ProSieben bestritt im zu Ende gehenden November 79 Prozent seines Abendprogramms (20:15 Uhr bis Mitternacht) mit frischem Programm - einen so hohen Wert haben wir in einem Monat noch nie ermittelt, seit wir den Frische-Index Anfang 2012 eingeführt haben. Und die 80-Prozent-Marke wäre sogar noch übersprungen worden, wenn der Sender bei den Reality-Formaten am Donnerstagabend angesichts der miserablen Quoten nicht vorzeitig die Reißleine gezogen hätte. Das zeigt natürlich auch: Frisches Programm ist kein Garant für Erfolg, zeugt aber zumindest von Investitionen ins Programm.
Dass der Wert diesmal so ungewöhnlich hoch ausfiel, liegt auch daran, dass zuletzt häufig auch am späteren Abend Sendungen als Free-TV-Premiere liefen - etwa mit "Duell um die Geld" oder "Erkennst Du den Song? Live", dazu kamen die abendfüllenden Shows am Samstag und Sonntag. Freitags waren zudem zuletzt keine alten Filme, sondern Serien als Free-TV-Premiere zu sehen - wenn auch mit sehr bescheidenem Erfolg.
In diesem Jahr hatte sonst eher Sat.1 mit ungewöhnlich hohem Frische-Anteil auf sich aufmerksam gemacht, dort ging er nun aber erheblich auf nur noch knapp über 50 Prozent zurück. Auf Jahressicht bleibt aber ein Wachstum des Frische-Anteils um fünf Prozentpunkte. Mit RTL können aber freilich weder Sat.1 noch ProSieben mithalten: Die Kölner lagen im November bei satten 94 Prozent und damit nur knapp hinter dem ZDF, aber deutlich vor dem Ersten.
Vox, das sich in den letzten Monaten stark zurückgehalten hatte, steigerte den Frische-Anteil nun wieder um zehn Prozentpunkte auf 46 Prozent, lag aber auch damit noch unter dem Wert aus dem November 2024. Kabel Eins hielt sich unterdessen erneut vor RTLzwei auf dem vorletzten Platz im Frische-Ranking der acht großen Vollprogramme.
| FIX-Punkte November 2025 |
Vergleich zum Vormonat |
Vergleich zum November 2024 |
Jahresschnitt '25 (vs 01-11/24) |
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| ZDF | 97 von 100 | +4 | +7 | 85 (+1) |
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| RTL | 94 von 100 | +1 | +1 | 84 (+0) |
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| Das Erste | 86 von 100 | -6 | -1 | 80 (-3) |
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| ProSieben | 79 von 100 | +12 | +7 | 52 (-3) |
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| Sat.1 | 51 von 100 | -20 | -21 | 61 (+5) |
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| VOX | 46 von 100 | +10 | -5 | 37 (-6) |
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| kabel eins | 35 von 100 | -2 | +1 | 25 (+1) |
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| RTLzwei | 31 von 100 | -1 | -9 | 35 (+3) |
Frische-Index-Verlauf bis November 2025
dwdl.de/zahlenzentrale
Wie wir die Daten erheben und was sie aussagen
Wir werten Monat für Monat das Programm der acht großen Vollprogramme zwischen 20:15 Uhr und Mitternacht aus und ermitteln den Anteil an "frischem Programm", wozu wir Erstausstrahlungen und Free-TV-Premieren rechnen. Sendungen, die vorab gestreamt werden konnten, gelten hier ebenfalls als "frisches Programm". Über die Qualität des Programms sagt der Anteil der Erstausstrahlungen natürlich nicht unbedingt etwas aus, doch es ist eines von mehreren Indizien, mit welchem Aufwand ein Programm derzeit betrieben wird.
Zu beachten ist zudem: Der Frische-Index gibt einen Trend an, bildet die Situation aber nicht ganz genau ab. So gibt es beispielsweise einen systembedingten "Nachteil" für Das Erste und das ZDF: Aufgrund der Werbefreiheit müssen sie mehr eigenes Programm produzieren, um die Zeit zu füllen, während die Privatsender einen gar nicht so geringen Teil des Abends mit Werbeblöcken füllen. Eine Stunde Erstausstrahlung ohne Werbung im Ersten haben wir aber genauso gewertet wie eine Stunde Erstausstrahlung bei den Privaten mit Werbung.
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