Mehr als 30 Jahre ist es her, dass RTLzwei erstmals einen Grimme-Preis gewann. Dass der damals noch junge Privatsender die Auszeichnung für Nico Hofmanns Psychothriller "Der Sandmann" mit Hauptdarsteller Götz George erhielt, zeigt, wie sehr sich die TV-Landschaft im Allgemeinen und RTLzwei im Besonderen seit Mitte der 1990er Jahre verändert hat. Gleichwohl kann man in Grünwald jetzt den zweiten Grimme-Preis in der Sendergeschichte bejubeln: Die zweiteilige True-Crime-Dokumentation "Hass.Hetze.Hoffnung." über den Mord an der Chinesin Li Yángjié bekommt einen der diesjährigen Preise, wie jetzt bekannt wurde.

Andere Privatsender können in diesem Jahr hingegen nicht jubeln - stattdessen bricht neben RTLzwei nur Prime Video die öffentlich-rechtliche Dominanz beim Grimme-Preis. Der Streamingdienst bekommt eine Auszeichnung für seine Comedyserie "Gerry Star". Jubeln kann man daneben auch noch bei AppleTV, dessen zusammen mit ZDFneo umgesetzte Dramaserie "Krank Berlin" den Preis der Studierendenjury erhält. Im Fiktion-Wettbewerb ging "Krank Berlin", noch im Vorjahr einer der großen Abräumer beim Deutschen Fernsehpreis, hingegen leer aus.

Für das ZDF war es trotzdem ein besonders starkes Grimme-Jahr: So gab es unter anderem Auszeichnungen für "Die Affäre Cum-Ex" und die Comedyserie "Tschappel", zudem gingen in der Unterhaltung mit "Maithink X - Die Show" und "smypathisch - Die Show" gleich zwei Preise nach Mainz. Als ebenfalls preiswürdig empfand die Grimme-Jury darüber hinaus die Dokumentation "Sudan: Ein Krankenhaus im Schatten des Krieges" und die Berichterstattung von Golineh Atai, die mit dem Grimme-Preis für die "besondere journalistische Leistung" ausgezeichnet wird.

Zur weiteren Riege der Preisträger gehören darüber hinaus unter anderem das ARD-Drama "Die Nichte des Polizisten" und der "Tatort: Dunkelheit" um das neue Frankfurter Ermittler-Team Melika Foroutan und Edin Hasanovic. Mit der Besonderen Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands würdigt der Deutsche Volkshochschul-Verband in diesem Jahr außerdem Frank Elstner - "nicht nur als einen überragender TV-Macher, sondern als Botschafter für gesellschaftliche Anliegen", wie es in der Begründung heißt.

"Dieser Grimme-Preis Jahrgang zeigt erneut, wie vielfältig im deutschen Fernsehen aktuelle Themen der Zeitgeschichte wie Rassismus, Rechtsradikalismus und die prekäre Lage des Gesundheitssystems, aber auch neuere deutsche Geschichte erzählt werden“, so Çiğdem Uzunoğlu, Direktorin des Grimme-Instituts. Bei genauerer Betrachtung zeigten sich nach ihrer Auffassung aber auch thematische Lücken: "Die Kriege in Europa und im Nahen Osten kommen nicht vor, ebenso die Klimakrise", sagt sie und stellt die Frage: "Fehlt es hier an Mut?"

Verliehen wird der 62. Grimme-Preis am 24. April im Marler Theater - unter Strich werden dann 16 Auszeichnungen sowie drei Sonderpreise vergeben. Durch die Preisverleihung führt in diesem Jahr Linda Zervakis, musikalisch begleitet wird sie durch Helmut Zerlett und Band.

 

Alle Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick

Wettbewerb Fiktion

an Schomburg (Buch)
Dustin Loose (Regie)
Kasper Munk (Regie)
Nils Strunk (Stellvertretend für das Ensemble)
Karen-Lise Mynster (Stellvertretend für das Ensemble)

für Die Affäre Cum-Ex (X Filme Creative Pool & True Content Entertainment/EPO-Film/Beta Film für ZDF/DR/New8)

Rolf Basedow (Buch)
Nicole Armbruster (Buch)
Gabriela Sperl (Buch)
Dustin Loose (Regie)
Magdalena Laubisch (Stellvertretend für das Ensemble)
Clemens Baumeister (Bildgestaltung)

für Die Nichte des Polizisten (W&B Television für SWR/NDR)

Senad Halilbašić (Buch)
Erol Yesilkaya (Buch)
Stefan Schaller (Buch/Regie)
Melika Foroutan (Darstellung)
Edin Hasanovic (Darstellung)

für Tatort – Dunkelheit (Sommerhaus Filmproduktion für ARD Degeto/HR)

Marius Beck (Buch)
Marc Philip Ginolas (Buch/Regie)
Carly Coco (Regie)
Sebastian Doppelbauer (Darstellung)
Jeremias Meyer (Darstellung)
David Ali Rashed (Darstellung)

für Tschappel (Apollonia Film/Lax Entertainment für ZDF)

Grimme-Preis Spezial

Jovana Reisinger (Buch/Regie/Creation)

für Unterwegs im Namen der Kaiserin für die zeitgemäße Dekonstruktion des Sisi-Hypes durch eine radikale Ästhetik (maze pictures/Hochschule für Film und Fernsehen für ZDF – Das Kleine Fernsehspiel)

 

Wettbewerb Info & Kultur

Agnes Lisa Wegner (Buch/Regie)
Cece Mlay (Buch/Regie)

für Das leere Grab (Kurhaus Production/Kijiweni Productions für ZDF/ZDF – Das kleine Fernsehspiel)

Linda Kokkores (Buch)
Lillian Malan (Buch)
Philipp Link (Buch)
Claudia Tuyết Scheffel (Buch/Regie)
Quỳnh Lê Nguyễn (Buch/Regie)

für Hass.Hetze.Hoffnung. (NEOS Film/Gute Zeit Film für RTLzwei)

Doris Metz (Buch/Regie)

für Petra Kelly – Act Now! (Bildersturm Filmproduktion/Kimmel & Metz Filmproduktion für RBB/BR/RB/Arte)

Carl Gierstorfer (Buch/Regie/Bildgestaltung)
Laura Salm-Reifferscheidt (Buch/Regie)
Ronald Rist (Montage)

für Sudan: Ein Krankenhaus im Schatten des Krieges (Docdays Productions für ZDF/DW/Arte)

Grimme-Preis für die Besondere journalistische Leistung

Golineh Atai für ihre ruhig erzählten und analytisch herausragenden Berichte aus der arabischen Welt (ZDF)

 

Wettbewerb Unterhaltung

Max Wolter (Buch/Regie)
Tom Gronau (Buch/Regie)
Sascha Nathan (Stellvertretend für das Ensemble)
Franziska Annekonstans Winkler (Stellvertretend für das Ensemble)

für Gerry Star (Pyjama Pictures/Prater Film/Amazon Studios für Prime Video)

Mai Thi Nguyen-Kim (Moderation und Wissenschaftliche Leitung)
Hanna Käßbohrer (Executive Producer)
Katharina Adick (Stellvertretend für Buch)

für Maithink X – Die Show (2025) (btf für ZDF)

Marie Lina Smyrek (Buch)
Canberk Köktürk (Buch)
Jana Döhlinger (Regie)

für smypathisch – die show (btf für ZDF/funk)

 

Wettbewerb Kinder & Kultur

Claudia Schaefer (Buch)
Aslı Özarslan (Buch/Regie)
Melia Kara (Darstellung)

für Ellbogen (Achtung Panda!/Tripod/Istos/Jip/Tarabya Alumni-Fonds für ZDF/ZDF – Das kleine Fernsehspiel)

Sebastian Grusnick (Buch)
Thomas Möller (Buch)
Sarah Winkenstette (Regie)
Jakob Berger (Bildgestaltung)
Theo Kretschmer (Darstellung)
Anton Noltensmeier (Darstellung)
Lilli Lacher (Darstellung)

für Grüße vom Mars (Leitwolf/Kinescope Film für NDR/HR/Kika/MDR)

Grimme-Preis Spezial

Moritz Henneberg
Julius Drost
Nikita Fedosik

für die Protagonisten und die Idee der Dokumentation "Der talentierte Mr. F" (Neue Flimmer für MDR/ARD Kultur/BR/RBB/HR)

 

Wettbewerb Marler Gruppe

Publikumspreis der Marler Gruppe

Elena Walf (Buch/Regie/Montage)
Nicolai Krepart (Musik)

für Lenas Hof (Studio Film Bilder / Minya Film für ZDF)

 

Wettbewerb Studierendenjury

Preis der Studierendenjury

Samuel Jefferson (Stellvertretend für Buch)
Fabian Möhrke (Regie)
Alex Schaad (Regie)
Slavko Popadić (Stellvertretend für das Ensemble)
Haley Louise Jones (Stellvertretend für das Ensemble)
Tim Kuhn (Bildgestaltung)
Jieun Yi (Bildgestaltung)

für Krank Berlin (Violet Pictures/Real Film Berlin für ZDFneo/Apple TV+)

 

Die Auszeichnung des Stifters

Besondere Ehrung des Deutschen Volkhochschul-Verbandes

an Frank Elstner