Schon seit Jahren ist Frank Rosin das wichtigste Sendergesicht von Kabel Eins. Und inzwischen ist "Rosins Restaurants" das letzte klassische Restauranttester-Format im deutschen Fernsehen. Weil aber auch der Klassiker deutliche Abnutzungserscheinungen zeigt, ist der Sender bemüht, den TV-Koch in neuen Formaten zu zeigen. "Rosins Fettkampf" war so eins, das ging 2020 mit Staffel zwei aber völlig unter. Nun folgt mit "Rosins Heldenküche - Letzte Chance Traumjob" die nächste neue Sendung. Und die passt auch besser zum Profi-Koch, weil er hier in seinem Metier ist: dem Kochen. 

Im Zentrum des Formats stehen zehn junge Menschen, die im Leben bislang noch nicht so richtig Fuß gefasst haben. Oder wie es Kabel Eins formuliert: "Sie haben keine Perspektive, Frank Rosin gibt sie ihnen." Die Teilnehmenden absolvieren ein zweimonatiges Gastro-Bootcamp und können Praktika bei Spitzengastronomen gewinnen. Der Sieger oder die Siegerin des Formats erhält schließlich eine Ausbildung bei Frank Rosin oder einem anderen Profi-Koch. Unterstützung erhält Rosin von Alexander Kumptner, The Duc Ngo und Andreu Genestra. Der Sender spricht bei den Teilnehmenden von "Menschen ohne Zukunft", was etwas drastisch formuliert und einzig und allein der Tatsache geschuldet ist, möglichst spitz zu erzählen. Das ist etwas ermüdend, weil man es aus zahlreichen anderen Formaten kennt. 

Dankenswerterweise bekommt "Rosins Heldenküche" aber früh genug die Kurve, um eben nicht das nächste "Teenager außer Kontrolle" oder "Ab ins Kloster!" zu werden. Und das liegt vor allem am TV-Koch selbst. Während Rosin als Restauranttester inzwischen nur noch gelernte Abläufe wiederholt, muss er sich im neuen Format bewegen. Und das tut er. In der Küche ist er gewohnt streng und hier kann es auch mal gerne etwas lauter werden. Abseits des Herds aber zeigt sich Rosin nahbar, verständnisvoll und empathisch. 

Rosin verlässt sich nicht nur auf Gelerntes

Das ist auch nötig, denn die Männer und Frauen, die eine Karriere in der Gastronomie anstreben, haben zum Teil eine Drogenvergangenheit oder instabile Familienverhältnisse in ihrer Kindheit erlebt. Andere wiederum sind vorbestraft und auf einzelne treffen gleich mehrere dieser Punkte zu. Da reicht es eben nicht aus, das typische Rosin-ABC auszupacken und zu hoffen, dass in der Postproduktion das Übliche geleistet wird. Frank Rosin lässt sich in seinem neuen Format auch von den Unzuverlässigkeiten der Teilnehmenden nicht aus dem Konzept bringen, bleibt ruhig und bestärkt sie in ihren Vorhaben. Das mag selbstverständlich klingen, ist es aber eben nicht, weil es mit den bisher meist gelebten TV-Gepflogenheiten des Profikochs bricht. 

An einer Stelle der ersten Ausgabe wird Frank Rosin sogar richtig emotional, dem TV-Koch schießen die Tränen in die Augen - auch so kannte man ihn bislang nicht. Das alles unterstreicht die Aussage des Kochs, bei der Sendung handele es sich um ein "Sozialprojekt". Zumindest nach Ausgabe eins kann man den Eindruck gewinnen: Das ist nicht nur eine Worthülse. Was daraus dann tatsächlich langfristig wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt. 

Manchmal gibt's doch noch Schema F

Das Authentische und Ehrliche hält die von RedSeven Entertainment produzierte Sendung aber leider nicht über die gesamte Sendezeit hinweg aufrecht. Hier und da dröhnt und donnert es im gewohnten Dokusoap-Stil aus dem Off, sodass man sich eben doch eher bei "Ab ins Kloster!" wähnt. "Es ist die letzte Chance für die Teilnehmenden", heißt es dann etwa bedeutungsschwanger. Und auch als die Kandidatinnen und Kandidaten vorgestellt werden, ist man darauf bedacht, möglichst schnell und einfach zu erklären, warum er oder sie nun eigentlich genau "gescheitert" ist. Dass es bei einem der Teilnehmer dann heißt, er sei in Pflegefamilien aufgewachsen, erweckt ein wenig den Eindruck, als würden die Macherinnen und Macher nicht wirklich wissen, dass dieses Attribut nicht unbedingt ein schlechtes sein muss. Zumal es in den Presseunterlagen des Formats heißt: "Mit seiner Pflegemutter Wiebke und ihrem Partner kocht Pascal viel gemeinsam." 

Hier ist "Rosins Heldenküche" leider etwas oberflächlich und zu sehr nach Schema F produziert. Aber gerade weil sich Frank Rosin aus seiner bekannten TV-Haut wagt, ist das Format über weite Strecken doch sehenswert. Da rücken Schnitzel, Reibeplätzchen und Fischstäbchen ein Stück weit in den Hintergrund, auch wenn es natürlich vor allem darum geht, den jungen Erwachsenen möglichst viel Wissen aus der Küche zu vermitteln. In "Rosins Heldenküche" bekommen zehn junge Menschen eine neue Chance und können sich von einer neuen Seite präsentieren - und irgendwie trifft das auch auf den TV-Koch selbst zu. 

Kabel Eins zeigt "Rosins Heldenküche - Letzte Chance Traumjob" ab sofort immer donnerstags ab 20:15 Uhr.