Anfang Januar sahen zwei Millionen Menschen das Finale der PDC-Weltmeisterschaft und mit durchschnittlich 700.000 Zuschauerinnen und Zuschauern war es gemessen am Interesse des deutschen Publikums die bislang reichweitenstärkste Darts-WM. Umso bitterer jetzt die Niederlage für Sport1. 

Ab Dezember 2027 hat sich ProSiebenSat.1 nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de die exklusiven Free‑TV‑Übertragungsrechte für die PDC World Darts Championship sowie weitere Major‑Turniere gesichert. Die Unterföhringer haben eine entsprechend umfangreiche und langfristige Kooperation mit DAZN vereinbart. 

Der Streamer hatte bereits am Mittwochabend die Verlängerung seiner Darts-Rechte bestätigt. Dort hatte bislang Sport1 seine FreeTV-Rechte sublizenziert. Doch nach der aktuellen Rechte-Periode, die noch die kommende WM im Dezember/Januar umfasst, ist Schluss. Seit 2004 war das Darts-Spektakel bei Sport1 zu sehen, das damals noch DSF hieß.

2017 hatte sich dann erstmals der internationale Sportstreamer DAZN die Pay-Rechte gesichert, was jedoch nicht zur Kannibalisierung führte. Im Gegenteil: Es verhalf dem Event im Londoner Alexandra Palace, dem „Ally Pally“, nur zu noch mehr Sichtbarkeit, von der auch die Reichweiten bei Sport1 profitierten, die in den letzten Jahren nochmal deutlich zulegen konnten.

Entsprechend begehrt waren die gerade verfügbaren Sportrechte ab der PDC Weltmeisterschaft im Dezember 2027. Rechteinhaber Matchroom Sport hatte ein großes Interesse daran, seinen Rahmenvertrag mit DAZN fortzuführen. Matchroom vermarktet auch diverse Box-Events, die beim Sport-Streamer zu sehen sind. Da waren die Darts-Rechte in der Vergangenheit quasi Zugabe. Das hat sich geändert. 

Mit einem von Beobachtern erwarteten neuen DAZN-Deal war klar, dass die Pay-Rechte an der Darts-WM (und weiteren Turnieren) schon vergeben sind. Eher ungünstig für RTL Deutschland, wo man durchaus auch ein Auge auf die Darts-Rechte geworfen hatte. Dort wäre jedoch ein Paket aus Free- und Pay-TV-Rechte gewünscht gewesen. 

Damit lief es bei den FreeTV-Rechten in Deutschland auf ein Duell zwischen Sport1 und ProSiebenSat.1 hinaus. Sport1 hatte sich mit seinem neuen Gesellschafter aus der Türkei zuletzt von seinem PayTV-Geschäft verabschiedet, ProSiebenSat.1 im Bereich Sport nie welche entwickelt. Nun hat der Entertainment-Konzern mit Sport-Ambitionen den Sport-Sender mit Entertainment-Ambitionen bei den Rechten an der erfolgreichen Darts-WM ausgestochen.

Das bestätigt ProSiebenSat.1 am Donnerstagmorgen auf DWDL.de-Anfrage auch. "Dieser Rechteerwerb ist für uns ein Volltreffer“, schwärmt Henrik Pabst, Chief Content Officer von ProSiebenSat.1. „Darts begeistert Millionen Menschen. Die Weltmeisterschaft hat sich in den letzten Jahren zu einem Sport-Highlight mit Kult-Faktor entwickelt. Mit den Darts-Übertragungsrechten setzen wir konsequent einen weiteren wichtigen Meilenstein in unserer Sport-Strategie.“

ProSiebenSat.1 hatte zuletzt abseits von König Fußball intensiv in Sportrechte investiert. Mittelpunkt der Strategie: Turniere statt Ligen. Pabst freut sich: „Neben den Weltmeisterschaften im Handball, Basketball und Eishockey bieten wir unseren Zuschauern künftig auch die besten Dartsspieler der Welt. Dann fliegen bei uns nicht nur die Bälle, sondern auch die Dartspfeile. Und alles auf weltmeisterlichem Niveau.“

Ab Dezember 2027 bis inklusive der WM 2032 zeigt ProSiebenSat.1 jedes Jahr die Darts‑Weltmeisterschaft aus London live und exklusiv im Free‑TV und auf Joyn, aber nicht nur das: Teil des mit DAZN vereinbarten Rechtepaket sind auch die internationalen Major‑Events European Championship, World Cup of Darts und World Matchplay sowie den German Darts Grand Prix. 

Aber Sport1 geht nicht gänzlich leer aus. Laut DAZN habe man „eine breite Anzahl hochkarätiger Events“ an den Sender lizensiert,  darunter die Premier League, den Grand Slam of Darts oder auch die Players Championship Finals sowie ausgewählte Events der European Tour und der World Series of Darts. Die quotenträchtige WM jedoch, die liegt künftig bei ProSiebenSat.1. Auf welchem Sender sie dort zu sehen sein wird, will man übrigens erst bei Zeiten entscheiden.