Die verlorene Tochter © ZDF/Mathias Bothor
DWDL.de-Serienkritik

"Die verlorene Tochter": Packendes Puzzle im Mikrokosmos

 

Ein Mädchen ist spurlos verschwunden, doch als die junge Frau zehn Jahre später zurückkehrt, hält sich die Freude in Grenzen. Was ist geschehen? Die neue ZDF-Serie "Die verlorene Tochter" erzählt eine spannende Geschichte und ist packend inszeniert.

von Alexander Krei
27.01.2020 - 15:06 Uhr

Wenn Fernsehsender eine sechsteilige Miniserie in drei Doppelfolgen ausstrahlen, dann fragt man sich häufig, wieso sie nicht gleich einen Dreiteiler daraus gemacht haben. Im Falle der neuen ZDF-Serie "Die verlorene Tochter" ist es allerdings gut, dass das ZDF trotz der Doppelpack-Programmierung die einzelnen Folgen erkennen lassen. Diese beginnen nämlich immer wieder mit den gleichen Szenen. Bei einem Fest in der Schule einer nordhessischen Kleinstadt sieht man Jugendliche feiern. Dann aber wird immer wieder eine andere Sichtweise eingenommen, sodass sich die wahre Geschichte wie ein Puzzle zusammensetzen lassen.

Das Puzzle, das Autor Christian Jeltsch und Regisseur Kai Wessel ihren Zuschauern aufgeben, handelt vom Verschwinden eines Mädchens. Von Isa von Gems (Henriette Confurius), der Nachfahrin einer Brauerei-Dynastie, fehlt plötzlich jede Spur. Was geschah, bleibt im Unklaren. Zehn Jahre lang, bis sie plötzlich wieder auftaucht. Doch herzlich ist das Wiedersehen nicht. Irgendwie ging das Leben weiter und die meisten Hinterbliebenen haben sich mit dem Verlust arrangiert. Dazu kommt, dass Isa offenkundig nicht weiß, was in besagter Nacht geschehen ist und nach Antworten sucht. Doch wem kann sie trauen?

Isas Vater Heinrich (Christian Berkel) hat gerade andere Sorgen und stellt eine große Feier zum 200-jährigen Firmenjubiläum auf die Beine, und auch ihr Bruder Philipp (Rick Okon) scheint wenig begeistert von ihrer Rückkehr zu sehen, muss er doch fürchten, seine Anteile an der Brauerei mit seiner Schwester teilen zu müssen. Mutter Sigrid (Claudia Michelsen) wiederum versucht die Familie zusammenzubringen, könnte durch eine frühere Affäre mit dem ehemaligen Kripo-Ermittler Peter Wolff (Götz Schubert) aber selbst ein Teil des Problems sein.

Die verlorene Tochter

Wolff, der im Zuge der gescheiterten Ermittlungen erst seinen Job und dann den Kampf um seine Ehe verlor, ist er als Sicherheitsmann bei der Brauerei angestellt und vom Alkohol abhängig. Dazu kommt sein Sohn Robert (Max von der Groeben), der früher mit Isa zusammen war und mit ihr die Provinz verlassen wollte. Heute lebt er mit Isas einstiger bester Freundin Jenny (Nina Gummich) zusammen, bei der das plötzliche Auftauchen somit ebenfalls nicht nur Freudensprünge auslöst. Es ist also ein auf mehreren Ebenen spannendes Familiendrama, das X Filme ("Babylon Berlin") für das ZDF produziert hat.

Sehenswert ist "Die verlorene Tochter" aber nicht nur wegen der gelungenen Erzählweise, die die Figuren keineswegs eindimensional daherkommen lässt, allen voran die der Isa von Gems. Gekonnt spielt Henriette Confurius ("Die Wölfe", "Tannbach") inmitten eines hervorragenden Ensembles eine junge Frau, die so viele Geheimnisse in sich birgt und immer wieder ihrem früheren Ich begegnet – ein gelungener Kniff, der die innere Zerrissenheit der Hauptfigur ganz wunderbar zu Tage fördert. Und es ist gewiss nicht der Einzige: Bis zum Schluss überzeugt die Miniserie mit überraschenden Handlungen in diesem Mikrokosmos, durchweg dicht und ergreifend erzählt. 

Das ZDF zeigt "Die verlorene Tochter" am Montag, Mittwoch und Donnerstag um 20:15 Uhr in Doppelfolgen. In der Mediathek stehen bereits sämtliche Folgen zum Abruf bereit.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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