In den zurückliegenden Jahren hat es einen Hype rund um neue Hallenfußball-Ligen gegeben. Sie heißen Baller League, Kings League oder auch Icon League - und alle versprechen das gleiche: Den traditionellen Fußball durch neue Regeln schneller und attraktiver zu machen. Dabei zielt man vor allem auf ein junges Publikum. Die genauen Spielmodi variieren von Liga zu Liga, bei der Baller League wird sechs gegen sechs gespielt. "Die erstaunliche Renaissance des Hallenfußballs" titelte die "FAZ" erst vor einigen Tagen. Doch nun kommt es zu einer Konsolidierung innerhalb der Branche. 

Nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de stellt die 2024 unter anderem von Mats Hummels, Lukas Podolski und auch dem ehemaligen DAZN-Chef Thomas de Buhr gegründete Baller League ihren Spielbetrieb in Deutschland ein. Die Spieler sind über die Entscheidung in dieser Woche informiert worden, bereits beim DFL-Neujahrsempfang vor einigen Tagen war das Aus der Baller League ein Tuschelthema. Eine mögliche Fortsetzung in der Zukunft wird zwar nicht ausgeschlossen, dürfte aber ziemlich schwer werden, wenn sich nun Vereine und Spieler aus der Liga der Konkurrenz anschließen - etwa der Kings oder Icon League. 

Die Baller League bestätigt am Mittwochabend das Aus in Deutschland auf Anfrage von DWDL.de. Man werde die Aktivitäten hierzulande "vorerst pausieren", heißt es. Der operative Fokus liege auf anderen Märkten. In Großbritannien ist gerade erst die zweite Saison zu Ende gegangen, in den USA plant man einen Start. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat man auch direkt prominente Namen verpflichtet: So werben aktuell der Streamer IShowSpeed oder auch Ex-Profi Ronaldinho und der ehemalige Weltklasse-Sprinter Usain Bolt für den US-Start der Baller League. 

Auch in Deutschland hat man in den zurückliegenden zwei Jahren auf große Namen gesetzt. Mit dabei waren neben dem genannten Podolski unter anderem auch Kevin-Prince Boateng, Christoph Kramer, MontanaBlack, Max Kruse, Jens Knossalla, Hans Sarpei, Marco Reus oder auch Alisha Lehmann und Felix Lobrecht. Mats Hummels stieg bei der Liga nach der ersten Saison wieder aus, nach dem Start im Frühjahr 2024 gab es aber noch im gleichen Jahr eine Fortsetzung. Die dritte Saison lief im Frühjahr 2025. Mittlerweile ist auch Thomas de Buhr nicht mehr mit an Bord. 

Saison-Start schon einmal verschoben

Eigentlich hatte das deutsche Team der Baller League um Geschäftsführer Felix Starck große Pläne für die weitere Zukunft. Den eigentlich für November geplanten Start der vierten Saison wurde jedoch kurzerhand auf Januar 2026 verschoben. Man wolle sich die Zeit nehmen, "um alles so hinzubekommen, wie ihr es verdient", erklärte man damals den Fans. Geplant war zudem ein Umzug von Berlin nach Köln. Doch auch wenn auf den Social-Media-Seiten und auch auf der Webseite der Baller League noch immer der Start von Season vier für Januar angekündigt wird: Dazu wird es nicht kommen. Ein Ticketlink auf der Ligaseite führt mittlerweile ins Leere. 

"Baller League International bestätigt, dass das Unternehmen weiterhin über eine hohe Liquidität und Solvenz verfügt."
Baller League International

Im Zuge der Recherche rund um die Baller League hat DWDL.de mit ehemaligen Partnern der Baller League gesprochen. Ähnlich wie die Fans tappten auch sie zuletzt weitgehend im Dunkeln und wurden nicht über die Pläne der Verantwortlichen informiert. Stattdessen wartete man bis zu diesem Mittwoch auf Informationen zur neuen Saison - und es kam nichts. Das ließ auch Gerüchte rund um mögliche finanzielle Probleme der Liga aufkommen. Auch diese Spekulationen wurden im Rahmen der Recherche an DWDL.de herangetragen. 

Vertreter der Baller League International weisen das jedoch zurück. In einem Statement gegenüber DWDL.de halten sie fest: "Baller League International bestätigt, dass das Unternehmen weiterhin über eine hohe Liquidität und Solvenz verfügt." Die Rede ist zudem von einer "strategischen Überprüfung", die man durchgeführt habe. Im Zuge dessen habe man das langfristige Ziel, eine globale Plattform aufzubauen, die den weltweit meistgespielten Sport professionalisiert, bekräftigt. Dabei fokussiere man sich nun jedoch auf Märkte, die diese "globale Ausrichtung unterstützen". 

Liga war nicht profitabel

"Deutschland wird zwar immer ein wichtiger Teil der Baller League bleiben, aber der Markt hat momentan nicht die Größe und die strukturellen Bedingungen, die nötig sind, um die langfristigen Ziele des Unternehmens zu unterstützen. Deshalb hat die Baller League beschlossen, ihre Fußballaktivitäten in Deutschland vorerst zu pausieren", heißt es von den internationalen Vertretern der Baller League gegenüber DWDL.de. Man wolle die Entwicklung in Deutschland weiterhin beobachten und bleibe offen für eine Rückkehr, "wenn die Bedingungen besser mit unseren langfristigen Vision übereinstimmen". Vorerst konzentriere man sich auf UK, die USA und die Expansion in schnell wachsende Sportregionen, "in denen es einen klaren Investmentcase und einen nachhaltigen Weg zur Rentabilität gibt".

"Deutschland wird zwar immer ein wichtiger Teil der Baller League bleiben, aber der Markt hat momentan nicht die Größe und die strukturellen Bedingungen, die nötig sind, um die langfristigen Ziele des Unternehmens zu unterstützen."
Baller League International


Mit der Rentabilität war es in Deutschland zuletzt so eine Sache. Genaue Zahlen liegen nicht vor, Geschäftsführer Felix Starck ließ zuletzt im OMR-Podcast jedoch durchblicken, dass der jährliche Umsatz der Baller League zwischen 50 und 100 Millionen Euro liege. Profitabel sei die Liga noch nicht. Zuletzt hatte man mit Xing einen der wichtigsten Sponsoren verloren. Mit der Business-Plattform schloss die Liga 2023 einen Vertrag über drei Saisons. "Dieser Vertrag wurde planmäßig mit dem Final4 Event am 19. Mai 2025 beendet", erklärte ein Sprecher der New Work SE, dem Unternehmen hinter Xing, gegenüber DWDL.de. 

Milliardenbewertung angestrebt

In Deutschland waren die Spiele der Baller League nicht nur via Twitch zu sehen, sondern auch im linearen Fernsehen bei ProSieben Maxx. Das Finale der dritten Saison erreichte im Mai 2025 immerhin mehr als 100.000 Zuschauerinnen und Zuschauer - und das alleine bei ProSieben Maxx. Der Sender hatte auch die erste Saison begleitet. Eine kurzfristige Anfrage bei ProSieben Maxx ist bislang noch unbeantwortet. Wir werden das Statement des Senders an dieser Stelle ergänzen, sobald es vorliegt. Und nicht nur in Unterföhring sprang man auf den Trend Hallenfußball-Liga auf: Die Kings League war zunächst bei RTL+ zu sehen und wechselt nun zu DAZN, die Icon League läuft bei Sport1. 

Im OMR-Podcast sprach Liga-Geschäftsführer Starck auch über seine großen Ziele mit der Baller League. "Wir werden nächstes Jahr locker eine Milliardenbewertung haben. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Also das ist klar, der Weg ist ja geebnet", erklärte er noch im Sommer des vergangenen Jahres. Manche Branchenbeobachter schüttelten schon damals mit dem Kopf. Nun ist es natürlich nicht auszuschließen, dass man dieses Ziel auf absehbare Zeit erreicht. Das Ursprungsland der Liga wird dabei aber erst einmal keine Rolle mehr spielen. Das zeigt: Ein Selbstläufer sind die Ligen keinesfalls.