Doom Patrol © Amazon
DWDL.de-Serienkritik

"Doom Patrol" auf Amazon: In "Deadpool"-Manier zum Erfolg

 

Ja, "Doom Patrol" ist noch eine Superheldenstory. Doch obwohl dieses Genre bereits bis zur Unkenntlichkeit ausgeschlachtet wurde, beweist die DC-Produktion, dass es noch Hoffnung auf frischen Wind gibt. Vor allem, weil sie herrlich selbstironisch ist.

von Kevin Hennings
08.10.2019 - 16:06 Uhr

Na, bereit für eine Geschichte über Superhelden? Oh ja, mit "Doom Patrol" liefert DC auf Amazon die nächsten Fernseh-Helden und damit genau das, was die Welt derzeit am meisten braucht. Dass dem nicht so ist, wissen die Macher um Showrunner Jeremy Carver wohl am besten und liefern mit einem selbstironischen Einstieg, der ähnlich klingt wie dieser, einen Meta-Lacher, den vor einiger Zeit schon "Deadpool" für sich beanspruchen konnte. Doch nicht nur in den ersten Sekunden beweist "Doom Patrol", dass man der Serie trotz des Superhelden-Themas eine Chance geben sollte. In seinem dramatischen Overflow und der einzigartigen Inszenierung von völlig kaputten Charakteren ist es vor allem eine Geschichte von Superlosern, die sich ihren Sinn des Lebens langsam zurückkämpfen müssen.

Die selbstverhöhnende Art der Serie ist dabei nicht einmal den modernen Umständen geschuldet. Bereits in den frühen 60er-Jahren wurde "Doom Patrol" als DC Original Comic vorgestellt und erfreute sich seitdem vieler gezeichneter Fortsetzungen. Unter Kennern hat sich vor allem Grant Morrisons kreativer Einfluss als der Beste erwiesen, der schließlich auch die Grundlage für diese Serie liefert, die nach eigenen Aussagen nah am Original adaptiert wurde. Jene klingt vom Aufbau her wie viele andere Heldengeschichten: Als Rennfahrer Cliff Steele (Brendan Fraser, "Die Mumie") einen verheerenden Autounfall schlicht deswegen überlebt, weil er von Dr. Niles Caulder (Timothy Dalton) wieder zusammengeflickt wird, merkt er schnell, dass etwas nicht stimmt.

Sieben Jahre sind nämlich vergangen, seitdem er den Unfall hatte. Ein Kalender in Caulders Behandlungraum verrät dieses kleine Detail, was Steele zurecht in Aufregung versetzt. Es kommt jedoch noch schlimmer: Um Steeles Leben zu retten, musste Caulder sein Gehirn in einen metallischen Körper einpflanzen. Die Welt hält ihn indes für tot. Steel ist jedoch nicht der Einzige, der vom Doktor auf komischste Art und Weise wieder zusammengeflickt wurde. Ebenfalls in der Residenz anwesend sind der komplett bandagierte Larry Trainor (Matt Bomer, "Superman"), ein ehemaliger Air-Force-Pilot, der nun als reine Energie in seinem Körper lebt, Rita Farr (April Bowlby, "Drop Dead Diva"), ein Hollywood-Star, der mit einem mutierten Körper zurechtkommen muss und Crazy Jane (Diane Guerrero, "Jane the Virgin"), eine Frau mit 64 Persönlichkeiten. Jede von ihnen hat ihr eigene Kraft. 

Es ist eine bunte Ansammlung liebenswerter Verlierer, die eigentlich nichts lieber machen würden, als sich selbst zu bemitleiden und der Welt zu entfliehen. Doch Dr. Caulder hat gänzlich andere Pläne mit ihnen und möchte eher, dass sie eine Art Misfit-Avengers bilden und die Gesellschaft vor einschlägigen Bedrohungen beschützen. Und auch wenn es zur ein oder anderen typischen Rettungsaktion kommt: "Doom Patrol" ist vor allem ein herrlich schräges Absurditäten-Kabinett, in dem sich jeder fragt, warum ausgerechnet er bei einer Superheldengeschichte mitmachen muss.

Zuschauer und Protagonisten teilen also ein düsteres Schicksal. Um jenes zu brechen wird vom ehemaligen "Supernatural"-Kreativen Carver und seinem Team alles getan, um gängige Klischees zu brechen. So sieht eine Bedrohung des Oberbösewichts beispielsweise so aus, dass ein furzender Esel für die Zerstörung einer gesamten Kleinstadt verantwortlich sein könnte. Vorhersehbar sind dadurch die wenigsten Storyverläufe in "Doom Patrol". Und das ist nicht nur der klingenden Albernheit geschuldet, sondern vor allem den smarten Auflösungen vermeintlicher Idiotien.

Die erste Staffel von "Doom Patrol" steht ab sofort bei Amazon Prime Video zum Abruf bereit.

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