Die Strategien von ProSiebenSat.1 und RTL könnten derzeit kaum unterschiedlicher sein. Während MFE ProSiebenSat.1 in einen europäischen Senderverbund integrieren will und nun wieder die linearen Sender und nicht Joyn zur Prio 1 erklärt hat, hat die RTL Group in den letzten Jahren sukzessive von Beteiligungen im Ausland getrennt. Stattdessen versucht man durch die angestrebte Übernahme von Sky Deutschland zum "Local Hero" unter den Streamern zu werden, um es mit Netflix und Co. aufnehmen zu können.

Entsprechend skeptisch äußerte sich Thomas Rabe, der scheidende CEO der RTL Group, zu den Plänen der Konkurrenz. "Was MFE versucht aufzubauen ist das, was es bei der RTL Group seit 30 Jahren gibt: Einen europäischen Senderverbund", so Rabe auf der Telefonkoferenz im Anschluss an die Bekanntgabe der Geschäftszahlen für 2025. Synergien seien in dieser Konstellation "relativ begrenzt" so Rabe - zumindest in der Weise, wie RTL das Geschäft betrieben hat. Ob MFE hier mehr Synergien heben könne, bleibe abzuwarten. 

Für RTL sei die Entwicklung von ProSiebenSat.1 ohnehin zweitrangig: "Wir schauen auf uns, wir schauen im Wettbewerb in Deutschland nicht in erster Linie auf ProSieben, sondern auf die amerikanischen Streamer, auf Youtube und andere Video-Angebote", mit denen man um Aufmerksamkeit und zunehmend auch um Werbegeld konkurriere. Für RTL+ sieht er dabei weiter gute Chancen: Zwar seien internationale Inhalte natürlich auch für ein deutsches Publikum interessant, was der Erfolg der US-Streamer belege. "Es gibt aber auch eine hohe Nachfrage nach lokalen Inhalten." 

Als Beleg führt Rabe an, dass die Anzahl der Abos bei Streamingdiensten im letzten Jahr über alle Angebote nur um ein Prozent gewachsen, RTL+ hingegen zweistellig. Dass ein guter Teil dieser Abos über die Kooperation mit RTL+ kommt, sieht er gelassen. "Ich sehe hier keine Abhängigkeit, allenfalls eine wechselseitige." Der Deal funktioniere "für beide Seiten ausgesprochen gut" und sei daher auch langfristig bis 2030 verlängert worden. Gedämpftes Wachstum aufgrund der Wirtschaftsflaute befürchtet er nicht: Das bisherige Wachstum habe man trotz der seit Jahren anhaltenden Flaute erzielen können.

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