Fahri sucht das Glück © ProSieben
"Fahri sucht das Glück"

Neue ProSieben-Reihe: Wenn Glück vor allem Sex bedeutet

 

Fahri Yardim begibt sich in einer neuen Reportage-Reihe bei ProSieben auf die Suche nach dem Glück. Zum Auftakt verschlug es den Schauspieler nach Tokio, leider ging es dort vor allem um eins: Sex. Dabei blieb das Glück nicht nur bei Yardim auf der Strecke…

von Timo Niemeier
04.11.2019 - 23:10 Uhr

Was ist eigentlich Glück und wie genau wird man überhaupt glücklich? Mit dieser durch und durch philosophischen Frage beschäftigt sich ab sofort ProSieben in einer neuen Reportage-Reihe. "Fahri sucht das Glück" heißt diese und begleitet Schauspieler Fahri Yardim bei einer Reise in mehrere Länder, um zu schauen, wie andere Menschen glücklich werden und was ihre Geheimnisse sind. Zum Auftakt der neuen Reihe verschlägt es Yardim nach Tokio. 

Nun ist die japanische Hauptstadt bekannt dafür, dass dort ziemlich viele Menschen leben, vor allem Singles. Nicht umsonst wird die Stadt auch gerne als "Hauptstadt der Singles" beschrieben. Doch warum ist das so und wie werden die Menschen trotzdem glücklich? Diese Frage wird in "Fahri sucht das Glück" nicht wirklich beantwortet, stattdessen gibt es eine Stunde lang einen wilden Ritt durch so ziemlich alle seltsamen Sex-Rituale der Stadt. 

Da besucht der Schauspieler aus Deutschland ein Dating-Pub, in dem man kostenlos trinken kann, bis sich eine Frau an den Tisch setzt. Ist man nicht mehr an dem oder der gegenüber interessiert, ruft man via Smartphone den Kellner, der den anderen Single wegkomplementiert. Fahri und sein Übersetzer hoffen hier, nicht auf "Schabracken" zu treffen - seelische, wohlgemerkt. Danach geht es noch in ein Love Hotel, zu einem Fetisch-Event und in ein Bondage-Studio. Außerdem trifft Yardim noch einen Toy Boy. 

Für sich genommen sind das alles recht unterhaltsame Ausflüge, doch ob man in Tokio tatsächlich nur so das Glück finden kann? Fraglich. Zugegeben: Wenn Fahri und sein Übersetzer plötzlich von den zwei Damen im Dating-Pub allein gelassen werden ("Hier zieht nicht einmal mein Schauspieler-Bonus") oder Yardim im Love Hotel nach einer kurzen Kuschel-Einheit eine sehr sanfte Backpfeife ("Ne ordentliche Kiez-Klatsche in die Fresse") bekommt, kann man das gut gucken. Aber ein etwas breiterer Blick auf das Thema Glück hätte der Sendung gut getan. So wirkt "Fahri sucht das Glück" vor allem wie das TV gewordene Klischee einer deutschen Redaktion, die sich wohl genau so - und auf keinen Fall anders - das Leben in Tokio vorstellt. 

Fahri sucht das GlückNach der (kostenpflichtigen) Kuschel-Einheit gab's noch eine Backpfeife. 

Das wird vor allem dann deutlich, als Yardim ganz am Ende eine lebensgroße Puppe erhält und mit ihr ins Hotelzimmer geht. Solche, für Europäer wohl eher ungewohnten Dinge, kommen in Japan häufiger vor. Doch warum ist das so? Auch diese Frage wird nicht beantwortet. Stattdessen redet der Schauspieler mit der Puppe und tut so, als würde sie ihn unsittlich berühren. Besonders stark ist das Format immer dann, wenn Yardim nicht herumalbert und etwa beispielsweise darüber spricht, was ihn selbst in seiner Kindheit geprägt hat. Dass er Vertrauen verloren hat, weil er ein Trennungskind ist. Das sind intime Einblicke, die die Produktion von Bon Voyage Films, an der Yardim beteiligt ist, gibt. 

"Überreizung macht nicht glücklich", fasst er am Ende seinen Tokio-Besuch zusammen. Es fehle der Stadt das "wahrhaftige", es fühle sich alles wie eine Flucht vor der Realität an. Und ein wenig ist es auch mit der Sendung so: Es ging quasi die ganze Zeit nur um Sex, als wäre das die einzige Möglichkeit, um glücklich zu werden. Es wäre schon viel geholfen, wenn man sich in den kommenden Ausgaben auch anderen Bereichen des Lebens öffnen und sich nicht nur auf ein Thema versteifen würde. Auch die Stationen selbst waren zu viele. Schickt Yardim nicht an zehn verschiedene Orte, sondern nur an zwei oder drei, wo er einen etwas tieferen Einblick geben kann. Vor Ort gibt Yardim nämlich meist eine gute Figur. Trotz einiger unbeholfener Momente verliert er nie seinen hanseatischen Witz, der auch manchmal etwas derbe ist. Aber das ist ja spätestens seit "Jerks" bekannt. 

Das Fazit: In der ersten Ausgabe konnte Fahri Yardim noch nicht das Glück finden - das blieb auch den Zuschauern vorerst verwehrt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Schließlich findet man Glück meist nicht von heute auf morgen, das ist ein langer Prozess. Aus Zuschauersicht kann man nur hoffen, dass die neue Reportage-Reihe schneller glücklich macht. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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