True Story © TVNow
DWDL.de-TV-Kritik

"True Story": Man muss einfach dabei gewesen sein

 

Jeder hat irgendeine Geschichte, die in geselligen Runden für viele Schenkelklopfer sorgt. Vox bringt diese Geschichten nun auf Sendung, doch so recht will der Funke bei "True Story" nicht überspringen. Es ist ein altbekanntes Problem…

von Timo Niemeier
24.09.2019 - 23:45 Uhr

Im Oktober 2017 hat Vox mit "True Story" und "Endlich kapiert?!" zwei Comedy-Formate angekündigt. Es dauerte lange, bis sie es überhaupt auf die Bildschirme schafften - und zuletzt wurde auch klar, wieso. "Endlich kapiert?!" erwies sich als äußerst zähe Versteckte-Kamera-Sendung, die von den Zuschauern mit schlechten Quoten abgestraft wurde. Jetzt hat es auch "True Story" auf die Bildschirme geschafft - und auch das Format mit Michael Mittermeier und Roland Trettl kommt nicht so recht in Fahrt. 

Inhaltlich geht es in der von Warner Bros. ITVP Deutschland produzierten Sendung um kuriose, lustig oder einfach nur unglaubliche Geschichte, die Menschen erlebt haben. Diese erzählen sie dann Mittermeier und Trettl und zwischendurch wird das Erzählte von Schauspielern nachgestellt. Das Problem von "True Story" liegt auf der Hand: Im Original war die Geschichte wahrscheinlich wirklich saukomisch, in der Nachbetrachtung geht aber einiges an Charme verloren. 

Jeder kennt das wahrscheinlich: Wenn man seinen Kumpels eine dieser berühmten Geschichten erzählt, lachen die am lautesten, die auch dabei gewesen sind. Alle anderen haben bestenfalls einen Schmunzler dafür übrig - sie waren einfach nicht dabei, um die ganze Absurdität fassen zu können. Dieses Problem hat auch "True Story". 

So sind die zwei in der ersten Ausgaben erzählten Geschichten tatsächlich kurios und ungewöhnlich, doch so recht überspringen will der Funke nicht. Der erste Gast hatte ein One-Night-Stand und sperrte sich am nächsten Morgen halbnackt aus der Wohnung seines Lovers aus - mit der bayerischen Polizei ging es dann quer durch München. Der zweite Gast pinkelte auf der Toilette seiner Schwiegereltern daneben und wischte das Malheur mit dem Slip der Mutter seiner Freundin auf, was die natürlich herausfand und ganz andere Assoziationen hatte. 

Ein Problem von "True Story" ist auch die Geschwindigkeit, mit der erzählt wird. Durch die knapp 45 Minuten Sendezeit wirken die beiden Geschichten arg in die Länge gezogen. Mittermeier und Trettl sitzen dem Gast gegenüber und fragen nach, wie es jeweils weiter ging. Sie haben die Geschichten auch noch nie gehört. Meist führt das aber dazu, dass sie nur das nachplappern, was der Gast gerade erzählt hat. Oder sie sitzen in ihren Sesseln und lachen verlegen. Sie sind eben die Freunde, denen man die verrückte Geschichte erzählt, in der Hoffnung, sie würden die auch richtig cool finden. Eigentlich ist ihnen das aber alles total unangenehm und sie fragen nur aus purer Höflichkeit nach. 

Richtig gut gemacht sind unterdessen die nachgestellten Szenen. Hier beweist man viel Liebe zum Detail und weiß mit Witz zu überzeugen. Das reicht sogar bis zu einem kurzen Cameo-Auftritt von Lilo Wanders. Keine Frage: Die nachgestellten Szenen sind das Highlight von "True Story", sie können die Kohlen aber auch nicht mehr aus dem Feuer holen. Es ist mit den Geschichten einfach so wie im echten Leben: Man muss dabei gewesen sein, um wirklich darüber lachen zu können. 

Vox zeigt noch fünf weitere Ausgaben von "True Story" immer dienstags im Anschluss an "Die Höhle der Löwen".

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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