Das ZDF hat angekündigt, seine New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht mit sofortiger Wirkung abzuberufen. Hintergrund ist die Verwendung zweier Videoszenen in einem Bericht für das "heute-journal", die in den vergangenen Tagen massive Kritik nach sich gezogen hatten. Albrecht hatte für das "heute-journal" von den Festnahmen der amerikanischen ICE-Behörde berichtet und dabei nicht nur eine aus einem völlig anderen Kontext stammende Szene, sondern auch eine KI-generierte Szene verwendet. 

Bettina Schausten © ZDF/Marcus Hoehn Bettina Schausten
"Der Schaden, der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden ist, ist groß", sagte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten. "Es geht im Kern um die Glaubwürdigkeit unserer Berichterstattung. Wir erarbeiten zurzeit einen Maßnahmenkatalog, um mit aller Konsequenz sicherzustellen, dass die hohen journalistischen Standards, denen wir verpflichtet sind, jederzeit und uneingeschränkt eingehalten werden."

Das KI-generierte Material hätte ohne journalistische Begründung und ohne Einordnung gemäß der internen Regeln des ZDF zur Verwendung von KI-generiertem Material nicht verwendet werden dürfen. Eine nach journalistischen Standards erforderliche Überprüfung der anderen Videoszene und ihres Ursprungs ist nach Angaben des Senders nicht erfolgt. Auch der Schlussredaktion des "heute-journals" fiel die KI-generierte Bildsequenz nicht auf, sodass sie es schließlich am Sonntag in die Sendung schaffte.

Das ZDF war allerdings nicht nur wegen der Verwendung des KI-Materials in die Kritik geraten, sondern auch mit seinem fragwürdigen Umgang mit dem Fehler. Zunächst hatte es geheißen, dass die KI-Kennzeichnung durch einen technischen Fehler verloren gegangen - eine Aussage, die der Sender später korrigieren musste. ZDF-Nachrichtenchefin Anne Gellinek entschuldigte sich daraufhin im "heute-journal" und erklärte, der Beitrag hätte in dieser Form "nicht gesendet werden dürfen" (DWDL.de berichtete).