„Keine Royals ohne uns“, scherzt Moritz von Kruedener, Managing Director bei Beta Film. Bei den London Screenings kündigte das Unternehmen den nächsten royalen Export an: Beta Film übernimmt die internationale Distribution von „Ludwig“, der kommenden Serie von W&B Television für ARD Degeto, BR, ServusTV and SRF. Sie erzählt die Geschichte des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern. Abgedreht ist das Projekt bereits, soll 2027 auf Sendung gehen.
Beta Film werde die Highend-Serie mit Luis Pintsch in der Hauptrolle bei der MIPCOM im Herbst als Highlight feiern. Doch das Announcement in London ist der erste internationale Aufschlag des Projekts - und produzierte so auch unmittelbar Schlagzeilen in der englischsprachigen Fachpresse, obgleich das Projekt in Deutschland schon länger angekündigt bzw. bekannt ist. Ein Grund, warum Beta den Schritt nach London gewagt hat.
Neben den Initiatoren der London Screenings, ITV Studios, All3Media, Banijay und Fremantle, sowie BBC Studios (die mit ihrem jährlichen Showcase indirekt den Grundstein für alles legten), beteiligen sich längst auch US-Studios wie Fox, NBCUniversal, Paramount, Sony und Warner Bros an einer Woche voller Präsentationen, Screenings und Premieren, für die mehr als 800 Einkäuferinnen und Einkäufer aus aller Welt anreisen. Und inzwischen eben auch europäische Player wie Beta, die diese Bühne für sich nutzen.
Die Screenings sind für Beta in der ersten Jahreshälfte zum primären Event geworden, erklärt von Kruedener im Pressegespräch. Sie haben abgelöst, was einst die MIPTV war - und eine MIP London auf Sinnsuche nicht ersetzen kann. In zwei parallelen Screenings konnte Beta in diesem Jahr eine Rekordbesucherzahl verzeichnen. Das Format ermögliche fertige wie auch kommende Programme im Detail zu präsentieren, „was in anderen Umgebungen bislang schwierig war“. Und für Beta auch die Chance, sich nochmal neu zu präsentieren.
In den vergangenen 10 Jahren hat sich das Unternehmen von Jan Mojto unter Federführung des Gründers wie auch Managing Director Moritz von Kruedener maßgeblich verändert - insbesondere vergrößert. Ein Beteiligungsportfolio mit einer Vielzahl von Firmen, deren genaue Anzahl auf der Londoner Bühne Anlass selbst unter Beta-Köpfen ein Rätsel blieb, macht das Unternehmen zu einem der großen kleinen oder kleinen größten Player im Distributionsmarkt. Es sind fast 60 Tochterfirmen in 13 Märkten, die oft sehr unabhängig arbeiten.
Das macht das Beta-Modell besonders, mitunter allerdings auch verwirrend. Beta vertreibt einerseits auch zahlreiche Programme, die man nicht selbst produziert hat (wie „Ludwig“), produziert andererseits aber auch selbst Programme, die über andere Firmen distribuiert werden. Und geht in die frühzeitige Risikofinanzierung neuer Projekte. Auch wenn rund drei Viertel der Produktionserlöse in Deutschland erwirtschaftet werden, ist Beta international, insbesondere in Europa sehr aktiv. Das spiegelt sich im LineUp, das man in London ins Schaufenster stellte.
Beta verkauft europäische Geschichte(n). Stichwort Royals: Die zweite Staffel der Serie „Maxima“ aus den Niederlanden liegt vor, eine dritte ist in Vorbereitung - und ein SpinUp ebenfalls startklar. Aus Italien verkauft man mit „Gomorrah: The Origins“ das kommende Prequal der erfolgreichen Sky Italia-Produktion international. „The Great Chimera“ hat man die bisher teuerste Serienproduktion aus Griechenland im Portfolio. Aus Großbritannien verkauft man „Professor T“, „Bookish“ und „Patience“. Letztere Serie ist erst vor kurzem in Deutschland gestartet (bei Sat.1 Emotions).
Und dann sind da natürlich die Highlights aus dem deutschsprachigen Markt heraus: Die Neuauflage von „Kommissar Rex“, die im April startet und bei ORF sowie Sat.1 zu sehen ist. Später im Jahr liegt dann die finale Staffel des Exporterfolgs „Babylon Berlin“ vor - und eben das in London erstmals dem internationalen Publikum vorgestellte „Ludwig“. Beta vereint, das wird bei den Screenings deutlich, wie kein zweites Studio Produktion und Distribution aus einer Vielzahl von Märkten mit hoher Diversität in Charakteren, Storys und Kulturen.
Doch Beta Film wächst auch darüber hinaus - mit der Gründung einer Tochterfirma in Brasilien im vergangenen Jahr. Und vertreibt ohnehin schon seit Jahren Produktionen auch aus dem amerikanischen Markt. Etwa die kanadische Version von „Kommissar Rex“, die als „Hudson & Rex“ bereits in der neunten Staffel ist. Und mit „Barton Vet“ kommt eine neue Serie über eine Tierarztpraxis aus Kanada hinzu. „Wir können nicht nur Royals, auch Tiere“, ulkt man mit Understatement.
Gefragt nach dem Ausblick auf 2026/27 und die Auswirkungen der gerade beschlossenen Investitionsverpflichtung bleibt Betas Managing Director Moritz von Kruedener skeptisch. Noch sind Details nicht geklärt, das Gesetz nicht auf den Weg gebracht und die Umsetzung nicht definiert. Entsprechend sieht er keine allzu zeitnahen Effekte. Die seien eher durch neue Plattformen oder die Rückkehr von Plattformen zur Eigen- bzw. Auftragsproduktion zu erwarten. Dazu öffne der Kostendruck in vielen Märkten die Bereitschaft zu Kooperation - ein Geschäft in dem Beta schon erfolgreich war als andere Studios bzw. Medienkonzerne noch auf Exklusivität und vertikale Integration setzten.
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