Dr. Dago - Held der Kinderklinik © RTLzwei
DWDL.de-TV-Kritik

"Dr. Dago" bei RTLzwei: Der Held ist nicht die Puppe

 

Eine Puppe im Arztgewand ist der Star einer neuen Doku-Reihe, die neuerdings bei RTLzwei zu sehen ist. Doch "Dr. Dago", so der titelgebende Name, ist nicht der eigentliche Held: Es sind die Kinder in der Klinik, die einen beeindruckenden Lebensmut an den Tag legen.

von Alexander Krei
20.11.2019 - 21:15 Uhr

Krankenhausaufenthalte sind selten schön – erst recht nicht für kleine Patienten wie jene in der größten Kinderklinik Hamburgs. Wie gut, dass es "Dr. Dago" gibt. Er ist so etwas wie Freund, Aufpasser und Trostspender in einem. Vor allem aber ist "Dr. Dago" eine Puppe in Gestalt eines Arztes. Die Besonderheit: In ihrem Stethoskop wurde eine Kamera versteckt, die den Zuschauern einen möglichst persönlichen und unverstellten Eindruck des Klinikalltags bieten soll.

Es ist eine süße Idee, die ihren Ursprung im belgischen Fernsehen hat und jetzt von RTLzwei und der Produktionsfirma 99pro für den deutschen Markt adaptiert wurde. Erstaunlicherweise steht "Dr. Dago" allerdings gar nicht so sehr im Mittelpunkt, wie man das hätte vermuten können. Vielmehr dient der Puppen-Doktor als Ausgangspunkt für die herzzerreißenden Geschichten der tapferen Kinder, deren Lebensmut wahrlich beeindruckend ist. 


So wie im Falle des kleinen Amanuel, der nach einer Blutvergiftung beide Unterschenkel amputiert bekam und nun auf Prothesen angewiesen ist. Doch anstelle den Kopf hängen zu lassen, sieht man, wie er mit einem breiten Lachen durch sein Krankenzimmer rennt. Ihr Sohn soll nicht betätschelt werden, erzählt seine Mutter später und macht Hoffnung, dass man auch mit Prothesen alles machen kann.

Die Dokumentation zeigt aber nicht nur den Optimismus der Eltern, sondern auch ihre Tränen, wenn sich Amanuel im Operationssaal befindet. Auch dort sind die Kameras übrigens dabei – in ausreichender Distanz. Nach dem Aufwachen trifft der Sechsjährige schließlich wieder auf Dr. Dago, der ihm im Bett stumm gegenübersitzt. "Er sagt nix, er ist bestimmt noch müde", sagt Amanuel.

Auch die kleine Maria, die mit einem übergroßen Muttermal zur Welt kam und nun zur Hautkrebsuntersuchung muss, fasst schnell Vertrauen. Noch müde von der Betäubung, greift sie nach der Hand der Puppe – ein bewegender Moment. Zuvor beeindruckt sie schon mit der Art und Weise, wie sie über ihre Krankheit spricht. Ihre Besonderheit sei toll, erzählt Maria und sagt dann einen Satz wie aus einem Drehbuch: "Ich weiß nicht, wieso ich es habe, aber ich mag es."

Die Szenen, in denen die kleinen Patienten mit Dr. Dago sprechen, nehmen allerdings keineswegs überhand. Stattdessen fängt oft eine weitere Kamera das Klinikgeschehen ein. Dadurch kommt das Format trotz des Puppen-Doktors über weite Strecken hinweg nicht so außergewöhnlich her, wie man das hätte vermuten können. Vielmehr handelt es sich um eine gut gemachte, aber doch recht klassische Doku, die mit viel Einfühlungsvermögen erzählt und dank des positiven Ansatzes einen guten Kontrast zu den Einzelschicksalen bildet. Das ist berührend und dürfte vor dem Fernseher niemanden kalt lassen.

RTLzwei zeigt "Dr. Dago - Held der Kinderklinik" mittwochs um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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