Ulrike Demmer © RBB/Gundula Krause Ulrike Demmer
Kurz vor Weihnachten hat der RBB Entwarnung gegeben: "Wir haben die Liquidität des Senders für 2026 gesichert", verkündete Intendantin Ulrike Demmer damals. Und das war ein großer Erfolg. In einer Kraftanstrengung hat die öffentlich-rechtliche Anstalt zuvor um Reformen innerhalb des Hauses gerungen. Etliche Stellen wurden im Zuge dessen abgebaut, betriebsbedingte Kündigungen konnte man aber verhindern. Für 2026 hat man nun also wieder etwas Luft, nachdem sich die finanzielle Situation zuletzt zugespitzt hatte. 

Doch der Reformprozess im RBB ist weiter voll im Gang. Nun hat der Sender die Leitungsstellen für die sogenannte zweite Führungsebene ausgeschrieben. Das ist der Bereich an Führungspersonen, der direkt unter der Intendantin und den beiden Direktionen angesiedelt ist, dazu zählt auch die Stelle des Chefredakteurs bzw. der Chefredakteurin. Schon bekannt war, dass der RBB die Zahl Hauptabteilungsleiter noch einmal von 12 auf 6 halbiert. Die Zahl der außertariflich beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reduziert sich dadurch weiter. Über Tarif bezahlt werden perspektivisch nur noch die Intendantin, die Direktoren und eben die sechs nun ausgeschriebenen Führungspositionen. Schon in den zurückliegenden Jahren hatte der RBB die Anzahl der außertariflich bezahlten Leitungspositionen unterhalb der Geschäftsleitung von 25 auf 12 reduziert. 

Durch die öffentliche Ausschreibung ist nun auch klar, wie sich der RBB künftig in der zweiten Führungsebene aufstellen wird. So entfallen beispielsweise die verschiedenen Contentboxen, die es bislang noch gibt. Auch die Bereiche Personal und Finanzen haben künftig keinen getrennten Hauptabteilungsleiter mehr.

"Die neue Struktur verbessert die Rahmenbedingungen für die journalistische Arbeit im rbb. Sie schafft Zeit und Ressourcen für Recherche und gibt Kolleginnen und Kollegen im rbb die Möglichkeit, ihre journalistische Expertise fortlaufend zu vertiefen", sagt Intendantin Ulrike Demmer im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. Geplant ist die Einführung von crossmedial über alle Ausspielwege hinweg arbeitende "Themen-Teams". Demmer weiter: "Grundsätzlich sieht die neue Struktur mehr Eigenverantwortung für die Teams vor - auf Basis gemeinsamer Ziele, klarer Regeln und journalistischer Standards. Sie ermöglicht schnellere Entscheidungen, höhere Flexibilität und Innovationen." 

Die genaue Aufstellung der sechs Führungsbereiche sieht so aus (Beschreibung der Stellen durch den RBB): 

  • Leitung Programmentwicklung & Innovation: Verantwortet den Prozess zur Gestaltung des künftigen Programmportfolios des RBB, treibt Innovationen in Formaten, Ausspielwegen und Technologien voran und verantwortet das strategische Portfoliomanagement.

  • Programm-Manager:in: Sichert die organisatorische Grundlage für ein starkes, adaptives Programm, übersetzt Strategie in wirksame Prozesse und vernetzt journalistische Fachteams.   

  • Chefredakteur:in: Verantwortet als "erste/r Journalist*in" die publizistische Linie, journalistische Qualität und die strategische Themenplanung des rbb.  

  • Leitung Technologie & Infrastruktur: Verantwortet Betrieb und Weiterentwicklung der technischen Systeme und Gebäude sowie die technologische Strategie des RBB. 

  • Leitung Ressourcenplanung: Plant und steuert Personal-, Finanz- und Sachmittelressourcen strategisch und schafft ein zentrales Ressourcenmonitoring. 
      
  • Leitung Operatives Geschäft: Übersetzt strategische Entscheidungen in effiziente Produktions- und Serviceprozesse, gewährleistet wirtschaftliche Abläufe und entwickelt die Produktionsketten des täglichen Betriebs weiter.  

Siebte Leitungsfunktion nur vorübergehend

Die Leitungsfunktionen werden zunächst für zwei Jahre befristet vergeben. Bis zum Abschluss der Umbaumaßnahmen im Haus wird es zusätzlich zu den sechs genannten Leitungspositionen auch noch die nun ebenfalls neu ausgeschriebene Rolle der Leitung Immobilienstrategie geben. Diese Stelle ist bis zunächst 2032 angelegt, die verbleibenden Aufgaben sollen ab dann von der Leitung Technologie & Infrastruktur verantwortet werden. 

Drei der neuen Führungsrollen werden der Verwaltungs- Produktions- und Betriebsdirektorin zugeordnet, ebenso wie die temporäre Rolle der Leitung der Immobilienstrategie, drei weitere dem Programmdirektor. Die Programmdirektion wird seit wenigen Monaten von Robert Skuppin verantwortet, Verwaltungs- Produktions- und Betriebsdirektorin ist Nicole Küchler-Stahn. 

Darüber hinaus gibt es weitere Änderungen: Die Stelle des Justiziars bzw. der Justiziarin wird ebenfalls neu ausgeschrieben, sie wird aber schlicht neu besetzt. Sie gab es auch jetzt schon. Das Justiziariat bleibt auch künftig als Stabsstelle an die Intendanz angesiedelt. Perspektivisch sollen auch die Bereiche Marketing & PR sowie Presse & Information zusammengelegt werden, in der aktuellen Ausschreibung ist die Führungsstelle für diesen Bereich aber noch nicht enthalten. 

Alle nun ausgeschriebenen Stellen sollen zum 1. April neu besetzt werden. Dann dürfte auch das große Provisorium, das aktuell noch herrscht, enden. Viele Leitungsstellen in den bisherigen Hauptabteilungen wurden zuletzt nur noch kommissarisch besetzt, nachdem Verträge ausgelaufen waren (DWDL.de berichtete). Kommissarische Chefredakteurin ist aktuell beispielsweise Stephanie Pieper, die von David Biesinger übernommen hatte, der kommissarisch den Bereich Programmressourcen leitet. Beide müssten sich nun neu bewerben, wenn sie ihren Job behalten wollen. 

Einsparungen erst ab Ende 2030?

Wenn klar ist, welche Personen die Stellen besetzen, sollen diese nach RBB-Angaben unmittelbar mit der "Ausarbeitung neuer Prozesse und Strukturen beauftragt" werden. Dies werde unter Beteiligung der Mitarbeitenden und der Wahrung der Rechte der Mitarbeitenden-Vertretungen und Gremien geschehen, heißt es vom Sender gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de. 

Der RBB hatte die Ausschreibung der Positionen eigentlich schon für den zurückliegenden Herbst angekündigt, aufgrund der Vielzahl an Reformen, die man im Haus stemmen muss, wurde es nun etwas später. Durch die Bündelung und Vereinheitlichung der Führungsaufgaben werde man schlanker und könne Entscheidungen "schneller und besser abgestimmt" treffen, so ein RBB-Sprecher jetzt. 

Und auch die Kosten sollen sinken, auch wenn man den Umbau nicht in erster Linie als Sparprogramm verstanden wissen will. Der RBB rechnet damit, dass Einspareffekte durch die Reduzierung der Führungspositionen ab Ende 2030 eintreten können. Die bisherigen Leitungsstrukturen will man bis zum Jahreswechsel 2026/27 vollständig ersetzen.  Wieso die zu erwartenden Einsparungen dann erst mehr als drei Jahre später eintreten? Hintergrund sind offenbar Vorgaben, die das deutsche Arbeitsrecht macht. Das heißt konkret: Die bisherigen Hauptabteilungsleiter haben künftig andere Jobs im RBB und einige von Ihnen tragen dann auch nicht mehr so viel Verantwortung wie bislang - wenn sie jedoch eine gewisse Zeit in der aktuellen Position gearbeitet haben, genießen sie einen Anspruch auf gleiche Bezahlung. Erst mit ihrem Ausscheiden aus dem Unternehmen verringern sich dementsprechend die Kosten für den Sender. 

Leitungspositionen der Landesangebote weiter offen

Trotz der weiter voranschreitenden Strukturreform klafft an einer anderen Stelle ein großes Loch. Neben der Neuordnung der Hauptabteilungen muss man sich beim RBB auch mit den Leitungspositionen für die Landesangebote für Berlin und Brandenburg beschäftigen. Sie sind im RBB-Staatsvertrag, der seit Anfang 2024 in Kraft ist, vorgeschrieben. Der RBB hatte zunächst versucht, dagegen vorzugehen - scheiterte damit jedoch vor dem Bundesverfassungsgericht. Ulrike Demmer kündigte zuletzt an, dass man sich der Sache nach der Wahl des Programmdirektors annehmen wolle. 

Robert Skuppin ist seit Anfang Oktober Programmdirektor des RBB, doch in Sachen Landesprogrammleitung gibt es nach wie vor keine Bewegung. Die Posten waren von der Politik geschaffen worden - allen voran auf Drängen von Brandenburg, wo man sich im Programm noch immer nicht genug repräsentiert fühlt. Kurz vor Weihnachten ermahnte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) den RBB und Ulrike Demmer per Brief erneut zu mehr Brandenburg-Berichterstattung. Woidke forderte damals auch eine "zügige" Besetzung der Führungspositionen für die Landesangebote. 

Und auch wenn der RBB große Teile des neuen Staatsvertrags schon umgesetzt hat: Dass man sich mit der Umsetzung dieses Punkts vergleichsweise lange Zeit lässt, kommt in Brandenburg überhaupt nicht gut an. Andererseits: Durch den Bruch der Koalition zwischen SPD und BSW hat man dort zur Zeit möglicherweise andere Probleme. Der RBB wäre aber wohl gut beraten, in nächster Zeit ein Zeichen des Fortschritts in dieser Angelegenheit zu senden. Ansonsten macht man sich erneut zur Zielscheibe der Politik, die den Sender auch heute schon auf dem Kieker hat. 

Von DWDL.de auf diese Leitungspositionen angesprochen, heißt es vom RBB, dass man nicht einfach nur Titel vergeben wolle, sondern den Leitern der Landesangebote einen Platz im Haus geben wolle, "an dem sie dem Programm und dessen Weiterentwicklung dauerhaft von Nutzen sind". Im Rahmen der Neustrukturierung, die man mit der Ausschreibung der Stellen jetzt angeht, entscheide man auch über die "inhaltliche Verortung und Besetzung der beiden im Staatsvertrag geforderten Positionen". Mit den Ausschreibungen der zweiten Führungsebene habe man einen entscheidenden ersten Schritt gemacht. Der RBB-Sprecher weiter: "Die nächsten Schritte folgen jetzt - und zwar zeitnah."