Roy Price auf der MIPTV © V. Desjardins - Image & Co
Amazon-Studios-Chef Roy Price in Cannes

"Unsere Kunden sind nicht global, sondern lokal"

 

Konkrete Zahlen nennt Amazon auch in Cannes nicht, Roy Price gab dennoch einen kleinen Einblick in die Strategie des US-Unternehmens. Dabei wurde deutlich: Für Amazon muss es nicht immer die reine Eigenproduktion sein, zudem werden lokale Inhalte immer wichtiger.

von Alexander Krei
04.04.2017 - 11:45 Uhr

Die coole Lederjacke hat Roy Price inzwischen zu seinem Markenzeichen erklärt. Und so gab sich der Mann, der für all die Inhalte von Amazon Prime Video verantwortlich ist, auch auf der MIPTV in Cannes entsprechend cool. Bevor Price am Mittwoch die Ehrenmedaille entgegennehmen wird, durfte er im Grand Auditorium schon mal eine halbe Stunde über seine Projekte sprechen – und ließ im Zuge dessen keinen Zweifel daran, dass Amazon ziemlich viel ziemlich richtig macht. Konkrete Zahlen blieb Roy Price seinen zahlreichen Zuhörern dabei allerdings schuldig.

Dass die Zeichen auf Wachstum stehen, ist allerdings unstrittig. 20 Millionen Kunden habe Amazon Prime im vorigen Jahr hinzugewonnen, hinzu kommt die Expansion von Prime Video in mehr als 200 Ländern. Damit das klappt, nimmt Amazon weiter viel Geld in die Hand. Bis zu 200 Millionen US-Dollar soll das Unternehmen alleine in die Umsetzung der Autoshow "The Grand Tour" – neben "The Man in the High Castle" der größte Amazon-Hit – investiert haben. Geld, das gut angelegt sei, wie Roy Price in Cannes zu verstehen gibt. "Das ist eine teure Show, aber es lohnt sich. Das Format ist wirklich effizient und ökonomisch."

Die Entwicklung neuer Stoffe ziele darauf ab, die Abonnentenbasis zu erweitern, betonte Price und zeigte sich offen für Zusammenarbeiten jeglicher Art. "Wir werden nicht jede einzelne der besten Shows in der Welt entwickeln", räumte er ein, "besonders wenn deren Fokus auf der Crème de la Crème liegt." Daher arbeite man auch mit Lizenzen oder Koproduktionen. "Unsere Priorität ist immer die beste Show - und was der Deal ist, ob wir sie erfunden haben und ob es sich um eine Lizenz oder eine Koproduktion handelt, ist sekundär."

Dabei geht es Amazon längst nicht nur um Stoffe, die möglichst rund um die Welt funktionieren sollen. "Wir machen zwar globale Shows, aber am Ende des Tages sind unsere Kunden nicht global, sondern lokal", betonte Price. Daher soll künftig eben auch verstärkt in lokale Inhalte investiert werden. Als Beispiel nannte er explizit die deutsche Schweighöfer-Serie "You are wanted", die bereits kurz nach ihrem Start um eine zweite Staffel verlängert wurde. In Japan produziert Amazon mittlerweile gar 20 Formate, darunter eine lokale "Bachelor"-Version.

Verständlich, dass der Mann mit der coolen Lederjacke angesichts dieser Vielzahl schon längst nicht mehr bei allen Projekten persönlich vor Ort sein kann. "Ich hoffe, dass jeder heute arbeitet", scherzte der Prime-Video-Chef, der dann auch gleich die Gelegenheit nutzte, um dem Publikum einen Vorgeschmack auf die neue Serie "Jack Ryan" zu geben, die auf Tom Clancys Romanfigur basiert. Bis die Amazon-Kunden diese zu sehen bekommen, wird jedoch noch ein Jahr vergehen – den Start stellte Price für das erste Quartal 2018 in Aussicht.

Aber auch Kino-Produktionen sollen für Amazon weiter eine Rolle spielen - wohl auch motiviert durch den jüngsten Oscar-Erfolg von "Manchester by the Sea". Der Plan, jährlich etwa 15 Filme "mit vielen Top-Filmemachern" umzusetzen, soll weiterverfolgt werden. "Unser Ziel ist es, Filme zu produzieren, die die Leute wirklich interessieren, über die sie reden und die Buzz erzeugen. Das wären perfekte Amazon-Studios-Filme", sagte Price und ergänzte lachend: "Oh, und sie gewinnen den Academy Award."

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