Seit 15 Jahren verleiht Mainstream Media und sein Pay-Sender Romance TV die Blaue Blume für die besten romantischen Kurzfilme - und eröffnet damit inzwischen seit vielen Jahren inoffiziell den Marathon der Empfänge und Partys rund um die Berlinale. Zum Jubiläum erstmals als Abendveranstaltung und mit einer besonderen Ehrenpreisträgerin: Karoline Herfurth, die für ihre „prägnante, einfühlsame und visionäre Wirkung auf das romantische Genre sowie ihre facettenreiche Präsenz, die jungen Filmschaffenden als Inspiration dient“ ausgezeichnet wurde, so die Begründung von Romance TV.

„Für mich schließt sich heute ein Kreis, denn ich wurde hier bereits 2014 für mein Regiedebüt, dem Kurzfilm „Mittelkleiner Mensch“, ausgezeichnet. Diese frühe Anerkennung hat mir unerwartet Rückenwind gegeben und dafür bin ich den Verantwortlichen der Blauen Blume sehr dankbar“, sagt Ehrenpreisträgerin Karoline Herfurth. 2011 wurde der Preis ins Leben gerufen, um jungen, talentierten Filmemacher*innen einen Anreiz zu schaffen, sich mit dem Thema Romantik zu auseinanderzusetzen.

Karoline Herfurth © imago / Eventpress

Neben gesellschaftspolitischen Dramen und dem in Deutschland besonders übermächtigen Genre von Krimi und Thriller gehen romantische Stoffe manchmal unter, nicht aber am Mittwochabend im Frederick’s Berlin, wo gut 250 Gäste nicht nur Karoline Herfurth sondern auch mehrere von einer Jury ausgewählte Preisträger*innen feierten: Bester Film wurde „Him and her“ von u.a. Nathalie Lamb, ein Kurzfilm in Stop-Motion-Ästhetik über eine Fernbeziehung zwischen Sehnsucht und Selbstverwirklichung.

Die Blaue Blume für die beste Regie ging an Christina Schmid für ihre Arbeit am Film „Selma“, eine Liebesgeschichte zweier Frauen im Berlin der 1930er Jahre. Den Preis für die beste schauspielerische Leistung erhielt Noah Tinwa für seine Rolle im Film „Paradiesvogel“ über die Trennung von der ersten großen Liebe. Zusätzlich wurden bereits zum dritten Mal auch zwei Preise für die besten polnischen Produktionen im Genre verliehen. “Initium“ von Marek Mogilski gewann den Jurypreis, „Żeby już nigdy nie było Jesieni“ von Aleksandra Głowicka den Publikumspreis des polnischen Streamingdienstes Player.

Valerie Niehaus © DWDL.de

Keine Preisträgerin und doch eine Gewinnerin des Abends in Berlin ist Valerie Niehaus. Sie moderierte die Verleihung und eröffnete mit einem überraschend bissigen StandUp, das der Branche zur beginnenden Berlinale mal überspitzt, mal ernst den Spiegel vorhielt. Im Jubiläumsjahr fällt die Auszeichnung auf fruchtbaren Boden: Romantik erfährt eine Renaissance im Storytelling. Vom deutschen Exporterfolg „Maxton Hall“ bei Prime Video oder „Bridgerton“ und „Emily in Paris“ bei Netflix über den Micro-Drama-Hype auf TikTok bis zum viralen Serienphänomen „Heated Rivalry“ bei HBO Max.

Auf den Boom von HighConcept-Serien folgt die Rückkehr von Herzschmerz - in allen Budgetgrößen, insbesondere aber für ein junges Publikum, welches ein Genre neu für sich entdeckt. Wer heute 30 Jahre ist, war noch in der Grundschule als Alexandra Neldel bei Sat.1 mit „Verliebt in Berlin“ Quotenrekorde brach. Mit anderen Worten: Was die einen mit einem „Haben wir doch alles schon gehabt“ belächeln, ist für die anderen in Zeiten einer komplexen und widersprüchlichen Welt ein neu entdeckter Eskapismus. Der ist aktuell nicht so oft dystopisch oder fantastisch. Viel mehr geht es ums Besondere im Alltag oder: „Slice of life“, wenn es neu klingen soll.

Disclaimer: Der Autor dieses Artikels war Teil der elfköpfigen Jury.