Patrick Steward als Jean-Luc Picard in Star Trek © Amazon
Serienkritik zu "Star Trek: Picard"

Wie "Star Trek" zu seinem Ursprung zurück gefunden hat

 

Schon immer wollte "Star Trek"-Gründer Gene Roddenberry mehr als nur Unterhaltung liefern. Umso gespannter warten "Star Trek"-Fans weltweit auf die neue Serie "Star Trek: Picard". Die Meinung eines Fans nach den ersten drei Folgen.

von Alexander Legge
24.01.2020 - 11:29 Uhr

Vorsicht - könnte Spoiler enthalten

Ich bin Star Trek-Fan seit ich ein kleiner Junge war und ich nehme mein Urteil direkt vorweg: Ich bin begeistert von "Star Trek: Picard" - und das obwohl "JL" so überhaupt nicht mein Lieblings-Captain in der Geschichte der Sternenflotte war. Dennoch ist "Star Trek: Picard" die würdevollste Neu-Inszenierung, die man diesem Franchise hätte geben können. Die Sternenflotte hat alles verraten für das sie einmal stand. Ihr ehemals hochdekorierter Admiral Picard ist im Ruhestand und hat sich auf das Weingut seiner Familie verkrochen (ja - das darf man so sagen).

"Star Trek: Picard" spielt in der Primay-Timeline. Daher weiß der geneigte Fan bereits, dass einige Jahre zuvor Romulus, der Heimatplanet der Romulaner, zerstört wurde und wir können uns bereits denken, welch einem Ausmaß an humanitärer Katastrophe die Föderation gegen Ende des 24. Jahrhunderts entgegenblickt. Durch die Short Treks wissen wir auch bereits, dass irgendwas auf dem Mars passiert ist. Wir erleben einen schwermütigen Jean-Luc Picard, der so gar nichts mehr von der Lebensfreude, die wir aus "The Next Generation" kannten, ausstrahlt. Picard ist ein gebrochener Mann. Ein Mann den in seinem Leben drei äußerst schwere Schickalsschläge mit sich hadern lassen. Die Assimilation durch die Borg, der Tod seiner Familie und der Tod von Commander Data - einem seiner engsten Vertrauten und Schützlinge. Picard hat Menschen im Stich gelassen und sich komplett zurückgezogen.

Die neue Amazon Prime-Serie packt die Föderation und die Sternenflotte bei ihren Schwächen und führt sie schonungslos vor. Dennoch geht es in der Geschichte nicht darum zu zeigen, dass alle großen Bündnisse fallen werden - im Gegenteil. Das ist nur der Rahmen, der gebraucht wird um die Charaktere wirken zu lassen. Es geht um Schuld, Verarbeitung der Vergangenheit und darum wie aus dieser Verarbeitung Hoffnung entsteht. Hoffnung auf große Anführer, die Menschen inspirieren um über sich hinaus zu wachsen und etwas zu bewegen.

Es geht um Moral, Ethik und Anstand. Ein Aspekt, den Patrick Stewart bei der Premiere in Berlin Ende vergangener Woche besonders hervorhob. Wenige Tage nach der Premiere auf Amazon Prime wird Stewart im politischen Sinn kein Europäer mehr sein, da das Vereinigte Königreich die EU verlassen wird. Ein Umstand, den Stewart für eine solche Veranstaltung überraschend eindeutig als "erbärmlich und beschämend" hält - und alles wegen ein paar Lügen die von schlechten Menschen verbreitet worden. Dafür gab es vom anwesenden Publikum spontane Standing Ovations und den mit Abstand lautesten Applaus des Abends. 

Standing Ovations bei der Picard-Premiere in Berlin© Sebastian Gabsch

Standing Ovations bei der Picard-Premiere in Berlin

Im Gespräch mit den Schauspielern wurde auch klar, wie stark die Katastrophen unserer Zeit die Handlung der neuen Serie beeinflussen. Hungersnöte, Fremdenfeindlichkeit, Isolationismus, "Wir-gegen-die"-Mentalität, Klimawandel. "Star Trek" ist wieder politisch. Dem kann man kritisch gegenüber stehen, denn immerhin stehen hinter "Picard" die gleichen Menschen wie hinter "Discovery". Bei der Premiere in Berlin gab Alex Kurtzman im Panel zu, dass er sich erst durch "Discovery" mit dem Feedback der Fans beschäftigt hat und verstand, was der Kern des Franchise ist.

Das sieht man "Picard" an. Der komplette Handlungsstrang ist konsistent mit der bisherigen Primary-Timeline und eine erschreckend realistische Weiterentwicklung der Ereignisse. Dabei schaffen es die Autoren in den ersten drei Folgen genügend Bezug zum bestehenden Franchise zu nehmen um Hintergründe für Neueinsteiger zu erklären ohne dabei bekennende Trekkies zu langweilen. Anders als bei "Discovery" wo eingefleischte Trekkies beim Wort "Sporenantrieb" wohl am liebsten schreiend aus dem Fenster springen wollen. "Star Trek: Picard" hält, was im Vorfeld versprochen wurde. Es ist eine eigenständige Serie über Admiral Picard, ohne "Friede-Freude-Eierkuchen"-Geschmuse mit dem TNG-Cast, mit vielen Bezügen zu Dingen, die Trekkies lieben aber trotzdem offen für jeden Neu-Einsteiger. 

"Star Trek: Picard" ist ab dem 24. Januar in Deutschland bei Amazon Prime wöchentlich mit einer neuen Folge zu sehen.

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