Der WDR hat angekündigt, seine regionale Berichterstattung neu aufzustellen. Konkret sollen zum 1. Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zu einem neuen Programmbereich mit dem Arbeitstitel "NRW" zusammengelegt werden - sofern die WDR-Gremien dem Vorhaben zustimmen. Die publizistische Gesamtverantwortung soll dann bei Chefredakteur Stefan Brandenburg liegen.

Katrin Vernau © WDR/Annika Fußwinkel Katrin Vernau
"Wir wollen die regionale Berichterstattung für die Menschen im Land deutlich ausbauen - unter einem Dach und mit unserer geballten journalistischen Kompetenz", sagte WDR-Intendantin Katrin Vernau am Mittwoch. "Die Tech-Giganten interessieren sich nicht für Wachtendonk oder Tecklenburg. Aber der WDR tut das. Neues aus und für NRW wird es von uns noch schneller und attraktiver auf allen relevanten Kanälen geben. Damit wollen wir für noch mehr Menschen die digitale Heimat im Westen werden."

Zuletzt leistete sich der WDR gleich drei Chefredakteure - neben Ellen Ehni, die für Politik und Zeitgeschehen verantwortlich zeichnet, leitete Stefan Brandenburg den Kölner Newsroom. Beide sind in der von Jörg Schönenborn geleiteteten Programmdirektorin Information, Fiktion und Unterhaltung angesiedelt. Bis zum Ende des vergangenen Jahres agierte außerdem Gabi Ludwig innerhalb von Andrea Schafarczyks Direktion als Regional-Chefredakteurin. Ein Konstrukt, das innerhalb des Senders immer wieder als "Geburtsfehler" bezeichnet wurde.

Schon im Herbst hatte es im Zuge des nahenden Rückzugs von Gabi Ludwig ein Umdenken im WDR gegeben: Hieß es noch Ende August, dass man einen Nachfolger für die langjährige Regional-Chefredakteurin suchen werde, verzichtete der Sender letztlich dann doch auf eine Ausschreibung der inzwsichen vakanten Stelle. Sowohl intern in der Belegschaft und den Aufsichtsgremien als auch in der Politik hatte es Widerstand gegen die ursprünglichen Pläne gegeben.

DWDL.de berichtete bereits im vergangenen Oktober über die Prüfung neuer Strukturen im Informationsbereich des WDR. Schon zuvor hatte die WDR-Geschäftsführung den Prozess "Infostrategie für den Westen" aufgesetzt, um die digitalen regionalen Angebote neu aufzustellen und die digitale Reichweite zu erhöhen. Mehrere Arbeitsgruppen loteten aus, wie eine Zusammenarbeit zwischen Newsroom und Regionalstudios auf verschiedenen Ebenen funktionieren kann. 

Nun ist man in Köln also einen bedeuteten Schritt vorangekommen. Doch auch wenn es künftig nur noch einen Bereich geben soll, will der WDR eigenen Angaben zufolge auf "starke Regionalstudios" setzen, "die für ihre jeweiligen Berichtsgebiete verantwortlich Inhalte produzieren". Erklärtes Ziel sei es, "die Menschen in Nordrhein-Westfalen in ihrer Lebenswirklichkeit und ihrem Alltag noch besser mit Informationen zu versorgen, überall und rund um die Uhr".

Für die genaue Ausgestaltung der künftigen Organisationsstruktur will der WDR auch die Mitarbeitenden der betreffenden Bereiche, den Personalrat und die Redakteusvertretung miteinbeziehen. Geschehen soll das "in enger Abstimmung mit den WDR-Aufsichtsgremien".