Seit einigen Monaten kann Media for Europe (MFE) bei ProSiebenSat.1 nun schon schalten und walten - 2026 wird das Jahr sein, in dem man die Handschrift der neuen Muttergesellschaft wohl sehr deutlich wird erkennen können (DWDL.de berichtete). Einen weiteren Stellenabbau hatte Pier Silvio Berlusconi zuletzt ausgeschlossen, gleichzeitig agiert ProSiebenSat.1 aber weiterhin in einem schwierigen Marktumfeld. Das ist jetzt bei der Vorlage der neuesten Geschäftszahlen noch einmal mehr als deutlich geworden.
Auf Basis einer Auswertung vorläufiger und noch ungeprüfter Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 ergibt sich folgendes Bild: So lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei rund 3,68 Milliarden Euro, das waren rund 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Organisch lag das Minus bei 2 Prozent. Der Umsatz lag allerdings innerhalb der vom Konzern im November noch einmal bestätigten Zielbandbreite in Höhe von 3,65 bis 3,80 Milliarden - hier allerdings am unteren Ende.
Die selbstgesteckten Ziele verpasst hat ProSiebenSat.1 dagegen beim Ergebnis: Das adjusted EBITDA, also der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen beläuft sich nach Konzernangaben auf 405 Millionen Euro. Das ist deutlich weniger als das, was man selbst erwartet hatte: Bereits im September hatte ProSiebenSat.1 seine eigentliche Prognose kassiert und war nur noch von 420 bis 470 Millionen Euro angegangen, davor lag der Ausblick noch bei 520 Millionen (+/- 50 Mio.).
Im November stutzte ProSiebenSat.1 die Ergebnisprognose noch einmal am oberen Ende, seither war man eigentlich von 420 bis 450 Millionen Euro ausgegangen. Nun hat man auch dieses Ziel sehr klar verfehlt. ProSiebenSat.1 führt das auf das "herausfordernde Marktumfeld" zurück. Der Konzern verweist auf den bei allen Sendern erlebbaren Rückgang der Investitionen in TV-Werbung.
Ganz offensichtlich hat sich die schwierige Lage für die TV-Sender in Sachen Werbeeinnahmen auch im vierten Quartal nicht verbessert - es ist die traditionell wichtigste Zeit für die Sender, hier erzielen sie normalerweise die höchsten Einnahmen. ProSiebenSat.1 verweist auf die von Nielsen veröffentlichen Brutto-Zahlen zum Werbemarkt, demnach gingen die Investitionen in TV-Werbung im Jahr 2025 um 4,2 Prozent zurück (DWDL.de berichtete). "Auch auf Netto-Basis geht ProSiebenSat.1 davon aus, dass der TV-Sektor nach einem Rückgang in den ersten neun Monaten im vierten Quartal erheblich beeinträchtigt war", heißt es aus Unterföhring.
Trotz der unter der Erwartung liegenden Ergebnisentwicklung verringert sich die Netto-Finanzverschuldung des Konzerns voraussichtlich auf etwa 1,34 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es noch 1,51 Milliarden. Der Verschuldungsgrad liegt mit 3,3x in dem im November angestrebten Korridor, 2024 lag der Wert allerdings noch bei 2,7x. Vor wenigen Jahren hatte ProSiebenSat.1 mal eine eine Bandbreite von 1,5x bis 2,5x angestrebt. Das alles zeigt: MFE hat große Aufgaben vor sich, wenn man ProSiebenSat.1 wieder auf Kurs bringen will. 2026 dürfte ein entscheidendes Jahr werden für den paneuropäischen Konzern.
Die nun auf vorläufiger Basis veröffentlichten Zahlen stehen noch unter dem Vorbehalt einer internen Validierung. Eine Veröffentlichung der vollständig überprüften Zahlen ist für den 26. März geplant.
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