© Eric Bonté
Über den 14. German MIP Cocktail in Cannes

Babylon Cannes: Die Stadt der Stunde

 

Die internationale Fernsehwelt trifft sich in diesen Tagen in Cannes. Bereits zum 14. Mal fand im Rahmen der MIPCOM der German MIP Cocktail statt, erstmals gesponsort von DWDL.de. Die Themen dort: Babylon Berlin, die Disruption des TV-Geschäfts und ein neuer Unterhaltungschef.

von Thomas Lückerath , Cannes
17.10.2017 - 12:25 Uhr

2017 wird einmal rückblickend als das Jahr des Umbruchs im Fernsehgeschäft betrachtet werden. Sicher, es ist ein schon lange währender Prozess, aber in diesem Jahr ist die Disruption  für einige Marktteilnehmer keine bloße Theorie auf ermüdenden Medienkongressen sondern wirtschaftliche und strategische Realität geworden. Lange galt die eigene Diversifizierung innerhalb der beiden großen privaten Sendergruppen als passende Antwort auf neue Konkurrenten, doch inzwischen nagt die neue Medienwelt empfindlich an lange tapfer verteidigten Strukturen.

Wenn ein lange stabiler TV-Werbemarkt weiter absackt, stehen irgendwann Geschäftsmodelle in Frage. Wenn „Babylon Berlin“ bei Sky weit mehr Menschen non-linear als linear erreicht, stehen klassische Erfolgsparameter in Frage. Wenn Netzbetreiber wie Telekom und Unitymedia selber in Content investieren, stehen bisherige Wettbewerbssituationen in Frage. Das sind drei große Themen, die neben der Weinstein-Affäre und AirBerlin-Ärger einiger Messegäste, beim German MIP Cocktail am Montagabend in Cannes diskutiert wurden.

German MIP Cocktail: Pflichttermin am ersten Messetag

Bereits zum 14. Mal trafen sich zum Abschluss des ersten Tages der Fernsehmesse MIPCOM mehr als 300 geladene Gäste im C21 Beachclub beim German MIP Cocktail, bei dem erstmals auch das Medienmagazin DWDL.de als Sponsor an Bord war. Die Stimmung? Besser als die Disruption des Ferngeschäfts vermuten lässt, weil für Produzenten wie auch Konsumenten - weniger für die Sender - trifft weiterhin zu: Es ist das Golden Age of Television. Nie gab es mehr Auftraggeber für Kreative, vielfältigere Kooperationen, neue Produktionsmodelle und damit am Ende mehr Content für den Zuschauer.



Die Gästeliste des German MIP Cocktails war einmal mehr hochkarätig: Hannes Heyelmann, Regina Ziegler, Oliver Berben, Marcus Wolter, Axel Kühn, Sabine de Mardt, Christian Franckenstein, Frank Hoffmann, Jan Mojto, Marcus Ammon, Jobst Benthues, Bernd Reichart und Gabriele Walther sind nur einige der Produzenten und Senderverantwortlichen, die der Einladung gefolgt sind. Ein alter Bekannter feierte seine Premiere in neuer Rolle nach dem  Seitenwechsel von Produktion zu Sender: Uwe Schlindwein, seit 1. Oktober neuer Unterhaltungschef von Sat.1, begab sich tapfer in die Höhle der Löwen.

Neue alte Bekannte sorgen für Disruption bei Sat.1 und RTL Interactive

Es mangelt nicht an Produzenten, die mit dem ehemaligen Produktionskollegen in neuer Entscheidungverantwortung bei Sat.1 auf neue Aufträge hoffen. Weitaus unauffälliger war ein anderer Neuzugang der Branche: Jan Wachtel, seit diesem Frühjahr neuer Chef von RTL Interactive, ist mit seinen Senderkollegen nach Cannes gereist - auch ein Beleg dafür, dass die lange sehr konservativ agierende Digital-Tochter von RTL sich nicht mehr nur auf Sender-begleitende Inhalte beschränkt sondern als integriertes Medienhaus versteht und selbst Präsenz zeigt. Von ihm wird man spätestens 2018 noch viel hören, das ist sicher.

Ganz aktuelles Thema beim German MIP Cocktail war natürlich „Babylon Berlin“, das im Anschluss an den Branchentreff eine Cannes-Premiere feierte. Sowohl Sky in Form von Marcus Ammon als auch Jan Mojto, der mit seiner Beta Film einen nicht unerheblichen Teil der Finanzierung stemmte, sind hoch zufrieden mit dem Projekt. Mehr als 800.000 Zuschauer hatte die Serie am ersten Wochenende. Ammon zeigte sich am Montagabend glücklich, dass man binnen einer Woche sicher weit mehr als eine Million Zuschauer für das Prestige-Projekt verzeichnen wird.

Alle reden über "Babylon Berlin" - und das Pech der ARD

Wie eingangs erwähnt: Die non-lineare Reichweite schlägt die lineare Premiere am Freitag damit um Längen. Doch es waren bei „Babylon Berlin“ weniger die Erfolgsparameter, die am Montagabend diskutiert wurden. Eine ganze Branche rätselte viel mehr, was sich die ARD eigentlich noch von diesem Projekt erhofft: Alle Marketing-Leistung, die ganze Aufmerksamkeit und Lorbeeren für die Produktion - alles zahlt derzeit allein auf das Konto von Sky ein. Mit der merkwürdigen Begleiterscheinung, dass die ARD Sky durch mehr oder weniger journalistische Begleitung des „Babylon Berlin“-Launches viel Gratis-PR beschert.

Wie sich in einem Jahr nochmal Aufmerksamkeit für die Free-TV-Premiere generieren lassen will? Darüber wurde viel diskutiert am Montagabend unter Produzenten und Senderverantwortlichen. Doch am Ende war es einmal mehr auch einfach ein Wiedersehen vieler Bekannter der Branche und launige zwei Stunden beim Sonnenuntergang an der Cote d’Azur.

Es war bereits der 14. German MIP Cocktail, veranstaltet von der Film- und Medienstiftung NRW und dem Medienboard Berlin-Brandenburg gemeinsam mit nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen, der Entertainment Master Class, Berlin Partner für Wirtschaft & Technologie, Wirtschaftsförderung Brandenburg und German Films. Unterstützt wird der inzwischen etablierte Branchentreff von den Sponsoren Deutsche Telekom, Bavaria Studios, Brehm & v. Moers sowie erstmalig dem Medienmagazin DWDL.de.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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