Norbert Himmler bleibt auch in den kommenden Jahren Intendant des ZDF. Der 55-Jährige erhielt am Freitag bei der Wahl durch den ZDF-Fernsehrat die erforderliche Drei-Fünftel-Mehrheit: 48 der 53 anwesenden Mitglieder des Gremiums votierten für Himmler, drei dagegen. Zwei Mitglieder enthielten sich ihrer Stimme Eine Überraschung ist die Wiederwahl freilich nicht, schließlich gab es keinen Gegenkandidaten, nachdem die Journalistin Floria Fee Fasshini ihre überraschende Kandidatur ebenso überraschend wieder zurückgezogen hatte.
Gleichwohl stand Himmlers Wiederwahl auch im Schatten der Debatte um den unerlaubten Einsatz von KI-Material in einem Bericht des "heute-journals", der den öffentlich-rechtlichen Sender in den vergangenen Wochen erschüttert hatte. Und so war es dann auch nicht die Intendantenwahl, mit der die Fernsehratsvorsitzende Gerda Hasselfeldt die Sitzung auf dem Mainzer Lerchenberg eröffnete, sondern die Debatte um den jüngsten Skandal.
Noch vor seiner Bewerbungsrede musste Norbert Himmler vor dem Fernsehrat zunächst erklären, wie es zu dem gravierenden Fehler kommen konnte – vor allem aber, wie sichergestellt werden soll, dass sich Ähnliches in Zukunft nicht mehr wiederholen wird. "Glaubwürdigkeit ist unser höchstes Gut", betonte Himmler und räumte ein, dass die Verwendung von KI-Material im "heute-journal" selbst mit Kennzeichnung nicht den Richtlinien des ZDF entsprochen habe. Er attestierte seinem Haus zugleich "große Mängel an der Aufarbeitung am ersten Tag" und bezeichnete die Abberufung der für den Bericht verantwortlichen New-York-Korrespondentin als harten Schritt, der aus seiner Sicht aber notwendig gewesen sei.
Kurz darauf präsentierte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten fünf Maßnahmen, die der Sender in Folge des Skandals im Umgang mit Künstlicher Intelligenz fortan ergreifen will. Dazu gehört ein Ausbau der Kompetenzen zur Verifikation von Bildmaterial in den Redaktionen ebenso wie eine Anpassung der Abnahmeprozesse. Fremdmaterial soll zudem "nur im Rahmen einer verbindlichen Quellenhierarchie" zur Ausstrahlung kommen. Schausten kündigte zugleich an, dass eine Fehlerkultur im Haus gestärkt werden soll, "in der Fehler transparent benannt, konsequent aufgearbeitet und korrigiert werden".
Die Fernsehratsvorsitzende Gerda Hasselfeldt erklärte indes, das Publikum erwarte vom ZDF "zu Recht auch im Zeitalter von KI verlässliche Informationen". "Wenn aber dennoch einmal Fehler passieren, müssen diese gründlich aufgearbeitet werden. Wichtige und richtige Schritte dazu sind eingeleitet worden. Nun müssen die vorgestellten Maßnahmen zur Sicherung der journalistischen Standards konsequent Anwendung finden." Deren Wirksamkeit werde der Fernsehrat "zu gegebener Zeit prüfen", so Hasselfeldt weiter.
"Relevanter Faktor für unsere Demokratie"
Gegrillt wurde Norbert Himmler indes vor seiner Wiederwahl zum Intendanten von den Mitgliedern des Gremiums nicht – auch nicht nach seiner Bewerbungsrede, in der er die Ziele für das ZDF bis zum Jahr 2028 formulierte. Dabei betonte Himmler die Abgrenzung seines Hauses zu "Plattformen, auf denen die lautesten und die schrillsten Stimmen dominieren" und die bei Fehlern "keine publizistische Verantwortung" übernähmen. Sein erklärtes Ziel sei es nun, den Dialog mit dem Publiku zu fördern – auch durch eine stärkere Präsenz des ZDF vor Ort. "Ohne Akzeptanz können wir unseren Auftrag nicht erfüllen", sagte Himmler.
Zu den geplanten Aufgaben der kommenden Jahre gehört aber auch ein Ausbau des Angebots für Kinder und junge Erwachsene. Im Zuge dessen sollen weitere 50 Millionen Euro für Programme umgewidmet werden, "um alle Altersgruppen zu erreichen", kündigte der Intendant an. Gleichzeitig sollen aber auch Partnerschaften gestärkt werden – auch mit Printmedien. "Der Feind sitzt schlichtweg woanders", sagte Himmler mit Blick auf die Konkurrenz aus Übersee. Sein Versprechen: "Ich möchte mich dafür einsetzen, dass das ZDF ein relevanter Faktor für unsere Demokratie ist."
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Malu Dreyer, Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrats, ZDF-Intendant Norbert Himmler und Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats.
Nach der Wahl sagte Himmler, er werde seinen "Beitrag dazu leisten, das ZDF für die Herausforderungen der digitalen Zukunft bestens aufzustellen". Der Unterstützung des Fernsehrats kann er sich dabei sicher sein - auch nach den turbulenten vergangenen Wochen. "Die Wiederwahl unterstreicht das Vertrauen des Fernsehrats in seine Führungskraft und seine klare strategische Linie für das ZDF", sagte Gerda Hasselfeldt. "In den vergangenen Jahren hat Norbert Himmler das ZDF mit Weitblick und großer Verantwortungsbereitschaft geprägt. Ich wünsche ihm viel Erfolg für die Aufgaben, die vor ihm und dem ZDF liegen. Seine neue Amtszeit werden wir weiter konstruktiv und kritisch begleiten."
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