Es ist eine neue Runde in der Übernahmeschlacht zwischen Netflix und Paramount Skydance, beide Unternehmen wollen sich bekanntlich WBD einverleiben, wobei es durchaus wichtige Unterschiede gibt. Während Netflix nur am Studio- und Streaminggeschäft von WBD interessiert ist, will Paramount den gesamten Konzern übernehmen. Weil das Management von Warner Bros. Discovery jedoch den Netflix-Deal bevorzugt, ist man bei Paramount merklich unzufrieden und wirft dem WBD-Board unter anderem vor, einen unfairen Verkaufsprozess durchgeführt zu haben.

Zuletzt war Paramount nicht mehr bereit, sein öffentliches 108-Milliarden-Dollar-Angebot finanziell aufzustocken. Kurz vor Weihnachten hatte man das Angebot nochmal mit Blick auf persönliche Finanzgarantien durch Larry Ellison nachgebessert, der Vorstand von Warner Bros. Discovery hatte es in der vergangenen Woche aber erneut als dem schon geschlossenen Netflix-Deal unterlegen eingestuft. Die Entscheidung liegt nun in den Händen der Aktionäre, die noch bis zum 21. Januar Zeit haben, das Angebot von Paramount Skydance anzunehmen. Entscheidet sich eine Mehrheit dafür, dann platzt der schon verkündete Netflix-Deal nachträglich.

An diesem Montag hat Paramount Skydance im Übernahmepoker noch einmal nachgelegt - und mittlerweile wird es eine ziemlich schmutzige Geschichte. So hat der Konzern in Person von Chairman und CEO David Ellison die WBD-Aktionäre darüber informiert, dass man das Unternehmen, das man eigentlich übernehmen will, verklagt. Dabei geht es im Kern um Informationen, die WBD den übrigen Aktionärinnen und Aktionären sowie Paramount Skydance vorenthalten soll. 

Bei Paramount kritisiert man vor allem, dass WBD nicht den Wert des Sendergeschäfts, das Netflix nicht übernehmen will, offengelegt habe. Auch zu möglichen Schuldenübertragungen würden nach Angaben von Paramount wichtige Informationen fehlen, damit die Aktionäre eine fundierte Entscheidung in der Übernahmeschlacht treffen können. Durch die Klage will man WBD nun gerichtlich zwingen lassen, die Informationen bereitzustellen. "Wir unternehmen keine dieser Maßnahmen leichtfertig. Seien Sie versichert, dass es nach wie vor unser Ziel ist, konstruktive Gespräche mit dem Vorstand von WBD zu führen, um eine Einigung zu erzielen, die im besten Interesse der WBD-Aktionäre liegt", schreibt David Ellison. 

Bei Paramount zeigt man sich erneut "perplex darüber, dass WBD nie auf unser Angebot vom 4. Dezember reagiert hat". Gleichzeitig wirft man dem Unternehmen mangelnde Transparenz vor, in diesem Zuge nennt Ellison das eigene Angebot mehrfach "überlegen" zu dem von Netflix. "WBD hat immer neue Gründe vorgebracht, um eine Transaktion mit Paramount zu vermeiden, aber was es nie gesagt hat, weil es das nicht kann, ist, dass die Netflix-Transaktion finanziell unserem tatsächlichen Angebot überlegen ist", so die Darstellung des Paramount-Chefs. 

WBD: "Zahlreiche und offensichtliche Mängel"

Doch genau hier setzt Warner Bros. Discovery (WBD) nun in ihrer Antwort auf die Ankündigung der Klage an. Zum neuesten Schritt von Paramount Skydance heißt es von WBD ziemlich trocken: "Trotz sechs Wochen und ebenso vielen Pressemitteilungen von Paramount Skydance hat das Unternehmen den Preis noch nicht erhöht und ist auch nicht auf die zahlreichen und offensichtlichen Mängel seines Angebots eingegangen." Paramount versuche stattdessen, mit einer "unbegründeten Klage" und "Angriffen auf einen Vorstand, der einen beispiellosen Shareholder Value erzielt hat, abzulenken". Trotz zahlreicher Gelegenheiten schlage Paramount Skydance weiterhin eine Transaktion vor, "die nach einstimmiger Auffassung unseres Vorstands nicht besser ist als die Fusionsvereinbarung mit Netflix."

Paramount Skydance hat unterdessen nicht nur die oben erwähnte Klage gegen WBD angekündigt, sondern will auch die später im Jahr anstehende Hauptversammlung des Konkurrenten torpedieren. Aus dem Brief von David Ellison an die WBD-Aktionäre geht hervor, dass Paramount für die Hauptversammlung eine Reihe von eigenen Personalvorschlägen für das WBD-Management machen wird. Diese Personen sollen dann, sollten sie gewählt werden, auf Verhandlungen mit Paramount hinwirken. Darüber hinaus wird Paramount eine Änderung der Satzung von WBD vorschlagen, wonach jede Abspaltung von Global Networks der Zustimmung der WBD-Aktionäre bedarf. 

"Wir sind entschlossen, unser Übernahmeangebot durchzuziehen", sagt David Ellison. In einigen Tagen, am 21. Januar, könnte schon sehr viel klarer sein, welche Möglichkeiten Paramount dazu hat. Sammelt man tatsächlich viele WBD-Aktien ein, könnte das Bewegung in die Übernahmeschlacht bringen. Bis dahin wird das Säbelrasseln wohl weitergehen - und WBD wird vom geplanten Deal mit Netflix nicht abweichen.