Gerichtsreport Deutschland © Screenshot RTL
DWDL.de-TV-Kritik

"Gerichtsreport Deutschland": RTL macht kurzen Prozess

 

Mit "Gerichtsreport Deutschland" testet RTL eine neue alte Farbe am Nachmittag. Die Fälle sind recht kurzweilig, doch ob RTL und Filmpool damit tatsächlich das Vertrauen in die Justiz stärken können, erscheint fraglich.

von Timo Niemeier
17.06.2019 - 17:22 Uhr

Zu Gerichtsshows im deutschen Fernsehen ist bereits alles geschrieben worden. Barbara Salesch, Alexander Hold, Ruth Herz und wie sie alle hießen verhandelten viele Jahre im Nachmittagsprogramm von RTL und Sat.1 diverse Fälle, die im Laufe der Zeit immer absurder wurden. Inzwischen setzen die großen Sender auf andere Formate, wobei RTL das Genre nun noch einmal neu interpretieren will und mit "Gerichtsreport Deutschland" ein ähnliches Format auf Sendung geschickt hat. Vier Wochen will man nun testen, was man damit möglicherweise reißen kann.

In der Sendung bringt RTL pro Folge gleich mehrere Fälle unter, zum Auftakt waren es drei. Sie alle basieren laut Senderangaben auf wahren Begebenheiten. Der vermeintliche Clou: Richter und Anwälte sind echt und erklären immer wieder, wieso sie handeln, wie sie handeln und welche Konsequenzen es gibt. Da erklärt eine Richterin im Anschluss an ihr Urteil schon einmal, dass die unterlegene Seite vermutlich in die nächste Instanz geht, weil es ihnen, anders als dem Gericht, eben nur um Geld und nicht um Gefühle oder moralische Fragen geht. Gleich zu Beginn der Auftaktfolge heißt es, man wolle einen Einblick in die deutsche Rechtssprechung geben. Viele Menschen hätten in der heutigen Zeit nämlich das Vertrauen in die Justiz verloren.

Ob "Gerichtsreport Deutschland" dieses Vertrauen zurückgewinnen kann, erscheint allerdings fraglich. Richter und Anwälte mögen zwar echt sein, die anderen Personen sind es aber in der Regel nicht. Und so ist es ein etwas kruder Mix aus Scripted Reality und echten Geschehnissen. Für die Zuschauer ist schwer zu durchschauen, was nun gescriptet ist und was nicht. Dass die großen Privatsender den Zuschauern in den vergangenen Jahren immer haarsträubendere Geschichten am Nachmittag aufgetischt haben, dürfte es dem Format zudem schwer machen, den Zuschauern die Authentizität glaubhaft zu machen.

Dabei werden durchaus spannende Fälle verhandelt. Eine Polizistin wurde von zwei jungen Männern beleidigt und hat diese nun angezeigt. In einem anderen Fall soll eine Frau Unterhalt für ihre Mutter zahlen, obwohl diese sie bereits kurz nach der Geburt in ein Kinderheim abgegeben hat. Und dann geht es noch um eine Mann, der in einem Vorraum einer Bank einen Schlaganfall hatte - zwei andere Personen dachten allerdings nicht an Hilfe und holten sich am Geldautomat nur Geld ab und verschwanden dann wieder.

Was ist echt? Und was nicht?

Durch die Tatsache, dass man gleich drei Fälle in einer Stunde behandelt, geht es recht kurzweilig zu, für Details bleibt eben nur begrenzt Zeit. Erst werden die Angeklagten angehört, dann die Kläger. Eventuell kommt noch ein Zeuge hinzu. Das alles dauert nur wenige Minuten, es sind Verfahren im Schnelldurchlauf. Etwas überraschend ist die Tatsache, dass man sich dafür entschieden hat, die verschiedenen Fälle nacheinander zu erzählen. Denkbar wäre es auch gewesen, zwischen den Verhandlungen hin- und herzuspringen, um die Urteile möglichst spät in der Sendung zu zeigen, damit die Zuschauer bis zum Ende dranbleiben. So ist "Gerichtsreport Deutschland" snackable Content, bei dem es nach kurzer Zeit schon um den nächsten Fall geht.

In jedem Fall ist "Gerichtsreport Deutschland" weniger krawallig als andere RTL-Formate, die in der Vergangenheit bereits um 15 Uhr liefen. Das ist dem Sender positiv anzurechnen. Auch die Absicht, den Zuschauern einen Einblick in die Abläufe der Justiz zu geben, ist gut. Die größte Schwäche der Gerichtssendung aber ist die Tatsache, dass man nie so genau weiß, was nun echt ist und was von den Autoren hinzugedichtet.

RTL testet "Gerichtsreport Deutschland" in den kommenden vier Wochen nachmittags um 15 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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