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Fazit der Fernsehmesse in Cannes

MIPCOM 2017: Viele Spekulationen, wenige Impulse

 

Wenn am Donnerstag die weltgrößte Fernsehmesse endet, werden unzählige Deals gemacht sein. Übergreifende Trends waren diesmal aber kaum zu erkennen. Umso leidenschaftlicher wurde dafür spekuliert - über die künftige Rolle von Telekommunikations-Anbietern im TV-Markt und die Zukunft von ProSiebenSat.1.

von Thomas Lückerath , Cannes
18.10.2017 - 16:50 Uhr

Mit etwas Mühe lassen sich eigentlich immer spezifische Trends und Themen der zweimal jährlich in Cannes veranstalteten Fernsehmesse herausarbeiten. Die MIPCOM 2017 endet jedoch ohne maßgebliche Impulse gegeben zu haben. Der Stimmung in Cannes tat das aber keinen Abbruch, weil es weder an gemachten Deals noch an Themen in der Branche mangelt. DWDL.de fasst zusammen, was von den Tagen an der Cote d’Azur übrig bleibt.

Non-Fiction: Einige leichte Bewegungen, kein neues Trend-Genre

Stach im Frühjahr noch „The Wall“ aus den angeboteten Formaten als Favorit hervor, so war das Angebot an Fernsehideen diesmal keinesfalls kleiner, aber ohne auffälliges Highlight. Trends? Nun, weniger Adventure-Shows, weniger Castingshows, weniger Cooking. Dafür gibt es ein bisschen mehr True Crime und nach „The Wall“ weitere Gameshows mit Quiz-Element - oder umgekehrt. Einzelne Ideen haben aber durchaus Charme. Mehr dazu am Donnerstag bei der Vorstellung des DWDL.de-Schatzkästchens mit den aus DWDL.de-Sicht interessanten aber auch kuriosesten Ideen.

Risikominimierung: Das Comeback der großen, etablierten Märkte

In den vergangenen drei Jahren erlebte der Handel mit Fernsehideen eine nie gekannte Vielfalt. Auf der mitunter verzweifelten Suche nach dem nächsten Trend bzw. Erfolg guckten selbst die großen TV-Märkte auf die kleinsten Märkte. Ideen konnten plötzlich von überall her kommen. Doch nach einigen Misserfolgen teilweise auch aufgrund von noch nicht praxiserprobten Formatideen, spürt man: Die meistverkauften Formate dieses Jahres kommen entweder aus klassischen Märkten wie USA und UK - oder müssen sich zumindest dort bewiesen haben.

Fiction: UK/US und Skandis dominieren - und ein Hauch von Südkorea

Lösten vor wenigen Jahren angereiste Schauspielerinnen und Schauspieler noch automatisch Neugier aus, gibt es längst ein Überangebot neuer, vermeintlich bahnbrechender Serienprojekte. Keines generierte jedoch besonders auffälligen Buzz. Es lässt sich jedoch anmerken: UK/US und die skandinavischen Länder dominieren, dazu gibt es einen Hauch von Inspiration aus Südkorea (in Form von Adaptionen basierend auf koreanischen Stoffen), ein bisschen Dystopie und einige Versuche, Serien mit Social-Media-Komponenten auf Millenials zuzuschneiden.

ProSiebenSat.1 war das Thema der Messe - nur anders als gewünscht

Es war weniger der Produktkatalog von Red Arrow, der die ProSiebenSat.1 Media SE bei dieser MIPCOM ins Gespräch gebracht hat als die Spekulation der Branche, wie laut es in diesem Herbst knallen wird, wenn der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling die angekündigte Restrukturierung des Konzerns präsentiert. Es soll schließlich, so bereits offiziell angekündigt, spürbare Sparmaßnahmen geben. Ob der Stellenabbau auch die zahlreichen Führungsebenen von ProSiebenSat.1 treffen wird, beschäftigte in Cannes so manchen Produzenten. Das positivste Signal von ProSiebenSat,1 in Cannes: Der erste Auftritt des neuen Sat.1-Unterhaltungschefs Uwe Schlindwein.

Nach Netflix, Amazon und Co: Jetzt kommen die Telko-Unternehmen

Der ehemalige ZDF-Intendant Markus Schächter sprach einst davon, dass die deutsche Branche dazu neige, oft die falschen und unnötigen Kämpfe zu führen. Er meinte: Die Privaten und Öffentlich-Rechtlichen streiten, während das Silicon Valley auf den Markt drängt. Im Jahr 2017 wiederum reibt sich das lineare Fernsehen kollektiv an Netflix und Amazon. Doch die Ankündigung der ersten fiktionalen Eigenproduktionen von Unitymedia und Deutsche Telekom deuteten schon an, was sich auch in Cannes beobachten ließ: Die großen Telekommunikationsanbieter drängen in den Content-Markt - und machen verstärkt jenen Konkurrenz, die sie bislang verbreiteten. Eine neue Front im Wettbewerb, die bislang erstaunlich selten beleuchtet wird.

Lässt die Faszination von Global Deals mit Netflix und Amazon nach?

Seit der globalen Expansion von Netflix und Amazon Prime Video haben Distributoren von nicht-englischsprachigen Produktionen eine derzeit noch sehr prestigeträchtige Option für sich entdeckt: Serien werden außerhalb des Heimatmarktes gleich global an Netflix oder eben Amazon Prime Video verkauft. Ein solcher Deal wirkte stark, aber der zwischenzeitliche PR-Mehrwert weicht nun der Erkenntnis, dass man damit halt doch in vielen Fällen zu Gunsten einer schnell geklärten Distribution viel finanzielles Potential verschenkte. Die Phase der schnell gemachten Global Deals könnte rückblickend betrachtet eine kurze bleiben.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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