Ende 2017 spielte ein AKW eine zentrale Rolle in "Dark", während durch HBO und Sky der gesamte "Chernobyl"-Prozess auf hervorragende Weise frisch aufgerollt wurde. Wie in den genannten Serien spielt verpatzte Atomenergie auch in "La Zona: Do not cross" eine entscheidende Rolle, die den Brennstoff Uran in kein vorteilhaftes Licht stellt.

Nach einem Reaktorunfall im Norden Spaniens wurde ein Großteil des Landes zur Sperrzone erklärt. Wie genau das Desaster von statten ging, wird nicht näher aufgezeigt, da "La Zona" erst drei Jahre danach einsetzt. Immer noch sind Spezialkommandos damit beschäftigt, das Gebiet zu dekontaminieren – was die Regierung dennoch nicht davon abhält, die ersten Rückkehrer in angemessener Entfernung neu ansiedeln zu lassen. Trotz der Tatsache, dass das Kernareal für Zivilisten weiterhin verbotene Zone bleibt, wird dort eine Leiche entdeckt. Keine normal anmutende Leiche, sondern ein an einem Strick aufgehangener Mann, der bereits teilweise von wilden Wölfen zerfleischt wurde – aber auch von Menschen, wie die Autopsie später feststellt. Für den Polizisten Uría (Eduard Fernández), der einst zu jenem Polizeitrupp gehörte, der vor drei Jahren als erstes am Unfallort des zerstörten Reaktors war, beginnt damit eine perfide Suche nach einem Mörder, der sich keinen absurderen Tatort hätte aussuchen können.

"Verlassene Ort sind der perfekte Nährboden für Geistergeschichten", erzählten die Schöpfer Alberto und Jorge Sánchez-Cabezudo im Gespräch mit der Goldenen Kamera. Damit liegen sie absolut richtig. Diese schwummrige Grundatmosphäre jedoch als auszureichend dafür anzusehen, dass inszenatorisch sonst nicht viel mehr geleistet werden muss, war leider ein Trugschluss. Denn während "La Zona" mit äußerst vielversprechenden ersten fünf Minuten aufwartet, verebbt das anfängliche Hochgefühl schnell um einer gewissen Lustlosigkeit Platz zu machen.

In erster Linie kommt die gefühlte Lustlosigkeit seitens der Macher durch. Der gut besetzte Cast wurde mit uninspirierten Dialogen versehen und die Dramaturgie spielt verstecken mit der ewig herumgeisternden Antwort auf die Frage, ob da noch etwas kommt. Dadurch hat dann auch der Zuschauer schnell keine Konzentration mehr dafür übrig, was im schmeichelhaftesten Sinne als ruhig erzähltes Crime-Drama verkauft werden kann.

Interessant war hingegen der Einsatz der untersten Lebensschicht. "Was uns an Fukushima erstaunte, war etwa die Rolle der Yakuza", verraten die Brüder im Gespräch weiter. "Die japanische Mafia warb Obdachlose oder hoch verschuldete Menschen für Aufräumarbeiten in verseuchten Gebieten an." Gleiches Spiel findet in "La Zona" statt, wo die ärmsten Menschen einem Todesurteil unterzogen werden. Hier passt die ruhige Erzählweise wie die Faust aufs Auge, was es noch ärgerlicher macht, dass jenes Stilmittel inflationär an allen Stellen genutzt wurde.

Die von Movistar+ produzierte Serie, die gleichzeitig die erste spanische Serie im Programm von ZDFneo darstellt, verfehlt insgesamt leider zu viele offene Türen. Die Geschichte um Hector Uría, der als einziger Polizist ohne erkennbare Strahlenschäden davon kam, wird quälend langsam an den Mann gebracht – ohne deutlichen Spannungsbogen macht das in keiner Hinsicht Spaß. Auch die Versuche, Horrorelemente einfließen zu lassen, scheiterten in einer Vielzahl. Dafür wird zu oft deutlich, wie wenig Mut für einen kompletten Genreumbruch aufgebracht werden konnte. Dadurch wirken kleine Schocksequenzen wie nichts Halbes und nichts Ganzes.

Problematisch ist auch schlicht der deutsche Start von "La Zona". Während die Serie in der spanischen Heimat bereits 2017 erschien, musste sie ZDFneo ausgerechnet so legen, dass sie beinahe zeitgleich mit "Chernobyl" startet. Während es bei manch einem Serienvergleich gerne mal hinken mag, zeigen "Chernobyl" und "La Zona" in idealer Weise, wie wichtig Taktung und Dramaturgie ist. Während die HBO/Sky-Produktion beinahe durchweg on point inszeniert, hinkt es bei "La Zona" stellenweise dermaßen, dass es dem Zuschauer schwer gemacht wird, den vielen verschiedenen roten Fäden folgen zu wollen. Einen Gedanken prägt "La Zona" jedoch ebenfalls so gut ein, wie andere Nuklearserien: Atomkraft? Nein danke.

"La Zona: Do not cross" ist ab sofort jeden Samstag um 22 Uhr und in Doppelfolgen auf ZDFneo zu sehen, ebenso wie on demand in der ZDF Mediathek. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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