Mehr als 300 geladenen Gästen gab Netflix am Mittwochabend in Berlin einen Ausblick auf kommende Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum. „2026 wird unser bisher ambitioniertestes Jahr – mit so vielen und so unterschiedlichen deutschsprachigen Serien, Filmen und Nonfiction wie nie zuvor“, versprach Katja Hofem, Netflix Vice President Content DACH. Sie sieht die Präsentation als Beweis für „starke, lokale Geschichten, umgesetzt auf internationalem Top-Niveau.“ Und fügt hinzu: "We are here to stay."

Auffällig ist in der Tat das sehr breit aufgestellte  Programmangebot, in dem Serien, Filme, Dokumentationen und Reality gleichermaßen eine Rolle spielen. Es spiegelt die Evolution der vergangenen Jahre in denen auch Netflix, auf Kosten allzu gewagter Experimente, das Publikum in seiner Breite entdeckt hat. „Elevate the mainstream“ ist die seit einigen Jahren sichtbare Maxime, deren Umsetzung mitunter aber länger dauert als gedacht. Fünf der 17 am Mittwochabend von Netflix in Aussicht gestellten Projekte wurden schon bei der letztjährigen Programmvorschau angekündigt. 

Darunter beispielsweise „Unfamiliar“ (einst unter dem Arbeitstitel „Bone Palace“). Die sehr gelungene Serie aus dem Hause Gaumont startet aber nun kommende Woche Donnerstag, den 5. Februar. Ende des Monats folgt dann die ebenso vor einem Jahr schon in Aussicht gestellte Comedyserie „Kacken an der Havel“ von Warner Bros. ITVP. Der deutsche Serien-Fahrplan 2026 sieht am 28. Mai den Start der zweiten Staffel von „Achtsam Morden“ (Constantin Film) vor. Für Ende des Jahres kündigte Netflix kürzlich bereits die dritte Staffel der „Kaiserin“ an, die Sommerhaus Serien produziert.

Achtsam Morden 2 © Netflix Netflix-Serienchefin Eva van Leeuwen und Moderatorin Jenny Augusta mit Tom Schilling und Peter Jordan

Als Projekt bereits angekündigt, aber weiterhin noch ohne Startdatum ist die Workplace-Dramedy „Love & Chaos“, produziert von der btf sowie die zweite Staffel von „Crooks“ aus dem Hause Wiedemann & Berg Television, wo es mit der Story diesmal nach Bangkok geht. Für „Die Falle“, das neue Serienprojekt des preisgekrönten „Liebes Kind“-Teams bei Constantin Film, ist immerhin ein Start im Jahr 2026 in Aussicht gestellt. Damit sind nach eher überschaubarem Serien-Output im vergangenen Jahr wieder mehr serielle Netflix-Projekte in der Pipeline. 

Da diese jedoch im Laufe des Jahres schon kommuniziert wurden, gab es am Mittwochabend in Berlin zwar einige Daten und viele erste Eindrücke dieser Projekte zu sehen, aber fast keine, nicht schon bekannte Serien-Ankündigung im Fiktionalen. Fast keine? Doch, „Achtsam Morden“ wird um eine dritte Staffel verlängert. Vor Ort waren Tom Schilling und Peter Jordan um über die Serie zu sprechen. Herausragend war 2025 für Netflix aber auf jeden Fall im Bereich Filme (DWDL.de berichtete) - und da bleibt man dran. 

23000 Leben © Netflix "23.000 Leben": Louis Hofmann, Mala Emde und Katharina Stark

Mala Emde, Katharina Stark und Louis Hofmann stellten in Berlin ihr gleichermaßen relevantes wie emotionales Filmprojekt „23.000 Leben“ vor. Der Film wird produziert von Neue Flimmer GmbH und Sunnysideup Film GmbH in Zusammenarbeit mit Lazy Film. Das Drehbuch kommt von Oliver Ziegenbalg in Zusammenarbeit mit Michele Cinque. Inspiriert von der wahren Geschichte von „Jugend Rettet” erzählt der Film von einer Gruppe Jugendlicher, die nicht länger tatenlos zusehen will, wie Menschen auf ihrer Flucht nach Europa im Mittelmeer sterben. Der Trailer erhielt den lautesten Applaus des Abend.

Schon bekannt sind die Filmkomödien „Eat Pray Bark - Therapie auf 4 Pfoten“ (Olga Film), das mit dem 1. April ein Startdatum bekam sowie „Das Geschenk“ (UFA Fiction) und „Mein bester Freund, seine Freundin & ich“ (Wiedemann & Berg Film), zu denen es am Mittwoch jedoch noch keine konkretere Angabe als „Bald auf Netflix“ gab. Beide sollen aber 2026 kommen. Eine erwartbare News kam aus dem Reality-Genre: Hier folgt in Kürze der Drehstart der dritten Staffel von „Love is blind: Germany“ (Redseven Entertainment). Und „Too Hot to Handle 3“, produziert von Seapoint Productions, wird wie schon angekündigt eine „Couple Edition“.

Jana Ina und Giovanni Zarrella © Netflix Neu bei Netflix: Jana Ina und Giovanni Zarrella

Überraschungsgäste des Abends in Berlin waren Jana Ina und Giovanni Zarrella. Sie bekommen eine eigene Docu-Follow-Series, wandeln sozusagen auf den Spuren von „Kaulitz & Kaulitz“. Produziert wird diese von Leonine Documentaries, einem Label von i&u Studios. Die Zarrellas gewähren laut Netflix „einen intimen Einblick in ihr Leben zwischen glamourösem Showbusiness und bodenständigem Familienalltag. Als eines der beliebtesten Promi-Paare Deutschlands vereinen sie erfolgreiche Karrieren mit den Herausforderungen eines deutsch-italienisch-brasilianischen Familienlebens – zwischen öffentlichem Erwartungsdruck und familiären Verpflichtungen.“ Und gaben davon in Berlin schon einen Vorgeschmack.

Außerdem ist, wie schon vor einem Jahr, eine Doku-Serie über Shirin David angekündigt, die ebenfalls von Leonine Documentaries produziert wird. Regisseur und Autor ist interessanterweise Michael Schmitt, der für Constantin Entertainment auch bei „Kaulitz & Kaulitz“ Regie geführt hat. Dessen dritte Staffel wird wieder im Sommer kommen. Jubel im Saal. Ebenso auf Wiedervorlage, weil letztes Jahr schon mit ihm vor Ort angekündigt: Eine von der btf produzierte Dokumentation („Poldi“) über Lukas Podolski. Mit „Schumacher ’94“ ist eine Dokumentation über das Jahr von Michael Schumachers Durchbruch und eine insgesamt legendäre Formel 1-Saison geplant. Bemerkenswert: Corinna Schumacher ist mit an Bord.

Die Doku kommt ebenso von Leonine Documentaries und ist damit eins von gleich fünf Netflix-Projekten, die aus dem Hause Leonine kommen. Bemerkenswert: Knapp 30 Prozent der vom Streamer angekündigten Projekten gehen auf das Konto von Leonine. Constantin Film kommt auf drei Aufträge, die Kölner btf auf zwei. Das Netflix-Screening zum Jahresbeginn, es war auch diesmal wieder ein großer Branchentreff der Netflix-Partnerinnen und -partner, wenn sie es durchs eiskalte und eisglatte Berlin ins Kino in der Kulturbrauerei geschafft haben. Der Weg hat sich gelohnt: Es wurde zwar ein Abend mit weniger Ankündigugen, aber dafür mehr Überblick über das, was Netflix in Deutschland auf die Beine stellt.

Netflix Führung © Netflix Wiebke Schodder, Sasha Bühler, Katja Hofem und Eva van Leeuwen

Und das ist so viel wie noch nie seit dem Start von Netflix in Deutschland, betonte Katja Hofem in Berlin. Man darf es also auch als ein medienpolitisches Ausrufezeichen verstehen, was Hofem zusammen mit ihrer Serien-Chefin Eva van Leeuwen, Non-Fiction-Chefin Wiebke Schodder und Film-Chefin Sasha Bühler vorgestellt hat. Schließlich zieht sich die medienpolitische Debatte über eine Investitionsverpflichtung inzwischen wie Kaugummi - und die Berlinale steht auch noch kurz bevor. Hofem verabschiedet das Publikum im Saal mit dem Versprechen "Wir arbeiten schon am Morgen. Und am Übermorgen."