Vier Hochzeiten und ein Todesfall © TVNOW / MGM Television Entertainment Inc. / Universal Television LLC.
DWDL.de-Serienkritik zum Vox-Serienstart

"Vier Hochzeiten und ein Todesfall" und ein ideales Remake

 

Nachdem der Original-Film vor 25 Jahren Premiere feierte, ist bei Vox ab sofort die Serienadaption von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" zu sehen. Die Miniserie funktioniert vor allem deshalb, weil das Original nur selten aufgegriffen wird.

von Kevin Hennings
18.03.2020 - 15:40 Uhr

Es gibt einen guten Grund, warum die meisten Rom-Coms nach zwei Stunden wieder vorbei sind. Ob sie nun so witzig wie "Natürlich blond" oder so herzzerreissend wie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" sind - nach wenigen Minuten lässt sich erahnen, wie das Ganze enden wird. Die leicht verpeilte Protagonistin bekommt am Ende den Mann ihrer Träume, der in allerletzter Sekunde seine vermeintliche Braut sitzen lässt. Zwei Stunden wurden als idealer Zeitrahmen ausgelotet, in denen die Zuschauer nur bedingt hinterfragen, welch kitschbeladene Hollywood-Story sie hier zu sehen bekommen. Paradoxerweise geht die Serienadaption von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", die nun bei Vox und TVNow zu sehen ist, einen anderen Weg - und nimmt ganze acht Stunden in Anspruch. 

Das ursprünglich für Hulu produzierte Remake von des Filmklassikers beginnt zwar mit allerlei "Fuck's" einer Person, die deutlich verschlafen hat, so wie es Hugh Grant im Original ergeht. Doch abgesehen von dieser und einigen anderen Parallelen, wie beispielsweise Liebesverkündungen unter Gewitterwolken, fühlt sich die Miniserie wie eine Produktion an, die gar nicht mitbekommen hat, dass sie eigentlich als Remake angelegt ist. Selbst die wiedererkennbaren Szenen wurden derart liebevoll umgestaltet, dass sie vor allem als kreative Hommagen wirken und nicht als einfallslose Kopie, wie es bei Remakes so oft der Fall ist.

Selbst die acht Stunden Laufzeit machen deutlich: Rom-Coms können es durchaus schaffen, dem Publikum über mehr als zwei Stunden hinweg eine perfekte Liebesgeschichte vorzugaukeln. Nicht, dass sich die insgesamt zehn Folgen von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" komplett der Klischeeschublade entziehen können. Doch beweisen die Showrunner Mindy Kaling ("The Office") und Matt Warburton ("Community"), dass eine Erzählung voller mutiger Twists geschehen kann, ohne die Romantik großartig drücken zu müssen. 

Abgesehen von Wendungen, die die Dramaturgie oben halten müssen, ist es wichtig, den richtigen Cast auszusuchen. Wichtiger als bei manch anderen Projekten. Dafür muss der Zuschauer hier zu viel Zeit mit Figuren verbringen, bei denen sich alles um Gefühle und das große L-Wort dreht. Und ja, ein Hugh Grant fehlt, genauso wie ein Rowan Atkinson ("Mr. Bean") als schrulliger Priester. Doch der Cast, allen voran Nathalie Emmanuel, hat eine süße Ausstrahlung, ohne klebrig zu wirken. Emmanuel hat vor nicht allzu langer Zeit noch in "Game of Thrones" bewiesen, wie gut sie ihre Emotionen unter Kontrolle halten kann. Nun demonstriert sie Facettenreichtum.

Sie übernimmt die Rolle von Maya, die ihr Berufsleben als Pressesekretärin eines hochrangigen New Yorker Politikers fest in der Hand hat. Dummerweise führt sie ausgerechnet mit eben jenem eine Affäre, die schlussendlich in einem Desaster endet. Um sich abzulenken, reist sie nach London, wo ihre beste Freundin zur Hochzeit geladen hat. Der Zukünftige ist ausgerechnet die Person, in die sie sich vor nicht all zu langer Zeit ordentlich verguckt hat. Das Liebeskarussell beginnt sich also zu drehen und sorgt schon alleine deshalb für einen Drehwurm, weil noch einige weitere Liebeshungrige mitaufsteigen. Mit dabei ist übrigens auch Andie MacDowell, die im Original die weibliche Hauptrolle mimte und nun in einer Gastrolle zu sehen ist. 

Der perfekte Absprung wurde schließlich nicht geschafft. Die Serienadaption geht zwar glücklicherweise länger als zwei Stunden, leider aber auch zwei Stunden zu lang. Zwischen den teilweise sehr starken Momenten entsteht zeitweise ein extremes Vakuum, das nur deswegen nicht so schlimm auffällt, weil man den Charakteren durchweg die Liebe wünscht, die sie sich ersehnen. Zu sympathisch sind selbst die Auftritte vermeintlich penetranter Nebencharaktere, die zu einem Großteil durch die schrille Synchronisation an Potenzial verloren haben. 

Eine gute Sache hat die lange Laufzeit aber in jedem Fall: Während die Liebesreise in vielen Rom-Coms immer sehr schnell abgehandelt scheint, wird hier tatsächlich um den erlösenden Kuss und den damit verbundenen Liebesbeweis, der alles ändert, gekämpft. "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" ist somit recht lang geraten, die Erlösung samt freigelassenen Schmetterlingen, die sich stundenlang im Bauch getummelt haben, fällt auf diesem Wege aber noch einmal schöner aus. 

Die Miniserie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" ist ab dem heutigen Mittwoch wöchentlich um 20:15 Uhr bei Vox zu sehen, ebenso wie in der Mediathek von TVNow.

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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