Tellertausch © SWR/Fernsehmacher/Gunnar Nicolaus
DWDL.de-TV-Kritik

"Tellertausch" mit Lafer: Viele Köche veredeln den Brei

 

In der neuen Sendung "Tellertausch" von NDR und SWR haben die Köche nicht selbst in der Hand, ob ihr Gericht auch wirklich gut wird. Das ist oft chaotisch und lustig, liegt aber auch an Moderator Johann Lafer, der schon mal das Lamm im Kühlschrank vergisst.

von Timo Niemeier
21.12.2019 - 15:00 Uhr

Es ist ja nicht so, als würde im deutschen Fernsehen im Jahr 2019 nicht genug gekocht werden. Von daher ist es nur allzu verständlich, dass Menschen mit den Augen rollen, wenn sie hören, dass es bald eine neue Kochshow gibt. Im Falle des neuen "Tellertausch" von NDR und SWR gibt es aber keinen Grund zum Augenrollen. Die Macher haben nämlich mit erstaunlich wenig Kniffen eine sehr unterhaltsame Kochsendung produziert, die sich deutlich abhebt von den üblichen Verdächtigen. 

Beim "Tellertausch" geht es für vier Köche zwar auch erst einmal darum, ein möglichst leckeres Gericht zu kochen, das wird aber durch die Tatsache erschwert, dass die Köche während der Sendung immer wieder ihre Kochstellen (und damit auch die Gerichte) wechseln müssen. Und so wird aus einem geplanten Apfel-Ziegenkäse-Burger plötzlich ein Salat in Zwiebelsuppe. Das kleine Gimmick des Tellertauschs sorgt dafür, dass man schnell den Überblick verliert, wo nun eigentlich was gekocht wird, aber das ist gar nicht schlimm. Dieses Chaos macht einen großen Teil des Charmes der Sendung aus und es kommt auch immer wieder zu lustigen Szenen, wenn die Profiköche ratlos vor den Ergebnissen ihrer Kollegen stehen. 

Die Verwirrung ist schon ganz zu Anfang groß, als Nelson Müller, Ali Güngörmüs, Cornelia Poletto und Caroline Autenrieth in ihre jeweilige Küche gehen und dabei auf völlig unterschiedliche Lebensmittel treffen. Während die eine vegetarisch kochen soll, stehen den anderen Lamm, Fisch und Geflügel zur Verfügung. Da hat Johann Lafer auch kurz den Überblick verloren und erklärt kurzerhand Polettos Küche zur vegetarischen, bis diese wenig später ein großes Stück Lamm im Kühlschrank findet. 

"Wenn meine Tante mein Onkel wäre, wäre es was anderes."
Johann Lafer

"Und wo sind meine Brüste?", schreit Güngörmüs irgendwann lautstark durch das Studio, als er in der Geflügelküche landet, aber die Wachtelbrüste nicht finden kann. Und als der Profikoch irgendwann damit beginnt zu erklären, was er aus den Zutaten alles hätte machen können, wären sie zuvor nicht so verhunzt worden, grätscht Lafer dazwischen und sagt: "Wenn meine Tante mein Onkel wäre, wäre es was anderes."

Die neumodischen Küchen scheinen übrigens noch nicht allen Profiköchen geläufig zu sein. Als Lafer feststellt, dass der Ofen, in dem das Lamm liegt, gar nicht eingeschaltet ist, wird die Not groß. Da beschließt Nelson Müller kurzerhand einen Strategiewechsel, greift sich die Lammkeule und wirft sie lieblos in die Fritteuse. "Da müssen wir den Ali fragen, ob die Türken das auch so machen", kommentiert Lafer die Szene. Doch es war genau dieser Nelson Müller, der den Ofen zwar auf 180 Grad stellte, ihn aber nicht einschaltete. Und so musste er, nach einer Zwischenstation in einer anderen Küche, das ausbaden, was er sich selbst eingebrockt hatte. Etwas lernen, wie von Lafer zu Beginn der Sendung versprochen, können die Zuschauer beim "Tellertausch" wohl nicht sonderlich viel. Und dennoch macht es Spaß, dem Chaos beizuwohnen. 

Nelson Müller und sein Tretroller

Sehr sehenswert, weil nicht alltäglich, ist grundsätzlich der Auftritt von Nelson Müller, der mit einer Art Tretroller antritt, auf dem er sein Bein ablegt. Das sei nicht eine neue Küchenmaschine, scherzt Lafer über das sperrige Gefährt. Und trotzdem war Müller darauf angewiesen, weil er sich zuvor das Fersenbein gebrochen hatte. Als Müller beim Transport eines Küchengeräts eben dieses auf den Boden gefallen ist, erlaubte ihm Lafer sogar Hilfe aus dem Publikum - die dann aber kurz darauf so schnell wieder verschwand wie sie gekommen war. 

Tatsächlich hat die Produktionsfirma Fernsehmacher hier eine sehr kurzweilige und lustige Kochshow geschaffen, bei der es weniger um das fertige Gericht, sondern um den Weg dahin und das Zusammenspiel der Köche geht. Am Ende stehen die vier Köche gespannt zusammen und essen, während sie auf die Bewertung warten, Pitabrot, das zuvor eigentlich mal ein Nudelteig war. 

... und dann kommt Marcel Reif

Und ja, dann kommt auch noch die Bewertung. Die ist ganz speziell, weil in den vier Ausgaben, die mit Profi-Köchen aufgezeichnet wurden, wahlweise Marcel Reif oder Judith Rakers die Gerichte bewerten. Das ist durchaus erstaunlich: Auch nach einem intensiven Studium der Wikipedia-Einträge der beiden Juroren lässt sich keine Qualifikation für diesen Posten erkennen. Das kann man kritisieren, vielleicht ist es aber auch einfach nur sehr konsequent und das i-Tüpfelchen auf diese Chaos-gewordene Sendung. Und so sitzt Marcel Reif am Ende einer Sendung beim "Tellertausch" vor vier verdeckten Gerichten und weiß vermutlich nicht einmal selbst so genau warum. 

Mit "Tellertausch" haben SWR und NDR einen schönen Mix gefunden aus Wettbewerb und Chaos-Veranstaltung. Lafer moderiert die ganze Sache mit einer nötigen Gelassenheit und Witz, spielt sich die Bälle mit den Profiköchen aber auch immer sehr gut zu - die wissen schließlich wie es läuft. Fraglich ist, wie die Folgen werden, bei denen Hobbyköche gegeneinander antreten. Hier moderiert auch Lafer, Poletto bewertet schließlich die Gerichte. Gut möglich aber, dass bei diesen Ausgaben, die man Anfang 2020 zeigt, die Lockerheit fehlen wird. Bis dahin zeigt man aber erst einmal die sehr sehenswerten Ausgaben mit den Profiköchen. 

"Tellertausch" ist ab sofort in der ARD Mediathek verfügbar. Ab dem 21. Dezember zeigt der NDR die Folgen auch immer samstags ab 17:15 Uhr, eine Woche später beginnt auch der SWR mit einer Ausstrahlung auf diesem Sendeplatz. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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