Avenue 5 © HBO / Sky
DWDL.de-Serienkritik

"Avenue 5" bei Sky: Mit dem Traumschiff durch die Galaxis

 

Aus dem Doktor wird ein Kapitän: In der neuen Comedy "Avenue 5" von HBO und Sky mimt Hugh Laurie einen Weltraumschiffsführer, der mit unerwarteten Turbulenzen zurechtkommen muss, während seine Passagiere weiterhin unterhalten werden wollen.

von Kevin Hennings
22.01.2020 - 16:45 Uhr

Wer dachte, dass mit einer Kombination aus Joko Winterscheidt, Florian Silbereisen und Harald Schmidt bereits das Beste aus einem "Traumschiff" geholt werden kann, hat noch nichts von "Avenue 5" gehört, der neuen, von HBO und Sky produzierten Weltraumkreuzfahrtschiffsreise von "Veep"-Schöpfer Armando Iannucci. Diese machte Hugh Laurie ("Dr. House") zu ihrem Kapitän und versah der Serie dadurch auch personell eine spannende Note. Letztlich schwebt der galaktische Nachfolger der Emmy-jagenden Vizepräsidentin zwar nicht unbedingt auf den gleichen Satirehöhen – mit den Comedyeinlagen der jetzt legendären ZDF-Schiffscrew kann "Avenue 5" aber locker mithalten, was zugegebenermaßen nicht sonderlich schwierig ist.

Die Sci-Fi-Sitcom, die Sky zunächst parallel zur US-Ausstrahlung im Originalton zum Abruf anbietet, spielt 40 Jahre in der Zukunft und folgt einem Kreuzfahrtschiff, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht nur Astronauten durch den Weltraum zu befördern. Ähnlich wie ozeangebundene Kollegen gibt es auf der Avenue 5 All-you-can-eat-Buffets und viele Unterhaltungsmöglichkeiten für die Passagiere. Hinzu kommen intime Gespräche mit dem Kapitän, der von keinem Geringeren verkörpert wird als "Dr. House"-Star Hugh Laurie. Als sich das Schiff auf einer zweimonatigen Kreuzfahrt um den Saturn befindet, kommt es nach einem kurzen, schwerkraftbedingten Missgeschick zu einer ernstzunehmenden Gefahr. Die Avenue 5 verliert nämlich ihren ursprünglichen Kurs auf die Erde und driftet nun immer weiter von ihr weg.

Dabei entsteht in erster Linie witzige Situationskomik mit verbitterten Ehepärchen und Luxuspassagieren, die trotz aller Miseren vorzüglich unterhalten werden wollen. Wer ein zweites "Veep" erhofft, sollte die Erwartungen also direkt etwas herunterschrauben oder die insgesamt 65 Episoden mit Julia Louis-Dreyfus einfach nochmal durchbingen. Denn es gibt zwar politische Hierarchien, die im Laufe der Katastrophe deutlich werden. Wirklich smart aufgeschlüsselt und inszeniert werden diese jedoch nie. Dafür liegt der Fokus von "Avenue 5" zu deutlich darauf, die schlimmsten Charakterzüge von Menschen in Notsituationen zu entblößen. Obwohl das intergalaktische Setting vielversprechend daherkommt und seicht eingestreute Schwerelosigkeitsspäßchen über die zwei-Minuten-Verzögerung zur Erde ihren Zweck erfüllen, ist nach "The Orville" nur teilweise eine weitere, amüsante Weltraumcomedy zu erahnen. Dafür scheint Iannucci zu sehr darauf konzentriert, die Geschehnisse in den Aufenthaltsräumen zu analysieren.

Dabei dauert es natürlich nicht lange, bis Kapitän Ryans Autorität in Frage gestellt wird. All diejenigen, die den emotional schwer zugänglichen "Dr. House" vor Augen haben, werden deswegen öfters ins Schmunzeln darüber kommen, mit wie vielen Unsicherheiten seine Rolle in "Avenue 5" zu kämpfen hat. Laurie beweist damit eine extreme Bandbreite seine Fähigkeiten, ähnlich wie es Bryan Cranston einst mit "Breaking Bad" tat, nachdem er durch "Malcolm Mittendrin" bereits mit seinen ulkigen Darstellungen bekannt wurde.

Schade ist, dass HBO und Sky bei "Avenue 5" dem Anschein nach etwas gieriger mit dem Budget umgegangen sind als bei anderen Produktionen. Vor allem in den Actionsequenzen wird deutlich, dass keine größere Vision verfolgt wurde oder verfolgt werden konnte und der Greenscreen teilweise in trashiger Manier missbraucht wurde. Das wiederum könnte eine zusätzliche Erklärung dafür sein, warum "Avenue 5" die Weltraumkarte so selten ausspielt.

Doch Hochglanzästhetik muss bei einer gut geschriebenen Comedy nicht an erster Stelle stehen. Eine glaubwürdige, nicht hölzern wirkende Situationskomik ist in diesem Genre so viel mehr wert. Meister in dieser Hinsicht ist neben Laurie allen voran Josh Gad als Milliardär Herman Judd, dem das Kreuzfahrtschiff gehört. In herrlich verkorkster Weise agiert er unangenehm-respektvoll mit den Gästen und kann sich nie recht entscheiden, ob er mit der "Unterschicht", zu der er lediglich Kapitän Ryan nicht zu zählen scheint, agieren soll, oder nicht.

Er ist ein Stück weit das Sinnbild für jeden Zuschauer, der letzten Endes entscheiden muss, ob er Parallelen zwischen "Avenue 5" und "Veep" ziehen möchte. Wer sich zu Ersterem entschließt, wird auf Dauer bestimmt keinen Spaß an der neuen Serie haben. Allen anderen liefert "Avenue 5" nicht nur einen schrägen Auftritt von Hugh Laurie, sondern obendrein eine "Traumschiff"-Version, die unterhaltsamer ist als jene mit Florian Silbereisen. Und zwar ganz ohne Augenzwinkern.

Die erste Staffel von "Avenue 5" ist ab sofort bei Sky zu sehen. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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